Solche Episoden zeigen: die großen Konfliktlinien verlaufen heute nicht mehr über einzelne Absatzmärkte. Sie haben längst Lieferketten und Produktionsabläufe erfasst. Vor allem jene von globalen Unternehmen, wie Knill eines ist. Rosendahl Nextrom - der von IV-Chef Georg Knill geführte, auf Produktionsanlagen für die Kabel-, Glasfaser- und Batterieindustrie spezialisierte Teil der Knill-Gruppe - übernimmt die Windak-Gruppe mit Hauptsitz in Estland, wurde unlängst bekannt.
Jetzt zieht es die Knill-Gruppe westwärts. In den USA will Knill Energy im Energiebereich wachsen. Fast ein Jahrzehnt habe die Gruppe versucht, über eine Übernahme am US-Markt Fuß zu fassen. Der Eigentümer eines potenziellen Übernahmekandidaten habe sich aber partout nicht von seinem Betrieb trennen wollen. Also wurde aus Plan A ein Plan B: "eigener Aufbau statt Zukauf", sagt Christian Knill.
Die USA sind für Knill - und das Portfolio rund um Freileitungsarmaturen, Dämpfungssysteme und Verbindungstechnik - aus mehreren Gründen verlockend. „Die Übertragungsleitungen dort sind noch älter als bei uns“, sagt er. Die Infrastruktur muss in den kommenden Jahren wegen Alterung als auch wegen neuer Einspeisung aus Windkraft und Photovoltaik erneuert oder ausgebaut werden. Knill will damit in einem Markt angreifen, der bislang stark in lokaler Hand ist. Europäische Player wie die französische Sicame Group mischen in den USA nur am Rande mit.
Südwärts soll es gehen
Der Markteintritt soll über einen Brownfield-Standort erfolgen, also über die Nutzung eines bestehenden Standorts. Wo genau, lässt Knill, der auch noch Förderverhandlungen zu führen hat, offen. Nur so viel: im Süden der USA. Mitte 2027 soll der Marktstart erfolgen. Bis dahin gehe es um Adaptierungen des bestehenden Areals, Maschinenkauf, Aufbau der Fertigung und Rekrutierung. Die Genehmigungsseite bewertet Knill für die USA positiv. "Da hat man schnell grünes Licht", sagt er.
Bisher habe man einzelne US-Aufträge schon von Österreich aus in die USA geliefert, aber eben nur punktuell. Der eigentliche Hebel entstehe durch lokale Präsenz. Der Zielkorridor ist ambitioniert. „Der mittelfristige Umsatz soll schon in Richtung deutlich zweistelliger Millionenbetrag gehen“, sagt Knill über das USA-Geschäft. Die Investition selbst werde ebenso in zweistelliger Millionenhöhe liegen. Knill verweist darauf, dass die USA „ein sehr gutes Preisniveau“ hätten. Das macht den Markt aus seiner Sicht zusätzlich attraktiv. Aus Qualitäts- und Kostengründen werde man wohl vorzugsweise auf mexikanisches Personal setzen.
Gleichzeitig bleibt Österreich für ihn der Standort, an dem Know-how, Engineering und Fertigung eng zusammengehören. Knill sieht Österreich und Europa bei den Kosten jedoch an der Grenze. „Wir sind einfach am Plafond angelangt“, sagt er. Die Probleme seien breit gestreut: Von Energiekosten bis Rohmaterialien etwa. Der verbliebene Vorteil liege aus seiner Sicht noch in der Qualität des Personals.
Froh über Pierer-Verbleib
Mit dem Einstieg beim Automobil- und Luftfahrtzulieferer Pankl setzt Knill übrigens auf ein, wie er es nennt, „sehr, sehr gutes Unternehmen“ mit starker operativer Basis, guter Marktposition und erfahrenen Partnern an Bord. Positiv hebt er das bestehende Management, den Investitionsstand der Fertigungen, die Beteiligung der steirischen Partner sowie jene von Stefan Pierer - seine Pierer Industrie AG hält künftig noch rund ein Drittel am Unternehmen - hervor. "Ich bin sehr froh, dass er an Bord bleibt", sagt Knill.
Strategisch sieht Knill in Pankl einen Nischenplayer mit attraktiven Perspektiven: Zwar komme der größere Umsatzanteil weiterhin aus dem Automotive-Bereich, die größten Hoffnungen verbinde er jedoch mit der Luftfahrt. Das Closing ist noch ausständig, sollte aber bis spätestens Mitte des Jahres abgeschlossen sein.