Onlinehandel Niceshops E-Commerce : Niceshops: Die steirische Amazon-Alternative wächst aus ihrem Lager heraus
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Im Rekordjahr 2025 verschickte Niceshops rund zwei Millionen Pakete in 80 Länder. Das kontinuierlich steigende Versandvolumen brachte die bestehenden Lagerkapazitäten zuletzt an ihre Grenzen. Zusätzliche Lagerflächen mussten bereits im Raum Feldbach angemietet werden. Mit dem Kauf des neuen Areals in Saaz will das Unternehmen seine Logistik künftig wieder stärker an einem Standort bündeln, Transportwege verkürzen und die gesamte Wertschöpfung in der Region halten. Parallel dazu entstehen rund 50 neue Arbeitsplätze. Außerdem bereitet Niceshops gemeinsam mit der Logistic Networking & Consulting GmbH aus Fernitz bei Graz erste Automatisierungs- und Robotiklösungen vor. Ziel ist keine Vollautomatisierung des Lagers, sondern die gezielte Unterstützung standardisierter Prozesse.
Die Investition baut auf einer starken wirtschaftlichen Entwicklung auf. Niceshops steigerte 2025 den Umsatz um rund 20 Prozent auf 169 Millionen Euro, erhöhte das EBITDA auf acht Millionen Euro und erreichte eine Exportquote von 88 Prozent. Gleichzeitig verfolgt das Unternehmen weiterhin seine Premiumstrategie. Die Retourenquote ist mit drei Prozent sehr niedrig.
Künftig sollen neben den eigenen Shop-Welten auch Logistik- und Technologiedienstleistungen für Partnerunternehmen weiter ausgebaut werden. Mit der Investition reagiert das Unternehmen damit nicht nur auf das starke Wachstum der vergangenen Jahre, sondern schafft zugleich die Grundlage für die nächste Expansionsphase.
Spezialisierung statt Vollsortiment
Niceshops aus der südoststeirischen Gemeinde Paldau zählt seit Jahren zu den Gewinnern im europäischen Onlinehandel. Hinter den wirtschaftlichen Kennzahlen steht ein Geschäftsmodell, das sich in zentralen Punkten von großen amerikanischen Plattformen wie Amazon unterscheidet: spezialisierte Shop-Welten statt eines Vollsortiments, europäische Lieferketten statt globaler Abhängigkeiten und eigene Logistik statt ausgelagerter Fulfillment-Dienstleister.
Heute betreibt Niceshops rund 30 spezialisierte Online-Shop-Welten in bis zu 18 Sprachen. Das Sortiment reicht von Naturkosmetik und Nahrungsergänzungsmitteln über 3D-Druck-Zubehör und Filamente bis hin zu Tierbedarf, Babyartikeln und Poolzubehör. Anders als klassische Online-Marktplätze konzentriert sich jede Shop-Welt auf ein klar definiertes Themengebiet und richtet sich gezielt an Kundinnen und Kunden mit hoher Fachaffinität.
Geschäftsführer Christoph Schreiner beschreibt das Prinzip so: „Wir kombinieren spezialisierte Shop-Welten mit einer zentralen Technologie- und Logistikplattform. Damit können wir Skaleneffekte entlang der gesamten Wertschöpfung realisieren."
Ob Niceshops tatsächlich als Alternative zu Amazon gesehen werden kann, beantwortet Schreiner differenziert: „In bestimmten Sortimenten auf jeden Fall. Wenn es um 3D-Druck geht, wenn es um Naturkosmetik geht, wenn es um Lebensmittel geht, wenn es um Tiernahrung oder Tierzubehör geht – auf jeden Fall." In diesen Bereichen verfüge das Unternehmen sogar über ein größeres und tieferes Warenangebot als der amerikanische Platzhirsch. Gerade diese Spezialisierung sieht Schreiner als einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber Generalisten.
Für die Zukunft sieht Schreiner weiteres Wachstumspotenzial. Im Tierbereich wachse das Unternehmen bereits stark. Im Naturkosmetik- und Kosmetiksegment gebe es „noch enormes Wachstumspotenzial – das ist auch ein Bereich, wo Amazon nicht stark ist". Hinzu komme der neu gestartete Mutter-Kind-Baby-Bereich, der laut Schreiner hervorragend anlaufe.
Leidenschaft als Geschäftsprinzip
Ein Grundsatz, der das Wachstum von Niceshops von innen heraus antreibt, wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich für ein datengetriebenes E-Commerce-Unternehmen: Neue Sortimente werden erst dann aufgebaut, wenn Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter dafür echte Begeisterung mitbringen.
„Wir starten ein Sortiment erst dann, wenn wir einen Kollegen haben, der da eine Kompetenz, ein Netzwerk oder eine Leidenschaft mitbringt", sagt Schreiner. „Jemand, der keine Leidenschaft für ein Sortiment mitbringt – das funktioniert nicht wirklich gut. Wenn ich jemanden, der mit Tieren nichts anfängt, auf einmal den Tier-Shop umhänge, wird er nicht mit viel Leidenschaft dahinter sein."
Das Prinzip funktioniert in beide Richtungen: Identifiziert das Unternehmen datenbasiert ein vielversprechendes Sortiment, wird gezielt nach Mitarbeitenden gesucht, die dafür brennen. Umgekehrt kann ein Mitarbeiter mit einem bislang nicht auf dem Radar befindlichen Spezialgebiet den Anstoß für eine völlig neue Shop-Welt geben.
Wer bei Niceshops eine Stelle sucht, findet dafür gute Bedingungen. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten Saaz, Graz und Wien. Mit den angekündigten 50 zusätzlichen Arbeitsplätzen baut Niceshops seine Rolle als einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region weiter aus. Bereits bei der ersten Teilnahme am Wettbewerb „Great Place to Work" wurde das Unternehmen als größtes österreichisches Unternehmen auf Platz eins ausgezeichnet und europaweit auf Rang 17 gereiht.
Das Herzstück: Logistik aus Saaz
Organisatorisches und operatives Zentrum des gesamten Unternehmens ist das Logistikzentrum im südoststeirischen Saaz. Von hier aus treten sämtliche der rund zwei Millionen Pakete pro Jahr ihren Weg zu Kundinnen und Kunden in mittlerweile 80 Ländern an. Genau dieses Wachstum brachte die bestehende Infrastruktur zuletzt jedoch an ihre Grenzen.
Zusätzliche Lagerflächen mussten bereits im Raum Feldbach angemietet werden. Mit dem Erwerb eines 23.000 Quadratmeter großen Grundstücks reagiert Niceshops nun auf die steigenden Versandmengen. Ziel ist es, die Logistik künftig wieder stärker an einem Standort zu bündeln, Transportwege zu verkürzen und die gesamte Wertschöpfung in der Region zu halten.
Die Ware wird dabei ausnahmslos per Lkw angeliefert – von den Lieferanten direkt ins Lager. „Das funktioniert hervorragend. Da merkt man, abgesehen von den Spritpreisen, kaum Einschränkungen", sagt Geschäftsführer Christoph Schreiner.
Die Auslieferung an Endkunden erfolgt über etablierte Paketdienstleister. „Wir bedienen uns der Paketdienstleister – Post, DHL, FedEx et cetera – und die liefern über Straße." Nur vereinzelt kommt bei Expresssendungen Luftfracht zum Einsatz. Multimodale Konzepte mit Bahntransporten spielen im Logistikmodell von Niceshops derzeit keine Rolle.
Parallel zum Ausbau der Infrastruktur bereitet das Unternehmen die schrittweise Einführung ausgewählter Automatisierungs- und Robotiklösungen vor. Ziel sei ausdrücklich keine Vollautomatisierung des Lagers, sondern der gezielte Einsatz in einzelnen Bereichen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei standardisierten Prozessen zu entlasten und die Effizienz weiter zu steigern. Die Planungen erfolgen gemeinsam mit der Logistic Networking & Consulting GmbH aus Fernitz bei Graz und sollen schrittweise in den kommenden Jahren umgesetzt werden.
Aus Krisen lernen: Buffern statt Hoffen
Im Zuge des starken Wachstums und der Erfahrungen aus den Lieferkettenkrisen der vergangenen Jahre hat Niceshops seine Lagerkapazitäten erheblich ausgebaut. „Wir haben im Raum Feldbach ein externes Lager angemietet und eröffnet und unsere Lagerkapazität mehr oder weniger verdoppelt", berichtet Schreiner. Der Grund: Das Unternehmen hat gelernt, deutlich höhere Sicherheitsbestände zu halten – gestützt auf Systeme, „die den Warenbedarf auf Basis historischer Verkaufsdaten und Prognosen berechnen."
Die Logik hinter dieser Lagerstrategie wurde durch zwei prägende Schockerlebnisse geprägt: zunächst durch die massiven globalen Lieferkettenstörungen während Corona, aktuell durch die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, die dazu geführt haben, dass Reedereien das Rote Meer zunehmend meiden und Frachten auf längeren Routen um Afrika leiten.
„Aktuell meiden die Reedereien generell das Rote Meer", sagt Schreiner. Die Konsequenz: längere Transportzeiten, steigende Containerpreise und spürbare Kostensteigerungen im Vor- und Nachlauf. Genaue Zahlen über die aktuellen Kostensteigerungen kann Schreiner noch nicht nennen: „Das ist sehr dynamisch – wir sehen, fast tägliche Steigerungen."
Was Nicehops daraus macht, ist pragmatisch: „Wir versuchen einfach, die Ware entsprechend zu buffern, weil wir zum Endkunden lieferfähig sein müssen." Zudem kommuniziert man bei Lieferzeiten bewusst konservativ: „Wir versuchen, dem Kunden eine möglichst genaue Lieferzeit anzugeben und sind im Moment nicht zu optimistisch, sodass der Kunde weiß, dass eine gewisse Unsicherheit eingepreist ist."
Die Erfahrungen aus der Pandemie haben das Unternehmen dabei deutlich resilienter gemacht. „Jetzt können wir damit umgehen", so Schreiner.
Europäische Lieferketten als Fundament
Ein strukturelles Element, das Niceshops von vielen plattformbasierten Wettbewerbern unterscheidet, ist die geografische Zusammensetzung der Lieferantenbasis. Der überwiegende Teil der bezogenen Waren stammt aus Europa – mit Schwerpunkten in Österreich, Deutschland, Italien und Frankreich.
„Wir haben einen Großteil unserer Lieferanten aus Europa", sagt Schreiner. „Österreichische Produzenten, Deutschland, Italien, Frankreich – das sind alles für uns relevante Einkaufsmärkte, weil das auch die Hersteller für diese Produkte sind, die wir verkaufen."
Das gilt insbesondere für Naturkosmetik, Nahrungsergänzungsmittel und zahlreiche Verbrauchsgüter. Auch im stark wachsenden 3D-Druck-Segment gibt es laut Schreiner „ausreichend osteuropäische Marken und europäische Hersteller" – etwa bei Filamenten, also dem Material für 3D-Drucker.
Eine größere Rolle spielen asiatische Lieferanten lediglich in zwei Bereichen: bei 3D-Druckern selbst – Hersteller wie Bambu Lab bezeichnet Schreiner als „quasi das iPhone unter den 3D-Druckern" – sowie im Poolsegment. „Alles andere ist zu einem Großteil aus Europa bezogen."
Premium-Positionierung als Margenschutz
Neben der Logistik ist die konsequente Qualitätsstrategie ein wesentlicher Treiber der wirtschaftlichen Stabilität. Niceshops verkauft bewusst keine No-Name-Produkte, sondern setzt auf bekannte Marken und hochwertige Sortimente. Das zeigt sich auch bei der Retourenquote, die nach Unternehmensangaben lediglich drei Prozent beträgt und damit deutlich unter dem Branchendurchschnitt liegt. Weniger Retouren bedeuten geringere Logistikkosten, stabilere Prozesse und bessere Margen. Die aktuelle Investition in den Standort Saaz soll diese Strategie langfristig absichern.
„Unser Wachstum ist das Ergebnis eines klar strukturierten Geschäftsmodells", sagt Schreiner. Geschäftsführerin Carina Hödl verweist ergänzend auf die Systemstärke des Unternehmens: „Die Verzahnung von selbst entwickelter Technologie, leistungsfähiger Logistik und einer klar aufgebauten Organisation bilden die Grundlage unseres Wachstums. Diese Systemstärke ermöglicht es uns, neue Märkte und Shop-Konzepte effizient zu integrieren."
Darüber hinaus setzt das Unternehmen auf Nachhaltigkeit. Nach eigenen Angaben erfolgt der Betrieb mit 100 Prozent Ökostrom, der Versand ist nahezu plastikfrei. Gemeinsam mit der niedrigen Retourenquote versteht Niceshops dies als Teil seiner Premiumstrategie und als Beitrag zu einem nachhaltigeren Onlinehandel.
Europäische Identität als Marktchance
In einem Umfeld wachsender Skepsis gegenüber amerikanischen Tech-Konzernen sieht Niceshops seine Herkunft zunehmend als strategischen Vorteil. Das Unternehmen versteht sich bewusst als europäische Alternative zu den großen internationalen Plattformen – nicht nur beim Sortiment, sondern auch bei Lieferketten, Logistik und Service.
„Uns ist wichtig, dass wir als europäisches, österreichisches Unternehmen wahrgenommen werden", sagt Geschäftsführer Christoph Schreiner. „Wir sehen, dass das auch für die Kunden immer wichtiger wird – wir wollen eine europäische Alternative zu den amerikanischen Größen sein."
Diese Positionierung spiegelt sich auch in der Expansionsstrategie wider. Während viele internationale Onlinehändler auf weltweites Wachstum setzen, konzentriert sich Niceshops bewusst auf Europa.
Besonders dynamisch entwickeln sich derzeit die Märkte Schweiz, Ungarn und Polen. Zuletzt kamen mit Rumänien und Norwegen zwei weitere Länder hinzu. Weiter östlich geht das Unternehmen hingegen vorsichtig vor. Israel und die Türkei standen zwar ursprünglich auf der Agenda, aufgrund der geopolitischen Lage wurde der Markteintritt in Israel jedoch vorerst verschoben.
„Israel ist derzeit sehr unsicher und das Land hat gerade andere Themen, um sich um solche Zoll-Themen zu kümmern – und wir wollen nicht unbedingt einen Markt aufmachen, der mitten in einem Konflikt steckt", erklärt Schreiner. Die Priorität liege deshalb weiterhin klar auf Europa: „Da gibt es ausreichend Märkte, die kein Konfliktpotenzial haben, aber einfach ausreichend Wachstumspotenzial – wenn man sich Rumänien, Polen anschaut."
Nächste Wachstumsphase beginnt
Der Erwerb des 23.000 Quadratmeter großen Grundstücks in Saaz markiert den nächsten Entwicklungsschritt des Unternehmens. Die Investition soll die Voraussetzungen schaffen, um die stark gestiegenen Versandmengen künftig wieder zentral abzuwickeln, zusätzliche Automatisierung schrittweise einzuführen und weiteres Wachstum langfristig am Standort in der Südoststeiermark abzusichern. Gleichzeitig entstehen im Laufe des Jahres rund 50 neue Arbeitsplätze.
Mit inzwischen rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, rund zwei Millionen versendeten Paketen pro Jahr, einer Exportquote von 88 Prozent und Kundinnen und Kunden in 80 Ländern hat sich Niceshops von einem steirischen Onlinehändler zu einem international tätigen E-Commerce-Unternehmen entwickelt. Der Fokus liegt dabei weiterhin auf dem Ausbau der eigenen Shop-Welten sowie auf Logistik- und Technologiedienstleistungen für Partnerunternehmen.
Dass das Unternehmen dabei an seiner Strategie festhält, zeigt auch die aktuelle Investition. Statt auf kurzfristiges Wachstum setzt Niceshops auf den schrittweisen Ausbau der eigenen Infrastruktur, europäische Lieferketten und hochwertige Sortimente. Die nahezu plastikfreie Versandlogistik, der Einsatz von 100 Prozent Ökostrom sowie die niedrige Retourenquote von drei Prozent sollen diese Ausrichtung zusätzlich unterstreichen.