Varta stellt Insolvenzantrag : Varta stellt Insolvenzantrag: Die Aufteilung des Batteriekonzerns rückt näher
Varta hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Für den Batteriekonzern geht es nun um Gläubiger, frisches Kapital und die mögliche Aufteilung wichtiger Sparten.
- © Claudio Divizia - stock.adobe.comDer schwäbische Batteriehersteller Varta hat am Freitag, dem 24. Juli 2026, einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt. Das Amtsgericht Stuttgart bestätigte den Eingang von insgesamt vier Insolvenzanträgen. Diese werden nun von der zuständigen Richterin geprüft. Ein Insolvenzverfahren ist damit noch nicht förmlich eröffnet.
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Mit der beantragten Eigenverwaltung versucht Varta, den Geschäftsbetrieb während des Verfahrens grundsätzlich unter eigener Leitung fortzuführen. Bei einem solchen Verfahren verbleibt die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis in der Regel beim Unternehmen, das dabei gerichtlich überwacht wird. Ob die Voraussetzungen dafür erfüllt sind und die Eigenverwaltung angeordnet wird, entscheidet das Insolvenzgericht.
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Porsche, Tojner und die Geldfrage: Warum Varta wieder in die Krise rutscht
Auslöser für den Insolvenzantrag war nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters das Ausbleiben zusätzlicher Finanzmittel. Demnach waren der österreichische Unternehmer Michael Tojner und der Sportwagenhersteller Porsche, die seit der jüngsten Sanierung indirekt an Varta beteiligt sind, nicht mehr bereit, weiteres Kapital bereitzustellen. Gläubiger machten daraufhin offenbar von ihren vertraglichen Rechten Gebrauch und stellten Kredite fällig.
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Noch im April 2025 hatte Varta die bilanzielle Restrukturierung und das zuvor eingeleitete Sanierungsverfahren nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz für abgeschlossen erklärt. Im Zuge der Neuaufstellung waren Porsche und Tojner als neue indirekte Anteilseigner eingestiegen. Nach damaligen Unternehmensangaben flossen 60 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung sowie weitere 60 Millionen Euro an neuer Finanzierung. Die Verschuldung sei dadurch auf 230 Millionen Euro gesunken.
Die Maßnahmen reichten jedoch offenbar nicht aus, um den Konzern dauerhaft zu stabilisieren. Nach Angaben einer Gruppe wichtiger Gläubiger besteht bei Varta ein kurzfristiger operativer Liquiditätsbedarf im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Hinzu komme ein erheblicher längerfristiger Kapitalbedarf. Trotz Gesprächen habe sich kein Investor bereitgefunden, die Finanzierungslücke für den gesamten Konzern zu schließen.
Gläubiger greifen nach Vartas Kerngeschäft mit Haushaltsbatterien
Die sogenannte Ad-hoc-Gläubigergruppe, zu der die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox gehören, will das profitable Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Varta-Konzern herauslösen und stabilisieren. Die Gruppe bezeichnete diesen Schritt als den derzeit tragfähigsten Weg. Die Umsetzung steht allerdings noch unter dem Vorbehalt behördlicher und weiterer Genehmigungen.
Für die übrigen Geschäftsbereiche wird eine neue Eigentümer- und Finanzierungsstruktur benötigt. Nach Reuters-Informationen hat Tojner Interesse an der Sparte Microbattery angemeldet. Dazu gehören unter anderem primäre Knopfzellen für Hörgeräte. Wie die verbleibenden Bereiche – darunter Energiespeicher und kundenspezifische Batterielösungen – weitergeführt werden können, ist bislang offen.
Varta und Apple: Wie der Verlust der AirPods-Batterien die Krise verschärft
Ein weiterer schwerer Rückschlag war der Verlust des wichtigsten Kunden für wiederaufladbare CoinPower-Knopfzellen. Varta bestätigte im Mai 2026, dass der betreffende Vertrag Ende Oktober ausläuft. Das Unternehmen kündigte daraufhin an, die Produktion dieser Knopfzellen am Standort Nördlingen einzustellen und rund 350 Stellen in Nördlingen und am Hauptsitz in Ellwangen abzubauen.
Varta nannte den Kunden offiziell nicht. Nach Reuters-Informationen handelte es sich jedoch um Apple. Das Werk in Nördlingen produzierte demnach fast ausschließlich CoinPower-Zellen für die AirPods-Kopfhörer des US-Konzerns. Ein Insider erklärte, die Batterien sollten künftig von einem chinesischen Lieferanten bezogen werden.
3.260 Arbeitsplätze betroffen: Wie es mit Varta jetzt weitergeht
Varta beschäftigt nach zuletzt veröffentlichten Angaben noch rund 3.260 Menschen. Neben dem Hauptsitz in Ellwangen betreibt der Konzern weitere Produktions- und Entwicklungsstandorte. Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut erklärte angesichts der drohenden Aufteilung, das Land wolle sich dafür einsetzen, möglichst viel industrielle Wertschöpfung, technologisches Know-how und möglichst viele Arbeitsplätze in Baden-Württemberg zu erhalten. Die endgültigen Entscheidungen lägen jedoch bei Eigentümern, Investoren und Gläubigern.
Der Insolvenzantrag markiert damit den vorläufigen Tiefpunkt einer jahrelangen Krise. Nachdem Varta 2024 eine Insolvenz noch durch ein vorinsolvenzliches Sanierungsverfahren verhindern konnte, muss das Unternehmen nun unter gerichtlicher Aufsicht erneut um seine Zukunft kämpfen. Entscheidend wird sein, welche Verfahren das Amtsgericht eröffnet, ob die Eigenverwaltung genehmigt wird und welche Unternehmensteile Käufer oder neue Investoren finden.