Engel Stellenabbau : Engel unter Druck: Billig-Konkurrenz führt zu Jobabbau und Standortverlagerung

Produktion bei Engel: Der Maschinenbauer wird in den kommenden Jahren weitere Stellen abbauen
- © EngelDer oberösterreichische Maschinenbauer Engel, ein führender Hersteller von Spritzgießmaschinen, kündigt einen umfassenden Stellenabbau an. Wie das Unternehmen bekanntgab, sollen an den Standorten St. Valentin, Schwertberg und Dietach insgesamt 50 Arbeitsplätze abgebaut werden. Zusätzlich ist eine teilweise Verlagerung der Produktion nach Osteuropa vorgesehen. Grund für diese drastischen Maßnahmen sind laut Unternehmensangaben unter anderem globale Handelskonflikte, ein rückläufiger Auftragseingang sowie steigende Kosten im heimischen Automobilsektor.
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Engel plant tiefgreifenden Stellenabbau: 50 Kündigungen fix – weitere Einschnitte absehbar
Die betroffenen Standorte in Oberösterreich – konkret St. Valentin im Bezirk Amstetten sowie die Werke in Schwertberg und Dietach – wurden bereits über die bevorstehenden Kündigungen informiert. Armin Riedel, Vorsitzender des Angestelltenbetriebsrats bei Engel, bestätigte gegenüber noe.ORF.at: „Die Unternehmensleitung hat die Belegschaft in den vergangenen Tagen informiert.“ Insgesamt seien 50 Kündigungen geplant.
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Doch damit dürfte es nicht getan sein. Laut Riedel plant das Unternehmen mittelfristig, zehn bis fünfzehn Prozent der Belegschaft abzubauen. Eine bevorstehende Gehaltsanpassung im Herbst sei vor diesem Hintergrund ebenfalls vom Tisch. Riedel betont, dass Maßnahmen dieser Größenordnung nur mit Zustimmung und Verzichtserklärungen der Belegschaft realisierbar seien.
Verlagerung nach Tschechien: Folgen für Standort Schwertberg befürchtet
Ein weiterer Bestandteil der Restrukturierungsmaßnahmen ist die Verlagerung von Produktionskapazitäten nach Osteuropa. Bereits im Vorfeld hatte das Unternehmen mit der Verlagerung der Kleinmaschinenproduktion nach Tschechien begonnen. Diese Maßnahme soll laut Medienberichten – unter anderem der „NÖN“ – deutlich ausgeweitet werden.
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Betriebsrat Riedel geht davon aus, dass der Standort Schwertberg besonders stark von der Verlagerung betroffen sein wird. „Wir rechnen im Zuge der Produktionsverlagerung mit weiteren rund 100 Kündigungen“, so Riedel. Insgesamt sollen etwa 20 Prozent der Fertigung in kostengünstigere osteuropäische Länder verlagert werden.
Marktdruck aus Asien und hohe Kosten: Engel kämpft mit schrumpfender Wettbewerbsfähigkeit
In einer offiziellen Stellungnahme beruft sich das Unternehmen Engel auf die angespannte wirtschaftliche Lage. „Der anhaltende Marktrückgang wird durch verändertes Kundenverhalten weiter verstärkt. Gleichzeitig geraten europäische Anbieter zunehmend in Bedrängnis: Asiatische Spritzgießmaschinen werden zu Niedrigstpreisen angeboten, und der Importdruck aus Asien nimmt infolge globaler Handelskonflikte weiter zu“, heißt es gegenüber noe.ORF.at.
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Darüber hinaus nennt Engel auch die steigenden Produktions- und Personalkosten in der österreichischen Automobilindustrie als maßgeblichen Belastungsfaktor. Diese würden die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens „signifikant beeinträchtigen“. Um die sozialen Auswirkungen der Stellenkürzungen zu minimieren, wolle man auch natürliche Fluktuation wie Pensionierungen nutzen, so das Unternehmen.
Gewerkschaft schlägt Alarm: Sozialplan läuft aus – Kritik an gestrichenen Leistungen
Die Gewerkschaft PRO‑GE bestätigt, über das Stellenabbauprogramm informiert worden zu sein und zeigt sich alarmiert angesichts der geplanten Maßnahmen. Auch der Betriebsrat äußert deutliche Sorge: „Der Sozialplan läuft mit Ende September aus. [...] Gerade wenn es Freisetzungen gibt, sollen diese sozialverträglich gestaltet werden“, so der Zentralbetriebsratsvorsitzende Karl Öhlinger.
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Darüber hinaus berichten Gewerkschafter, dass gewerkschaftsseitig angekündigt wurde, die Unternehmensbilanzen prüfen zu wollen. Darüber hinaus stößt auf Kritik, dass langjährige Sozialleistungen gestrichen und Lohnerhöhungen im Herbst möglicherweise nicht weitergegeben werden sollen.
Die Engel-Gruppe schloss das Geschäftsjahr 2024/25 mit einem Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro ab – das entspricht einem Rückgang von knapp 10 % im Vergleich zum Vorjahr. Trotz des deutlich verschlechterten Marktumfelds mit sinkenden Investitionen und Aufträgen konnte das Unternehmen seine Marktposition behaupten und sogar in mehreren Segmenten und Regionen weiter Marktanteile gewinnen.
CEO Stefan Engleder betonte: „Wir haben gelernt, in der Krise handlungsfähig zu bleiben – und haben erneut bewiesen, dass Engel auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig und vorausschauend agiert“. Die Strategie einer regionalisierten Organisationsstruktur — mit eigenständigen Hubs für Vertrieb, Produktion und Service — sowie gezielte Entwicklungen im Bereich Automatisierung und Kundenservice stärken die Widerstandskraft des Unternehmens, so der CEO. En
Bereits Anfang 2024 gab es Kündigungen bei Engel
Der aktuelle Stellenabbau ist nicht der erste seiner Art: Bereits Anfang 2024 hatte Engel 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gekündigt. Auch damals wurde der Rückgang des Auftragseingangs als Begründung genannt. Nun setzen sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten fort, was das Unternehmen zu weiteren drastischen Einschnitten zwingt.