INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Büttner, wie stark prägen volatile Energie- und Rohstoffpreise derzeit Agrana?
Stephan Büttner: Energie und Rohstoffe sind zentrale Inputfaktoren für uns. Gerade in Europa sehen wir enorme Ausschläge, etwa bei Gaspreisen. Für ein energieintensives Unternehmen ist das extrem schwierig auszusteuern.
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Deshalb braucht es Risikomanagement, Szenarien und eine Balance zwischen Absicherung und Wettbewerbsfähigkeit.
Wie sieht diese Balance aus?
Büttner: Man kann nicht bei extrem hohen Preisen alles absichern, weil man sonst bei einer Normalisierung der Märkte nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Wir arbeiten typischerweise mit drei Szenarien: Worst Case, Best Case und einem realistischen Case. Daraus leiten wir ab, wie weit wir Risiken minimieren, ohne uns künftige Chancen zu nehmen.
Agrana hat seine Strategie neu ausgerichtet. Wo liegt der Kern?
aBüttner: Wir konzentrieren uns auf zwei strategische Geschäftsbereiche. Der erste sind agrarische Commodities: Zucker, Stärke, also die Verarbeitung von Rüben, Getreide, Mais oder Kartoffeln. Das ist historisch unser Kern und teilweise stark commoditisiert. Der zweite Bereich sind Food & Beverage Solutions. Dort bieten wir der Lebensmittel- und Getränkeindustrie Rezepturen und Komplettlösungen an. Diese höhere Wertschöpfungsstufe wollen wir ausbauen.
Warum ist dieser zweite Bereich so wichtig?
Büttner: Weil wir dort weniger austauschbar sind. Je mehr Wert ein Kunde in unserer Leistung sieht, desto eher können wir profitabel wirtschaften. Food & Beverage Solutions stabilisiert uns in Zeiten, in denen der Commodity-Bereich unter hohen Kosten und Volatilitäten leidet. Aktuell liegt dieser Bereich bei rund 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro Umsatz. Wir wollen ihn sukzessive Richtung zwei Milliarden Euro entwickeln.
Heißt das: weniger Kapital für Zucker und Stärke, mehr für Lösungen?
Büttner: Kapital ist nicht endlos verfügbar. Wir müssen es dort einsetzen, wo aus heutiger Sicht die höchsten Renditeerwartungen liegen. Im agrarischen Verarbeitungsbereich in Europa sind Erweiterungsinvestitionen derzeit schwierig darstellbar. Investitionen in Effizienz laufen aber überall weiter. Wachstumskapital geht stärker in Bereiche, in denen wir Differenzierung und höhere Wertschöpfung erreichen können.