Automotive : Wenn Modelle wackeln: Wie der Antriebswandel Melecs EWS unter Druck setzt
Produktion bei Melecs EWS: : „Die Volumina je Marke und die Volumina je Modell werden geringer"
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Der Umbruch kommt nicht mit einem Schlag. Sondern er kommt in Wellen. In den Produktionshallen der Automobilzulieferer laufen Verbrenner-, Hybrid- und E-Komponenten parallel über dieselben Linien, während Stückzahlen sinken und Modellanläufe wackeln. Der einst erwartete geradlinige Übergang zur Elektromobilität ist einer fragmentierten Transformation gewichen. Für Elektronikhersteller wie Melecs EWS bedeutet das eine neue Realität mit deutlich geringerer Planbarkeit. Kleinere Volumina pro Fahrzeugmodell erhöhen die Komplexität in Produktion und Logistik, während der Druck entlang der Lieferkette steigt.
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Geschäftsführer Bernhard Pulferer spricht von einer komplexen Übergangsphase - mit unmittelbaren Auswirkungen auf Investitionen, Kapazitätsplanung und technologische Ausrichtung. „Die Situation ist noch dazu regional unterschiedlich“, sagt Pulferer. In China wachse die Elektromobilität weiterhin stark, zugleich legten dort Hybridfahrzeuge deutlich zu. Auch in Europa gewinnen Hybride an Dynamik - überraschend für viele Marktbeobachter. „Vor Jahren hat die Branche noch gemeint, dass das nur eine Übergangstechnologie sein wird“, erinnert er sich.
Gleichzeitig bleiben Diesel- und Benzinmodelle länger im Markt als erwartet, während batterieelektrische Fahrzeuge zwar weiterhin als Zukunftstechnologie gelten, sich jedoch langsamer durchsetzen als ursprünglich prognostiziert. Für Zulieferer bedeutet dies vor allem eines: maximale Unsicherheit.
Kleinere Volumina.
Melecs EWS liefert Elektronik sowohl für antriebsunabhängige Anwendungen als auch für Komponenten im Antriebsstrang. Doch die wachsende Zahl an Herstellern und Modellen verteilt die Nachfrage auf immer kleinere Einheiten. „Es kommen auch Marken dazu, wie zum Beispiel aus China, aber auch viel mehr Modelle der Etablierten“, erklärt Pulferer. Die Folge: „Die Volumina je Marke, die Volumina je Modell werden geringer.“ Damit werden ursprüngliche Produktionsprognosen häufig verfehlt.
Ein konkretes Beispiel liefert ein Elektromodell eines US-Herstellers, das in Europa produziert wird. Melecs liefert dafür eine elektronische Steuerungseinheit für die Lenkkraftverstärkung. „Die Stückzahlen sind bei Weitem nicht auf dem Niveau, wie wir uns das gewünscht haben“, sagt Pulferer.
Zusätzlich beobachten Zulieferer vermehrt Projektabbrüche. „Es gibt OEMs, die legen eine Plattform auf, entwickeln diese und müssen dann abbrechen, weil das Modell nicht ins Fliegen kommt“, berichtet Pulferer. Das führe zu durchaus langwierigen Gesprächen mit der Lieferkette, um die kommerziellen Konsequenzen zu vereinbaren.
Zusätzlich verschärfen steigende Standortkosten die Situation. In Österreich seien die Faktorpreise in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, berichtet Pulferer. Melecs EWS reagierte darauf mit der Verlagerung einzelner Programme in kostengünstigere Werke, insbesondere nach Ungarn. „Das ist zum allergrößten Teil abgeschlossen“, sagt er.