Doppelmayr Seilbahn Paris : Doppelmayr verlässt den Berg: Die Zukunft der Seilbahn liegt in der Stadt

Gare de la Pointe du Lac a Créteil,

Doppelmayr wächst über das klassische Berggeschäft hinaus: Urbane Seilbahnen wie der Câble C1 bei Paris zeigen, wie der Vorarlberger Seilbahnbauer neue Märkte im Stadtverkehr erschließt.

- © Laurent Grandguillot

Die Doppelmayr-Gruppe mit Hauptsitz in Wolfurt hat das Geschäftsjahr 2025/26 mit einem deutlichen Umsatzplus abgeschlossen. Die Erlöse stiegen nach Angaben des Unternehmens auf rund 1,3 Milliarden Euro und lagen damit um 9,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Beschäftigten weltweit um 5,4 Prozent auf 3.987 Vollzeitäquivalente. Das Geschäftsjahr des Unternehmens lief vom 1. April 2025 bis zum 31. März 2026.

Damit setzte der Vorarlberger Seilbahnbauer die Entwicklung aus dem Geschäftsjahr 2024/25 fort. Damals hatte Doppelmayr einen Umsatz von 1,197 Milliarden Euro erzielt, was bereits einem Wachstum von 13,19 Prozent entsprochen hatte. Die Belegschaft war zu diesem Zeitpunkt auf 3.781 Vollzeitäquivalente angewachsen.

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Doppelmayr verlässt den Berg: Warum Seilbahnen jetzt in die Städte drängen

Als wesentliche Gründe für die neuerliche Steigerung nennt das Unternehmen internationale Großprojekte, stabile Kernmärkte sowie Investitionen in neue Technologien. Die Nachfrage nach Seilbahnen sei sowohl in Wintersportgebieten und Ganzjahresdestinationen als auch im Bereich der urbanen Mobilität weiterhin hoch. Österreich und der übrige Alpenraum sowie Nordamerika gehören zu den wichtigsten Märkten. In Asien spielt insbesondere der Ganzjahrestourismus eine bedeutende Rolle, während in Lateinamerika mehrere Projekte für städtische Seilbahnen vorbereitet oder umgesetzt werden.

Zu den prominentesten Projekten des Geschäftsjahres zählt der Câble C1 im Großraum Paris. Die 4,5 Kilometer lange Seilbahn wurde am 13. Dezember 2025 in Betrieb genommen und verbindet Créteil über mehrere Gemeinden mit Villeneuve-Saint-Georges. Sie verfügt über fünf Stationen und schafft eine direkte Verbindung zur Pariser Métrolinie 8. Nach Angaben des regionalen Verkehrsverbunds Île-de-France Mobilités wurden bei der Planung rund 11.000 Fahrgäste pro Tag erwartet. Die Kabinen bieten jeweils zehn Sitzplätze und die gesamte Anlage ist barrierefrei zugänglich.

Paris zeigt, wohin Doppelmayr mit urbanen Seilbahnen will

Die Fahrzeit auf der gesamten Strecke liegt bei rund 18 Minuten. Damit soll die Verbindung gegenüber einer vergleichbaren Busfahrt deutlich Zeit sparen. Die Seilbahn überquert Verkehrs- und Eisenbahninfrastruktur und zeigt damit einen der Gründe, weshalb Seilbahnsysteme auch abseits klassischer Bergregionen eingesetzt werden: Sie können Hindernisse überwinden, ohne durch den Straßenverkehr beeinträchtigt zu werden.

Der Câble C1 ist die erste urbane Seilbahn der Region Île-de-France. Der Betreiber bezeichnet die Anlage zudem als längste urbane Seilbahn Europas. Für Doppelmayr ist das Projekt entsprechend auch eine Referenz für den wachsenden Geschäftsbereich städtischer Mobilitätslösungen.

Die urbane Seilbahn Câble C1 im Großraum Paris ist für Doppelmayr eine wichtige Referenz: Sie verbindet mehrere Gemeinden mit der Métrolinie 8 und zeigt, wie Seilbahntechnik zunehmend im Stadtverkehr eingesetzt wird.

- © Laurent Grandguillot

Schweiz und Italien: Doppelmayr erneuert das klassische Seilbahngeschäft

Auch im klassischen Tourismusgeschäft setzte Doppelmayr im vergangenen Geschäftsjahr mehrere technisch anspruchsvolle Projekte um. Im Schweizer Hoch-Ybrig ging Ende 2025 die weltweit erste Anlage mit der von Doppelmayr entwickelten TRI-Line-Technologie in Betrieb. Die Bahn Weglosen–Seebli ersetzt eine Pendelbahn aus dem Jahr 1970 und führt auf einer rund 1,7 Kilometer langen Strecke mit lediglich zwei Stützen ins Ski- und Wandergebiet.

Die Technologie verbindet Elemente von Dreiseilbahnen mit Komponenten der von Doppelmayr entwickelten D-Line. Die 18 Kabinen können laut Unternehmen bis zu 1.400 Personen pro Stunde befördern. Das System ist zudem für einen automatisierten Betrieb vorbereitet.

In Italien wiederum nahm im Dezember 2025 eine neue 3S-Bahn von Campitello auf den Col Rodella im Fassatal ihren Betrieb auf. Die Anlage ersetzt eine rund 40 Jahre alte Pendelbahn. Mit 30-Personen-Kabinen und einer Förderleistung von rund 2.200 Menschen pro Stunde soll sie insbesondere Wartezeiten reduzieren und gleichzeitig die Nutzung der Destination im Sommer und Winter erleichtern.

Von Europa bis Nordamerika: Doppelmayr baut 84 neue Seilbahnen

Wie international das Projektgeschäft inzwischen ausgerichtet ist, zeigt eine weitere Bilanz des Unternehmens: Zwischen Februar 2025 und Jänner 2026 übergab die Doppelmayr-Gruppe nach eigenen Angaben 84 neue Seilbahnanlagen an Kunden. Davon entfielen 55 auf Europa, 17 auf Nordamerika, acht auf Asien, drei auf Ozeanien und eine auf Südamerika. Die Zahl lag damit nahezu auf dem Niveau des davorliegenden Vergleichszeitraums mit 85 Anlagen.

Neben neuen Bahnkonzepten setzt Doppelmayr verstärkt auf Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Ein Schwerpunkt liegt auf dem sogenannten AURO-System für automatisierte beziehungsweise autonome Betriebsformen. Bei modernen Sesselbahnen können Kameras und Sensoren beispielsweise Vorgänge beim Ein- und Aussteigen überwachen. Bild- und Videodaten werden mithilfe KI-gestützter Systeme in Echtzeit ausgewertet. Bei auffälligen Situationen kann die Anlage automatisch verlangsamt oder gestoppt werden.

Vor der Station Limeil-Brévannes zeigt sich die neue urbane Seilbahn Câble C1 im Großraum Paris: Das Doppelmayr-Projekt verbindet mehrere Gemeinden mit dem öffentlichen Verkehrsnetz der Île-de-France.

- © Laurent Grandguillot

KI am Lift: Doppelmayr bringt Automatisierung ins Skigebiet

In Ischgl und Sölden kamen entsprechende Technologien in der Wintersaison 2025/26 bereits bei neuen Sesselbahnen zum Einsatz. Eine weitere Anwendung ist die adaptive Geschwindigkeitssteuerung: Kameras erfassen dabei das Fahrgastaufkommen, woraufhin die Geschwindigkeit der Bahn an die tatsächliche Nachfrage angepasst werden kann. Doppelmayr führt als Ziel neben einem bedarfsgerechten Betrieb auch mögliche Energieeinsparungen an.

Doppelmayr baut an der nächsten Säule seines Milliardengeschäfts

Für die kommenden Jahre kündigt das Unternehmen weitere Investitionen in Forschung und Entwicklung, Digitalisierung sowie in seine Standorte und Beschäftigten an. Die internationale Präsenz soll dem Konzern dabei helfen, Schwankungen einzelner Märkte auszugleichen und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Doppelmayr verfügt heute über Niederlassungen und Gesellschaften auf mehreren Kontinenten; die Unternehmensgeschichte reicht bis ins Jahr 1893 zurück.

Trotz des Umsatzwachstums verweist das Management zugleich auf weiterhin anspruchsvolle internationale Rahmenbedingungen und geopolitische Unsicherheiten. Konkrete Angaben zum Betriebsergebnis veröffentlicht das nicht börsennotierte Unternehmen im Rahmen der aktuellen Umsatzmeldung nicht.

Die jüngsten Zahlen zeigen dennoch, dass Doppelmayr sein Geschäft zunehmend auf mehrere Säulen verteilt. Während Seilbahnen in den klassischen Wintersportregionen des Alpenraums und Nordamerikas ein zentraler Geschäftsbereich bleiben, gewinnen Ganzjahresdestinationen und städtische Verkehrssysteme an Gewicht. Projekte wie der Câble C1 bei Paris verdeutlichen zugleich, dass Seilbahntechnik für Doppelmayr längst nicht mehr ausschließlich ein Verkehrsmittel für den Weg auf den Berg ist.

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