Schaeffler Stellenabbau : Schaeffler streicht 3.715 Stellen: Der harte Umbau nach der Vitesco-Übernahme
Schaeffler treibt den Stellenabbau nach der Vitesco-Übernahme schneller voran als geplant. Der fränkische Auto- und Industriezulieferer will damit seine Kosten senken und sich für den Wandel der Branche neu aufstellen.
- © SchaefflerDer fränkische Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler treibt seine Restrukturierung mit hohem Tempo voran. Wie das Unternehmen am Montag, 12. Oktober 2026, mitteilte, wurden von den ursprünglich vorgesehenen 4.700 wegfallenden Stellen bis Ende September bereits 3.715 abgebaut. Das entspricht rund 79 Prozent des gesamten Programms. Für die verbleibenden 985 Stellen liegen nach Konzernangaben bereits vertragliche Vereinbarungen vor. Damit dürfte der Stellenabbau Ende 2028 und somit ein Jahr früher als ursprünglich geplant abgeschlossen sein.
Auch wirtschaftlich entwickelt sich das Sparprogramm für Schaeffler günstiger als erwartet. Statt der ursprünglich kalkulierten jährlichen Einsparungen von 290 Millionen Euro rechnet das Management für 2029 inzwischen mit einer Entlastung von mehr als 20 Prozent über dem bisherigen Zielwert. Das entspricht mindestens rund 350 Millionen Euro. Für den Konzern bedeutet dies zusätzlichen finanziellen Spielraum in einem weiterhin schwierigen Marktumfeld.
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Schaeffler nach Vitesco-Übernahme: Warum der Autozulieferer jetzt härter umbaut
Die Grundlage für die Sparmaßnahmen hatte Schaeffler bereits im November 2024 gelegt. Damals kündigte der Konzern einen umfassenden Stellenabbau an, um seine Wettbewerbsfähigkeit insbesondere in Europa zu verbessern. Rund 2.800 der ursprünglich vorgesehenen 4.700 Stellen sollten in Deutschland wegfallen. Durch Produktionsverlagerungen sollte sich der Nettoverlust an Arbeitsplätzen in Europa auf etwa 3.700 reduzieren.
Hintergrund waren neben der schwachen Nachfrage im europäischen Automobilmarkt auch strukturelle Veränderungen innerhalb der Branche. Während das Geschäft mit Komponenten für klassische Verbrennungsmotoren unter Druck steht, entwickelt sich die Nachfrage nach elektrischen Antriebssystemen nicht überall so dynamisch wie erhofft.
Hinzu kommt die Integration des ehemaligen Continental-Unternehmens Vitesco Technologies. Die Verschmelzung mit Schaeffler wurde am 1. Oktober 2024 vollzogen. Dadurch wuchs die Beschäftigtenzahl des Konzerns zunächst um rund 35.000 auf etwa 120.000 Menschen. Die Übernahme sollte das Unternehmen technologisch stärken und zugleich Synergien bei Produktion, Verwaltung und Einkauf ermöglichen.
Schaeffler Aktie legt zu: Warum der Stellenabbau an der Börse Hoffnung macht
Der beschleunigte Stellenabbau wirkt sich auch auf die Bilanz aus. Weil die Umsetzung weniger kostet als ursprünglich angenommen, konnte Schaeffler zum 30. September Restrukturierungsrückstellungen von rund 84 Millionen Euro auflösen.
Die Entwicklung zeigt, dass der Konzern seine ursprünglich veranschlagten Einmalaufwendungen für den Personalabbau unterschreitet. Allerdings gehen die finanziellen Verbesserungen mit einem erheblichen Beschäftigungsabbau einher. Für die betroffenen Standorte bedeutet die Restrukturierung eine dauerhafte Veränderung ihrer Personalstrukturen.
An der Börse wurde die Nachricht zunächst positiv aufgenommen. Die im MDax notierte Schaeffler-Aktie gewann am Montag zeitweise rund fünf Prozent. Über einen längeren Zeitraum betrachtet bleibt die Kursentwicklung jedoch schwach. Nach den im Ausgangsbericht genannten Marktdaten lag das Papier seit Jahresbeginn noch knapp 30 Prozent im Minus.
Schaeffler Altersteilzeit: 1.768 Beschäftigte gehen früher in den Ruhestand
Parallel zum bereits laufenden Restrukturierungsprogramm setzt Schaeffler auf eine weitere Maßnahme zum Personalabbau in Deutschland. Bis zum 5. Oktober unterzeichnete das Unternehmen insgesamt 1.768 zusätzliche Altersteilzeitverträge. Ursprünglich hatte das Management mit etwa 1.300 Abschlüssen gerechnet.
Das Angebot richtete sich an Beschäftigte der Jahrgänge 1971 und älter. Hintergrund war nach Unternehmensangaben unter anderem die erwartete Veränderung bestehender Altersteilzeitinstrumente im Zusammenhang mit der angekündigten Rentenreform.
Vereinbart wurden sogenannte Blockmodelle, bei denen die Beschäftigten zunächst weiterarbeiten und anschließend in eine bezahlte Freistellungsphase wechseln. Die angebotenen Laufzeiten reichen von zwei bis acht Jahren. Voraussetzung war jeweils eine einvernehmliche Vereinbarung zwischen Beschäftigten und Führungskräften.
Vorstandschef Klaus Rosenfeld sieht darin einen weiteren Schritt zur Anpassung der Kostenstrukturen an den deutschen Standorten. Gleichzeitig soll das Programm die Altersstruktur der Belegschaft verändern und älteren Beschäftigten einen planbaren Übergang in den Ruhestand ermöglichen.
Schaeffler Umbau bis 2029: Kann der Zulieferer wieder profitabler werden?
Auch die neuen Altersteilzeitvereinbarungen sollen sich finanziell auszahlen. Bereits 2027 erwartet Schaeffler einen positiven Effekt auf den Cashflow, ohne diesen genauer zu beziffern. Für 2029 prognostiziert der Konzern eine zusätzliche Ergebnisverbesserung von rund 55 Millionen Euro.
Allerdings verursacht das Programm zunächst weitere Kosten. Bis 2030 werden zusätzliche Rückstellungen von etwa 70 Millionen Euro für zeitlich verteilte Einmalzahlungen notwendig. Diese Aufwendungen können nach Unternehmensangaben als Sondereffekt verbucht werden.
Der Personalumbau verdeutlicht damit die Herausforderungen, vor denen Schaeffler und andere europäische Automobilzulieferer stehen. Sinkende Stückzahlen bei traditionellen Antriebstechnologien, Veränderungen durch die Elektromobilität und der internationale Wettbewerbsdruck verlangen erhebliche Anpassungen.
Für Schaeffler liegt die wirtschaftliche Chance in dauerhaft niedrigeren Kosten und einer verbesserten Ertragskraft. Gleichzeitig muss der Konzern seine technologische Neuausrichtung vorantreiben. Ob die zusätzlichen Einsparungen ausreichen, um langfristig wieder stärker zu wachsen, wird wesentlich davon abhängen, wie sich die Nachfrage in den wichtigsten Automobil- und Industriemärkten entwickelt.