Supply Chain : Wettstreit um Mikrochips: EU und USA doch keine Konkurrenten?

Ein fertiger Halbleiter: Die weltweite Produktion soll sich in den nächsten Jahren verdoppeln.

Der Kampf um Mikrochips könnte zu einer schweren ökonomischen Belastung werden

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Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten wollen durch engere Zusammenarbeit ein Wettrennen um staatliche Förderung für Mikrochipproduktion verhindern. Sowohl die EU als auch die USA wollen in den kommenden Jahren Dutzende Milliarden für die Produktion von Halbleitern mobilisieren.

Dies hatte Befürchtungen geweckt, dass sich die beiden Wirtschaftsweltmächte etwa im Kampf um die Ansiedlung von Firmen gegenseitig immer weiter überbieten und dafür Steuergelder verschwenden könnten. Die Partner wollen sich nun über Zweck, Form und Betrag der geplanten Subventionen informieren, solange dies keine vertraulichen Informationen betrifft, wie am Montag mitgeteilt wurde.

Zudem soll ein Frühwarnsystem eingerichtet werden, das auf Gefahren eines Halbleitermangels und Subventionswettlaufs hinweist. Wie genau dieses aussieht, steht nicht in der gemeinsamen Erklärung zur zweiten Sitzung des neuen europäisch-amerikanischen Handels- und Technologierates in Paris. Im Juni 2021 hatten sich die EU und die USA auf die Einrichtung des Rates geeinigt.

Ein erstes Treffen Ende September wurde davon überschattet, dass Washington in den Monaten zuvor hinter dem Rücken der EU mit Großbritannien und Australien einen neuen Sicherheitspakt für den Indopazifik-Raum ausgehandelt hatte. Nun - mehr als ein halbes Jahr später - bezeichneten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Joe Biden den Rat als "Säule der transatlantischen Zusammenarbeit".

Für deutsche Unternehmen sei es wichtig, dass Handelsstreitigkeiten abgebaut und neue Konflikte verhindert werden, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, der Deutschen Presse-Agentur. Gerade in Zeiten, in denen die Tendenz sichtbar werde, sich von China zu lösen, sei ein besserer Marktzugang auf dem US-amerikanischen Markt für Unternehmen aus Deutschland dringend nötig.

Neben der Halbleiterproduktion wollen EU und USA künftig auch in den Bereichen Handel, Umwelt und Lebensmittelsicherheit enger zusammenarbeiten. Beide Seiten lobten sich zudem für ihre Reaktionen auf Russlands Krieg gegen die Ukraine.

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Infineon positiv gestimmt

Der Halbleiterhersteller Infineon, der in Österreich unter anderem mit einem großen Werk in Villach in Kärnten vertreten ist, blickt nach einem Umsatzplus im abgelaufenen Quartal zuversichtlich auf das laufende Geschäftsjahr 2021/22. Der Umsatz werde sich in den zwölf Monaten bis Ende September auf rund 13,5 Mrd. Euro verbessern, teilte der Konzern am Montag mit.

Bisher hatte Infinoen mit 13 Mrd. Euro gerechnet. Auch die Segmentergebnis-Marge werde mit mehr als 22 Prozent besser ausfallen als bisher angenommen. Nach wie vor übersteige die Nachfrage das Angebot deutlich, sagte Infineon-Chef Jochen Hanebeck. Zudem belasteten globale Unwägbarkeiten die Lieferketten, insbesondere der Krieg in der Ukraine und der weitere Verlauf der Coronapandemie.

Um die hohe Nachfrage erfüllen zu können, plane Infineon für das Geschäftsjahr Investitionen von 2,4 Mrd. Euro. Schwerpunkt sei der Ausbau der Kapazitäten in der Frontende-Fertigung. Erst im vergangenen Jahr hatte Infineon in Villach ein neues Werk eröffnet. Im Februar kündigte der Konzern Milliardeninvestitionen in Malaysia an.

Im abgelaufenen zweiten Quartal legten die Erlöse auf Jahressicht um 22 Prozent zu auf 3,3 Mrd. Euro. Analysten hatten mit 3,21 Mrd. Euro gerechnet. Die Segmentergebnis-Marge verbesserte sich auf 23,1 Prozent. Nach Steuern verdiente Infineon mit 469 Mio. Euro um 3 Prozent mehr als im Vorquartal und ebenfalls mehr als erwartet. An der Börse wurden die Zahlen positiv aufgenommen: Die Papiere legten im vorbörslichen Handel bei Lang & Schwarz zwei Prozent zu.