KTM Produktion Österreich : KTM: Österreich entwickelt, Indien produziert billig – und Brasilien wird zum nächsten Baustein
KTM nach der Insolvenz: Unter dem indischen Eigentümer Bajaj wird die internationale Motorradproduktion neu aufgestellt. Während Mattighofen in Österreich ein wichtiger Standort bleibt, erweitert der Hersteller seine Fertigung in Brasilien.
- © KTM SportmotorcycleNach der Insolvenz Ende 2024 und der anschließenden Übernahme durch Bajaj Auto steht der österreichische Motorradhersteller KTM vor einem grundlegenden wirtschaftlichen Neustart. Die Frage nach der Zukunft des Produktionsstandorts Mattighofen beschäftigt dabei nicht nur die Beschäftigten, sondern auch Zulieferer, Wirtschaftsvertreter und die gesamte österreichische Industrie.
Für zusätzliche Unsicherheit hatten Aussagen des indischen Konzernchefs Rajiv Bajaj gesorgt. Dieser hatte im August 2025 die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Motorradproduktion angesichts hoher Kosten grundsätzlich infrage gestellt. In Indien gefertigte KTM-Modelle erzielen laut seinen damaligen Angaben EBITDA-Margen von mehr als 30 Prozent.
KTM-Chef Gottfried Neumeister widerspricht dennoch Spekulationen über eine vollständige Verlagerung der Produktion nach Indien. In einem Interview Anfang Oktober 2026 bekräftigte er das Bekenntnis zum österreichischen Standort.
Ein wesentlicher Grund ist die vorhandene technische Kompetenz. Mehr als 440 Ingenieure arbeiten in Mattighofen an der Entwicklung neuer Motorräder und Technologien. Forschung, Entwicklung und anspruchsvolle Fertigung sollen auch künftig wichtige Bestandteile der österreichischen Aktivitäten bleiben.
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KTM Produktion in Indien: Warum Bajaj dort deutlich günstiger fertigen kann
Die internationale Arbeitsteilung ist für KTM keineswegs neu. Bereits seit 2011 arbeitet das Unternehmen bei der Herstellung kleinerer Motorräder eng mit Bajaj zusammen. Im indischen Werk Chakan nahe Pune werden insbesondere Modelle der 125er-, 200er- und 390er-Klassen produziert.
Der wirtschaftliche Vorteil liegt vor allem in niedrigeren Fertigungskosten und der Möglichkeit, preislich wettbewerbsfähige Motorräder für internationale Märkte herzustellen. Im Jänner 2023 erreichte die Partnerschaft einen bedeutenden Meilenstein: Das einmillionste KTM-Motorrad verließ das indische Werk.
In Österreich konzentriert sich KTM hingegen auf technisch anspruchsvollere und hochwertige Modelle. Nach Angaben von Neumeister werden die Offroad-Motorräder sowie Maschinen mit mehr als 1.000 Kubikzentimetern weiterhin in Österreich gefertigt.
Damit verfolgt KTM eine Strategie, bei der unterschiedliche Produktionsstandorte verschiedene Aufgaben übernehmen. Indien dient als internationaler Fertigungsstandort für kleinere Modellklassen, während Österreich seine Kompetenzen in Entwicklung, Technologie und spezialisierten Motorradsegmenten einbringt.
KTM am Standort Mattighofen in Oberösterreich: Nach der Insolvenz und der Übernahme durch den indischen Motorradhersteller Bajaj bleibt Österreich ein wichtiger Produktions- und Entwicklungsstandort. Die Zukunft des traditionsreichen Motorradherstellers steht weiterhin im Fokus.
- © APA/MANFRED FESLKTM eröffnet Werk in Brasilien: Was hinter der Expansion nach der Insolvenz steckt
Parallel zum Bekenntnis zum Standort Mattighofen treibt KTM seine internationale Expansion voran. Am 14. Oktober 2026 eröffnete der Motorradhersteller im brasilianischen Manaus ein eigenes Montagewerk.
Die Anlage ist das erste vollständig KTM-eigene Montagewerk außerhalb Österreichs und verfügt sowohl über eine Fahrzeug- als auch über eine Motorenmontage. Die Produktion war bereits Ende Juni 2026 schrittweise angelaufen.
Bislang wurden rund drei Millionen Euro in den neuen Standort investiert. Für 2027 und 2028 sind zusätzliche Investitionen von insgesamt zwei Millionen Euro vorgesehen. Rund 80 Beschäftigte arbeiten direkt für KTM do Brasil, weitere etwa 20 Personen sind über externe Dienstleister tätig.
Im Einschichtbetrieb ist das Werk auf eine jährliche Produktion von etwa 10.000 Motorrädern ausgelegt. Für 2027 plant KTM zunächst mit 7.000 bis 8.000 Fahrzeugen. Ab 2028 soll auf einen Zweischichtbetrieb umgestellt werden.
Mit dem eigenen Werk übernimmt KTM die Montage in Brasilien nun selbst. Zuvor hatte ein externer Partner die Motorräder im Auftrag des Unternehmens gefertigt. Für KTM-Chef Gottfried Neumeister gehört Brasilien zu den weltweit wichtigsten Wachstumsmärkten für Motorräder. Das Land steht für rund 70 Prozent des lateinamerikanischen Motorradmarktes und bietet damit erhebliches Absatzpotenzial.
Die in Manaus produzierten Motorräder sind nach Unternehmensangaben ausschließlich für den brasilianischen Markt bestimmt. KTM betont zugleich, dass die Produktion in Österreich weiterhin in Mattighofen verbleibt.
Die Eröffnung bedeutet somit nicht automatisch eine Verlagerung österreichischer Fertigungskapazitäten. Sie verdeutlicht allerdings, dass KTM seine internationale Produktionsstruktur erweitert und Märkte zunehmend durch regionale Fertigung bedienen will.
Für die langfristige Entwicklung ergibt sich daraus eine wichtige strategische Frage: Welche Fertigungsschritte werden künftig weiterhin in Österreich durchgeführt, und welche Produkte lassen sich an internationalen Standorten wirtschaftlicher herstellen?
KTM Insolvenz: Wie Bajaj mit 800 Millionen Euro die Kontrolle übernahm
Die veränderte Eigentümerstruktur geht unmittelbar auf die schwere Unternehmenskrise zurück.
Ende 2024 musste KTM Insolvenz anmelden. Das anschließende Sanierungsverfahren erforderte erhebliche finanzielle Mittel und tiefgreifende Umstrukturierungen.
Im Mai 2025 stellte Bajaj ein Finanzierungspaket von insgesamt rund 800 Millionen Euro bereit. Damit wurde unter anderem die Erfüllung des Sanierungsplans ermöglicht und die Fortführung des Unternehmens abgesichert.
In weiterer Folge übernahm der indische Motorradkonzern die Kontrolle über die damalige Pierer Mobility AG. Seit Jänner 2026 firmiert die Gesellschaft unter dem Namen Bajaj Mobility AG.
Die wirtschaftliche Neuausrichtung war mit erheblichen Einschnitten verbunden. Anfang 2026 wurden rund 500 Arbeitsplätze abgebaut, insbesondere in Verwaltungsbereichen und im mittleren Management.
Die Sanierung hat damit nicht nur die Eigentumsverhältnisse verändert, sondern auch die Kostenstruktur und die Organisation des Motorradherstellers nachhaltig beeinflusst.
KTM Geschäftszahlen 2026: Der Motorradhersteller wächst wieder – aber reicht das?
Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen, dass die Restrukturierung erste wirtschaftliche Ergebnisse bringt.
Im zweiten Quartal 2026 erwirtschaftete die Bajaj Mobility AG einen Konzernumsatz von 370,2 Millionen Euro. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal entspricht das einem Wachstum von 60,5 Prozent.
Besonders relevant ist die Rückkehr zu einem positiven operativen Quartalsergebnis. Mit einem EBIT von 1,3 Millionen Euro gelang erstmals seit Abschluss der Sanierungsverfahren wieder ein positives Betriebsergebnis.
Auch der Absatz entwickelte sich deutlich besser. Im zweiten Quartal wurden 48.672 Motorräder verkauft, um 71 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die EBITDA-Marge erreichte 8,7 Prozent.
Die Zahlen deuten auf eine operative Stabilisierung hin. Eine nachhaltige wirtschaftliche Gesundung lässt sich daraus jedoch noch nicht ableiten. Dafür muss KTM auch in den kommenden Quartalen profitabel wirtschaften und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern.
Zusätzliche Signale kommen vom Arbeitsmarkt. Nach dem umfangreichen Stellenabbau sucht KTM im Oktober 2026 unter anderem wieder Produktionsmitarbeiter und technische Fachkräfte für Mattighofen und Munderfing.
KTM und MotoGP: Warum Bajaj trotz Sparkurs am Rennsport festhält
Neben der Produktion musste KTM auch seine Motorsportaktivitäten nach der Insolvenz neu bewerten.
Insbesondere das kostspielige Engagement in der MotoGP stand im Zusammenhang mit den Sparmaßnahmen zur Diskussion.
Neumeister berichtete, dass zunächst erhebliche Überzeugungsarbeit notwendig gewesen sei, um dem neuen indischen Eigentümer die strategische Bedeutung des Motorsports für die Marke KTM zu vermitteln.
Mit der im Juni 2026 bestätigten Vereinbarung der MotoGP-Hersteller für die Jahre 2027 bis 2031 wurde eine wichtige Grundlage für die weitere Teilnahme geschaffen.
Für KTM bleibt der Motorsport damit nicht nur ein Instrument zur internationalen Markenpositionierung, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der technologischen Entwicklung und der Produktidentität.
KTM Produktion weltweit: Welche Rolle Österreich, Indien und Brasilien künftig spielen
Mit Österreich, Indien und Brasilien verfügt KTM über Produktionsstandorte, die unterschiedliche strategische Funktionen erfüllen.
Mattighofen bleibt nach den aktuellen Aussagen des Managements ein Zentrum für Forschung, Entwicklung und die Fertigung hochwertiger Motorräder. Das Know-how der österreichischen Ingenieure und die Kompetenz im Offroad-Bereich gelten als wesentliche Stärken des Unternehmens.
Indien bildet mit seinen kosteneffizienten Fertigungskapazitäten eine wichtige Grundlage für kleinere Motorradmodelle und internationale Exportmärkte.
Brasilien kommt als regionaler Montage- und Produktionsstandort für den lateinamerikanischen Markt hinzu. Das neue Werk ermöglicht KTM, die Fertigung dort stärker selbst zu kontrollieren und die Marktpräsenz weiter auszubauen.
Diese Aufgabenteilung zeigt, dass die Internationalisierung der KTM-Produktion zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Allerdings bedeutet das Bekenntnis zu Mattighofen keine uneingeschränkte Garantie für den langfristigen Erhalt sämtlicher Produktionsumfänge. Hohe Fertigungskosten in Europa, die weitere Entwicklung der Nachfrage und die wirtschaftlichen Zielvorgaben des indischen Eigentümers bleiben entscheidende Faktoren.
KTM Zukunft: Warum Mattighofen trotz Bekenntnis von Bajaj unter Kostendruck bleibt
KTM befindet sich nach der schwersten Krise seiner jüngeren Unternehmensgeschichte in einer Phase des wirtschaftlichen Wiederaufbaus. Die verbesserten Geschäftszahlen und das ausdrückliche Bekenntnis von CEO Gottfried Neumeister zum Standort Mattighofen sind positive Signale für die österreichische Motorradindustrie.
Mit der Eröffnung des Werks in Brasilien setzt das Unternehmen gleichzeitig ein Zeichen für den Ausbau seiner internationalen Fertigungsstruktur.
Eine vollständige Verlagerung der Produktion aus Österreich ist derzeit nicht angekündigt. Vielmehr zeichnet sich eine Strategie ab, die österreichische Entwicklungskompetenz mit kosteneffizienter Produktion in Indien und marktnaher Fertigung in Brasilien verbindet.
Entscheidend wird langfristig sein, ob KTM die wirtschaftliche Erholung dauerhaft fortsetzen und die österreichischen Standorte innerhalb dieses internationalen Produktionsnetzwerks wettbewerbsfähig halten kann.