KTM Produktion Österreich : KTM: Die österreichische Bastion im indischen Motorradimperium
KTM in Mattighofen: Nach der Insolvenz und der Übernahme durch den indischen Motorradhersteller Bajaj steht die Zukunft des österreichischen Produktionsstandorts im Fokus. KTM-Chef Gottfried Neumeister bekräftigt das Bekenntnis zu Österreich – trotz erheblicher Kostenvorteile in Indien.
- © KTM SportmotorcycleDie Sorge um die Zukunft des österreichischen Motorradherstellers KTM beschäftigt Mitarbeiter, Kunden und Branchenbeobachter seit der schweren Unternehmenskrise. Insbesondere die Übernahme durch den indischen Zweiradkonzern Bajaj Auto hatte Spekulationen über eine mögliche Verlagerung der Fertigung nach Asien ausgelöst.
Diesen Befürchtungen tritt KTM-Chef Gottfried Neumeister nun erneut entgegen. In einem am 8. Oktober 2026 veröffentlichten Interview mit dem Motorsportportal SPEEDWEEK betonte er, dass es ein klares Bekenntnis zum Produktionsstandort Österreich gebe.
Als wesentliches Argument führt Neumeister die technische Kompetenz in Mattighofen an. Mehr als 440 Ingenieure entwickeln dort Motorräder und Technologien. Das Entwicklungszentrum ist damit ein entscheidender Bestandteil der Unternehmensstrategie. Auch organisatorisch bleibt Österreich das Zentrum des Konzerns. Die frühere Pierer Mobility AG firmiert seit Januar 2026 unter dem Namen Bajaj Mobility AG und hat ihren Unternehmenssitz nach Mattighofen verlegt.
Nie mehr die wichtigsten News aus Österreichs Industrie verpassen? Abonnieren Sie unser Daily Briefing: Was in der Industrie wichtig wird. Täglich um 7 Uhr in ihrer Inbox. Hier geht’s zur Anmeldung!
Bajaj und KTM: Warum die Produktion in Österreich infrage stand
Auslöser der Standortdiskussion waren Äußerungen von Rajiv Bajaj im August 2025. Der Chef des indischen Mutterkonzerns hatte in einem Fernsehinterview erklärt, die europäische Produktion sei angesichts der hohen Kosten wirtschaftlich kaum noch konkurrenzfähig.
Dabei verwies er auf den britischen Motorradhersteller Triumph und dessen Fertigungsaktivitäten in Thailand und Indien. Zugleich hob Bajaj die Kostenvorteile indischer Produktionsstandorte hervor. Besonders bemerkenswert war seine Aussage, dass in Indien gefertigte und exportierte KTM-Motorräder EBITDA-Margen von mehr als 30 Prozent erzielen würden. Die Aussagen lösten vor allem in Oberösterreich erhebliche Diskussionen aus. KTM reagierte bereits damals mit dem Hinweis, dass keine Pläne für eine Verlagerung der Produktion bestünden.
KTM am Standort Mattighofen in Oberösterreich: Nach der Insolvenz und der Übernahme durch den indischen Motorradhersteller Bajaj bleibt Österreich ein wichtiger Produktions- und Entwicklungsstandort. Die Zukunft des traditionsreichen Motorradherstellers steht weiterhin im Fokus.
- © APA/MANFRED FESLKTM-Produktion in Indien: Welche Motorräder aus Österreich kommen
Die internationale Arbeitsteilung gehört allerdings schon seit Jahren zum Geschäftsmodell von KTM. Bereits seit 2011 werden kleinere Motorradmodelle gemeinsam mit Bajaj in Indien produziert. Im Werk Chakan nahe Pune entstehen insbesondere Maschinen mit geringerem Hubraum. Dazu zählen Modellfamilien der 125er-, 200er- und 390er-Klassen. Ein erheblicher Teil dieser Motorräder wird exportiert.
Im Januar 2023 erreichte die Zusammenarbeit einen wichtigen Meilenstein: Mit einer KTM 390 Adventure verließ das einmillionste KTM-Motorrad das indische Werk. Bajaj bezeichnete Chakan damals als bedeutenden internationalen Produktionsstandort für Premium-Motorräder.
Die Fertigungsstrategie folgt einer wirtschaftlichen Logik. Kleinere Motorräder stehen unter besonders hohem Preisdruck. Durch die Produktion in Indien lassen sich Kostenvorteile nutzen und internationale Märkte bedienen.
Anders sieht die Situation bei technisch anspruchsvollen Offroad-Motorrädern und großen Modellen aus. Laut Neumeister stammt die gesamte Offroad-Produktion weiterhin aus Österreich. Auch Motorräder mit mehr als 1.000 Kubikzentimetern werden dort hergestellt.
KTM-Insolvenz und Bajaj-Übernahme: 800 Millionen Euro für die Sanierung
Die heutige Eigentümerstruktur ist eine direkte Folge der finanziellen Schwierigkeiten des Motorradherstellers. Nachdem KTM Ende 2024 insolvent geworden war, musste das Unternehmen ein umfassendes Sanierungsverfahren durchlaufen. Bajaj spielte dabei eine entscheidende Rolle.
Im Mai 2025 kündigte der indische Konzern ein Finanzierungspaket von insgesamt 800 Millionen Euro an. Die Mittel sollten unter anderem die vereinbarten Zahlungen an Gläubiger ermöglichen und den laufenden Geschäftsbetrieb stabilisieren.
Im weiteren Verlauf übernahm Bajaj die Kontrolle über die frühere Pierer Mobility AG. Damit veränderten sich die Machtverhältnisse beim österreichischen Motorradhersteller grundlegend. Die Sanierung erforderte allerdings erhebliche Einschnitte. Anfang 2026 wurden rund 500 Arbeitsplätze abgebaut, vorwiegend in Verwaltungsbereichen und im mittleren Management.
KTM-Geschäftszahlen 2026: Motorradabsatz steigt um 71 Prozent
Die bisherigen Restrukturierungsmaßnahmen zeigen inzwischen Wirkung. Im zweiten Quartal 2026 erzielte die Bajaj Mobility AG einen Konzernumsatz von 370,2 Millionen Euro. Das entspricht einem Anstieg von 60,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Besonders wichtig ist die Rückkehr in die operative Gewinnzone. Mit einem EBIT von 1,3 Millionen Euro erreichte der Konzern erstmals seit Abschluss der Sanierungsverfahren wieder ein positives Betriebsergebnis.
Auch der Motorradabsatz entwickelte sich deutlich besser. Im zweiten Quartal wurden 48.672 Motorräder verkauft, ein Zuwachs von 71 Prozent. Die EBITDA-Marge erreichte 8,7 Prozent. Trotz dieser Fortschritte bleibt die wirtschaftliche Stabilisierung eine zentrale Herausforderung. Entscheidend wird sein, ob KTM die positive Entwicklung dauerhaft fortsetzen kann.
KTM bleibt in der MotoGP: Wie es nach der Bajaj-Übernahme weitergeht
Neben der Produktion stand auch das Engagement im internationalen Motorsport auf dem Prüfstand. Neumeister erklärte, dass Bajaj zunächst wenig Verständnis für die wirtschaftliche Bedeutung des Rennsports gehabt habe. Erst intensive Gespräche hätten verdeutlicht, welchen Stellenwert sportliche Erfolge für die Positionierung der Marke besitzen.
Ein wichtiges Ergebnis dieser Verständigung ist die Fortsetzung des MotoGP-Engagements. Am 19. Juni 2026 bestätigten KTM und die vier weiteren Hersteller Aprilia, Ducati, Honda und Yamaha eine gemeinsame Vereinbarung für die Jahre 2027 bis 2031. Damit ist die langfristige Teilnahme der Hersteller an der Königsklasse des Motorradsports abgesichert.
KTM-Zukunft: Welche Rolle Österreich und Indien künftig spielen
Die Entwicklung zeigt, dass KTM künftig auf zwei unterschiedliche Stärken setzen will: Österreich bleibt das Zentrum für Entwicklung, Offroad-Kompetenz und hochwertige Motorräder. Indien übernimmt eine wichtige Rolle bei kosteneffizient produzierten Modellen für den Weltmarkt.
Das Bekenntnis zu Mattighofen ist damit ein bedeutendes Signal, allerdings keine Garantie für unveränderte Strukturen. Langfristig wird vor allem der wirtschaftliche Erfolg darüber entscheiden, wie sich die Produktionsstandorte entwickeln.
Für KTM zeichnet sich somit keine vollständige Abwanderung nach Indien ab, sondern eine internationale Strategie, bei der österreichisches Know-how und indische Fertigungskapazitäten einander ergänzen.