Humanoide Roboter China : Humanoide Roboter: Sie tanzen, springen und kämpfen – doch im Alltag fehlt der Durchbruch

Humanoider Roboter von Unitree

Humanoide Roboter wie der G1 von Unitree sorgen mit spektakulären Bewegungen für Aufmerksamkeit – doch der breite Einsatz in Fabriken und Haushalten steht noch am Anfang.

- © Unitree

Spektakuläre Videos gehören seit Jahren zum Erfolgsrezept des chinesischen Roboterherstellers Unitree. Seine Maschinen tanzen, schlagen Salti, führen Kung-Fu-Bewegungen aus oder ziehen Fahrzeuge. Mit dem GD01 hat das Unternehmen aus Hangzhou diese Inszenierung auf eine neue Stufe gehoben: Der beinahe drei Meter hohe Mecha-Roboter verfügt über ein Cockpit, in das ein Mensch einsteigen kann. Er kann sich auf zwei oder vier Beinen fortbewegen und soll rund eine halbe Tonne wiegen. Unitree bezeichnet ihn als ersten in Serie produzierten, transformierbaren Mecha seiner Art. Firmengründer Wang Xingxing erklärte gegenüber dem „Time Magazine“, dass neben dem Kampfsport auch eine Maschine aus James Camerons Film „Avatar“ als Inspiration gedient habe.

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Der GD01 dürfte vor allem Aufmerksamkeit erzeugen und Unitrees technische Fähigkeiten demonstrieren. Das kommerziell wichtigere Produkt ist jedoch der deutlich kleinere humanoide Roboter G1. Mit ihm will das Unternehmen langfristig nicht nur Forschungseinrichtungen und Entwickler, sondern auch Fabriken, Lagerhallen und möglicherweise private Haushalte erreichen. Nach Angaben von Unitree beginnt der Preis des rund 1,32 Meter großen und etwa 35 Kilogramm schweren Roboters derzeit bei 13.500 US-Dollar, wobei Steuern und Versand nicht enthalten sind. Je nach Ausführung besitzt der G1 zwischen 23 und 43 bewegliche Gelenke.

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Unitree Börsengang: Die 619-Millionen-Dollar-Wette auf KI-Roboter

Die wachsende Bekanntheit soll nun auch wirtschaftlich genutzt werden. Anfang Juli 2026 genehmigte die chinesische Wertpapieraufsicht Unitrees geplanten Börsengang am STAR Market der Börse Shanghai. Die Zulassung ist zwölf Monate gültig. Das Unternehmen plant, mindestens 40,45 Millionen Aktien auszugeben und damit insgesamt 4,2 Milliarden Yuan beziehungsweise rund 619 Millionen US-Dollar einzunehmen. Ein genauer Termin sowie die endgültige Preisspanne der Aktien stehen noch nicht fest.

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Das Geld soll unter anderem in die Entwicklung von KI-Modellen für Roboter, die Erforschung neuer Roboterkörper, zusätzliche Produkte sowie den Aufbau einer intelligenten Produktionsstätte fließen. Damit zeigt sich auch, worauf Unitree in den kommenden Jahren den Schwerpunkt legen will: Nicht allein bewegliche Hardware, sondern vor allem leistungsfähigere Software soll die Maschinen für den praktischen Einsatz tauglich machen.

Die Erwartungen an das Unternehmen sind hoch. Laut „Time“ stieg Unitrees Umsatz im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 68 Prozent auf 62 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig halbierte sich der bereinigte Nettogewinn auf sechs Millionen US-Dollar. Als Gründe wurden deutlich gestiegene Ausgaben für Forschung, Entwicklung und Vertrieb genannt. Wang warnt deshalb davor, aus viralen Videos auf ebenso schnelle technische Fortschritte zu schließen. Grundlegende Innovationen in der Robotik benötigten Zeit.

Friedrich Merz mit einem humanoiden Roboter von Unitree: Die Maschinen sorgen für spektakuläre Bilder, müssen ihre Alltagstauglichkeit in Industrie und Haushalten aber erst noch beweisen.

- © APA-Images / AFP / JADE GAO

Unitree G1: Warum günstige humanoide Roboter plötzlich zum Industrie-Thema werden

Gemessen an den ausgelieferten Stückzahlen gilt Unitree derzeit als weltweiter Marktführer bei humanoiden Robotern. Im Jahr 2025 verschickte das Unternehmen mehr als 5.500 Exemplare. Das entsprach laut „Time“ mehr als einem Viertel des noch jungen Weltmarkts. Ein erheblicher Teil dieser Maschinen wird allerdings nicht produktiv in Fabriken eingesetzt. 74 Prozent der humanoiden Roboter gingen an Universitäten, Forschungseinrichtungen und einzelne Entwickler. Weitere 17 Prozent wurden an kommerzielle Einrichtungen wie Geschäfte, Ausstellungen oder touristische Attraktionen geliefert. Lediglich neun Prozent der Verkäufe entfielen direkt auf industrielle Anwendungen.

Ein wichtiger Wettbewerbsvorteil Unitrees sind die vergleichsweise niedrigen Preise. Innerhalb von rund 18 Monaten senkte das Unternehmen den Preis des G1 vor Steuern von 16.000 auf 13.500 US-Dollar. Auch bei vierbeinigen Robotern ist der Preisverfall deutlich: Während entsprechende Maschinen des Herstellers vor sechs Jahren noch etwa 45.000 US-Dollar kosteten, beginnt der Preis des aktuellen Roboterhundes Go2 inzwischen bei 1.600 US-Dollar. Unitree erreicht diese Kosten unter anderem dadurch, dass wichtige Bauteile wie die für die Bewegung zuständigen Aktuatoren selbst hergestellt werden. Diese Komponenten können zwischen 50 und 70 Prozent der Gesamtkosten eines humanoiden Roboters ausmachen.

Roboter in der Fabrik: Warum humanoide Maschinen noch zu langsam sind

Trotz der Fortschritte liegen die Fähigkeiten aktueller humanoider Roboter deutlich unter dem Niveau eines Menschen. Der G1 kann nach Angaben des „Time Magazine“ eine Last von fünf Kilogramm etwa zehn bis 15 Minuten ununterbrochen tragen, ohne zu überhitzen. Damit eignet er sich prinzipiell für erste Tests in Lagerhallen oder beim Materialtransport. Bei allgemeinen Fabrik- und Lagerarbeiten erreichen heutige humanoide Roboter jedoch lediglich etwa 30 bis 50 Prozent der Effizienz menschlicher Arbeitskräfte.

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Vor allem unvorhersehbare Situationen bereiten den Maschinen Schwierigkeiten. Die öffentlich gezeigten Saltos, Tänze und Kampfsportbewegungen sind beeindruckende Leistungen der Bewegungssteuerung, folgen aber überwiegend vorbereiteten Abläufen. Schon kleine Veränderungen der Umgebung, etwa eine andere Beleuchtung, ein verschobener Gegenstand oder eine neue Oberfläche, können die Erfolgsquote stark reduzieren. Für den Einsatz in Wohnungen, Geschäften oder dynamischen Fabrikumgebungen müssten Roboter dagegen flexibel auf unbekannte Situationen reagieren können.

Wang bezeichnet diese fehlende Übertragbarkeit als die größte Herausforderung der internationalen Forschung. Anders als Sprachmodelle können Roboter nicht auf nahezu unbegrenzte Textmengen aus dem Internet zurückgreifen. Sie benötigen reale Bewegungs- und Interaktionsdaten, die meist aufwendig durch menschliche Trainer gesammelt werden müssen. Das Falten eines Kleidungsstücks, das Einräumen eines Kühlschranks oder das Greifen verschieden geformter Gegenstände muss vielfach demonstriert und unter wechselnden Bedingungen wiederholt werden.

Unitree-Gründer und CEO Wang Xingxing will humanoide Roboter aus der Showphase in den Alltag von Fabriken, Lagerhallen und später auch Haushalten bringen.

- © Youtube

Roboter für Zuhause: Wann humanoide Roboter ihren ChatGPT-Moment erleben könnten

Nach Einschätzung des Unitree-Gründers könnte es noch zwei bis zehn Jahre dauern, bis humanoide Roboter ihren eigenen „ChatGPT-Moment“ erleben. Wang versteht darunter einen technischen Wendepunkt, an dem eine Maschine etwa 80 Prozent mündlich erteilter Aufgaben auch in einer zu 80 Prozent unbekannten Umgebung ausführen kann. Erst nach dem Überschreiten einer solchen Schwelle sei eine breite kommerzielle Nutzung realistisch.

Langfristig rechnet Wang damit, dass kleine Roboter auch in Privathaushalten Aufgaben wie Wäschewaschen, Kochen oder einfache Hilfeleistungen übernehmen könnten. Daneben sollen sie körperlich anstrengende, gefährliche oder unbeliebte Arbeiten erledigen, beispielsweise in der Landwirtschaft oder bei Wartungsarbeiten in Abwasseranlagen. Er betont jedoch, dass die Einführung schrittweise erfolgen müsse. Sollten Roboter in bestimmten Bereichen nicht zuverlässig funktionieren oder von der Bevölkerung nicht akzeptiert werden, könne ihr Einsatz auf andere Tätigkeiten verlagert werden.

Unitree steht damit exemplarisch für den aktuellen Zustand der humanoiden Robotik: Die Hardware wird beweglicher, günstiger und in größeren Stückzahlen produziert. Gleichzeitig fehlt den Maschinen noch die flexible Intelligenz, die sie außerhalb kontrollierter Tests wirklich universell einsetzbar machen würde. Der Börsengang verschafft Unitree voraussichtlich erhebliche finanzielle Mittel, um genau an dieser Lücke zu arbeiten. Ob daraus tatsächlich der von Wang erwartete Durchbruch entsteht, wird sich allerdings nicht an viralen Videos entscheiden, sondern im Alltag von Fabriken, Forschungslaboren und möglicherweise eines Tages auch privaten Haushalten.

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