Der Boom der künstlichen Intelligenz verändert gerade die globale Chipindustrie – und zwar schneller, als neue Fabriken gebaut werden können. Große Tech-Konzerne wie Microsoft, Google, Meta oder Amazon investieren Hunderte Milliarden Dollar in neue KI-Rechenzentren. Eine Infrastruktur, die es in diesem Ausmaß noch nie gegeben hat.
>>> 8ra-Projekt enthüllt: Wie Europa mit Milliarden gegen AWS & Microsoft kontert
Das Ergebnis: Speicherchips werden knapp, Lieferketten geraten unter Druck, Preise vervielfachen sich innerhalb weniger Monate. Hersteller sprechen von einer strukturellen Knappheit. Fabriken, selbst wenn sie heute geplant werden, liefern frühestens in Jahren.
Was für Smartphone-Hersteller, Autozulieferer und Industriekonzerne zum Engpass wird, ist genau die Stelle, an der sich die Macht in der Chipindustrie bündelt. Denn all diese KI-Rechenzentren basieren auf den leistungsfähigsten Chips, die heute produziert werden können. Chips mit Strukturgrößen von wenigen Nanometern. Und die lassen sich nur mit EUV-Systemen herstellen. Systemen von ASML.
Die Auftragsbücher sind entsprechend voll wie nie. Allein im letzten Quartal 2025 bestellten Kunden Maschinen im Wert von knapp 10 Milliarden US-Dollar – fast doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Der wichtigste Kunde: TSMC, der weltgrößte Auftragsfertiger von Chips und Produzent der modernsten KI-Prozessoren für Unternehmen wie Nvidia und AMD.
TSMC investiert so viel wie nie zuvor in neue Werke und Anlagen. Die Taiwaner haben angekündigt, dieses Jahr 52 bis 56 Milliarden Dollar für neue Werke und Anlagen auszugeben. Zum Vergleich: 2025 waren es 40,9 Milliarden. ASML profitiert davon direkt.
Der Konzern erwartet für die kommenden Jahre wieder deutliches Wachstum – getrieben nicht von Konsumgütern, sondern von Rechenzentren, Serverfarmen und künstlicher Intelligenz. Maschinen aus Veldhoven sind dabei der Engpass, an dem sich entscheidet, wie schnell diese neue Infrastruktur wachsen kann.
Die Geschichte von ASML ist keine Geschichte von schnellem Erfolg. Sie zeigt, dass technologische Spitzenleistung nicht zwangsläufig dort entsteht, wo Kapital am lautesten ist, oder Märkte am größten sind. Sondern dort, wo über Jahrzehnte geforscht wird. Wo Rückschläge ausgehalten werden. Und wo jemand bereit ist, an eine Idee zu glauben, lange nachdem andere sie aufgegeben haben.
In einer kleinen Stadt in den Niederlanden entsteht heute eine Maschine, ohne die moderne Technologie nicht mehr gebaut werden kann. Und beweist, dass der alte Kontinent noch immer in der Lage ist, die Grundlagen der digitalen Zukunft zu prägen.