Audi Stellenabbau 2026 : Audi verspricht Job-Sicherheit – doch 7.500 Stellen sind trotzdem betroffen
Audi schließt weiteren Stellenabbau aus – dennoch werden im Zuge des Umbaus bis zu 7.500 Jobs abgebaut.
- © AudiDie Volkswagen-Tochter Audi hat einen weiteren Personalabbau über die bereits angekündigten Maßnahmen hinaus klar ausgeschlossen. Personalvorstand Xavier Ros bekräftigte in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ die langfristige Planungssicherheit für die Belegschaft. „Es wird keinen weiteren Stellenabbau über die vereinbarten 7.500 Arbeitsplätze hinaus geben“, sagte Ros mit Verweis auf die bereits im vergangenen Jahr kommunizierten Einsparziele. Gleichzeitig unterstrich er die bestehende Beschäftigungsgarantie: „Die Beschäftigungsgarantie bis Ende 2033 gilt.“
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Damit setzt Audi weiterhin auf einen sozialverträglichen Umbau seiner Belegschaft im Zuge der Transformation der Automobilindustrie. Der Konzern befindet sich – wie die gesamte Branche – mitten im Wandel hin zur Elektromobilität, Digitalisierung und neuen Mobilitätskonzepten. Diese Umstellung erfordert nicht nur hohe Investitionen, sondern auch eine Anpassung der Personalstruktur.
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Keine Kündigungen – trotzdem baut Audi tausende Stellen ab
Audi betont ausdrücklich, dass der geplante Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen soll. „Keiner muss sich um seinen Arbeitsplatz sorgen“, sagte Ros und versicherte: „Es gibt keine betriebsbedingten Kündigungen.“ Stattdessen setzt das Unternehmen auf Instrumente wie Altersteilzeit, freiwillige Aufhebungsverträge und interne Umstrukturierungen.
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Ein erheblicher Teil der geplanten Einsparungen ist bereits umgesetzt oder verbindlich vereinbart. Bis Ende 2027 sollen bis zu 6.000 der insgesamt vorgesehenen 7.500 Stellen abgebaut werden. Laut Ros befindet sich Audi dabei im Zeitplan: „Wir befinden uns hier auf einem sehr guten Weg. Wir haben bereits 65 Prozent der bis zu 6.000 geplanten Personalanpassungen heute schon umgesetzt oder vertraglich fixiert. Entweder haben uns diese Mitarbeitenden schon verlassen oder Vereinbarungen getroffen, wann und wie sie ausscheiden.“
Diese Strategie entspricht dem in Deutschland häufig praktizierten Modell des sozialpartnerschaftlichen Strukturwandels, bei dem Unternehmen und Arbeitnehmervertretungen gemeinsam Lösungen erarbeiten, um tiefgreifende Veränderungen möglichst konfliktfrei umzusetzen.
Mehr Gewinn bei Audi – doch das Kerngeschäft schwächelt deutlich
Finanziell konnte Audi im vergangenen Geschäftsjahr ein positives Ergebnis erzielen – trotz eines insgesamt schwierigen Marktumfelds. Nach Steuern erwirtschaftete der Konzern einen Gewinn von 4,6 Milliarden Euro, was einem Anstieg von rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit entwickelt sich Audi entgegen dem Trend vieler Wettbewerber, die teils deutliche Gewinnrückgänge hinnehmen mussten.
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Allerdings ist der Gewinnanstieg nicht ausschließlich auf operative Stärke zurückzuführen. Eine wesentliche Rolle spielte eine Ausgleichszahlung aus dem Volkswagen-Konzern, die das Finanzergebnis erheblich verbesserte. Insgesamt verdoppelte sich dieses auf 2,2 Milliarden Euro. Finanzchef Jürgen Rittersberger bezifferte den Beitrag der Konzernzahlung auf einen „hohen dreistelligen Millionenbetrag“.
Das operative Ergebnis hingegen ging zurück – um knapp 14 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass das Kerngeschäft weiterhin unter Druck steht. Gründe dafür sind unter anderem steigende Kosten, geopolitische Unsicherheiten und ein intensiver Wettbewerb in wichtigen Absatzmärkten.
Milliardenbelastungen durch Zölle und Umbau setzen Audi unter Druck
„Wir haben ein anspruchsvolles Jahr finanziell robust abgeschlossen“, sagte Rittersberger. Gleichzeitig machte er deutlich, dass externe Faktoren die Geschäftsentwicklung erheblich belastet haben. Besonders ins Gewicht fielen neue US-Zölle, die Audi nach eigenen Angaben rund 1,2 Milliarden Euro kosteten.
Hinzu kamen Rückstellungen in Höhe von jeweils etwa 400 Millionen Euro – einerseits für CO₂-Regularien, andererseits für den angekündigten Stellenabbau. Diese Posten spiegeln die strukturellen Herausforderungen wider, mit denen die Automobilindustrie konfrontiert ist: strengere Umweltauflagen, steigende regulatorische Anforderungen und hohe Investitionen in neue Technologien.
Ein weiterer Belastungsfaktor ist der chinesische Markt. Dort sieht sich Audi einem intensiven Wettbewerb ausgesetzt, insbesondere im Segment der Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride. „Im Bereich der Elektroautos und Hybride herrsche dort ein Preiskrieg“, sagte Rittersberger. Lokale Hersteller gewinnen zunehmend Marktanteile und setzen internationale Marken unter Druck.
Trotz Druck und Kosten: Diese Ziele setzt sich Audi jetzt
Für das laufende Jahr bleibt Audi vorsichtig optimistisch. Der „Margen- und Effizienzdruck“ werde hoch bleiben, so Rittersberger. Dennoch strebt das Unternehmen eine Verbesserung der operativen Marge auf sechs bis acht Prozent an – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 5,1 Prozent des Vorjahres.
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Gleichzeitig rechnet Audi weiterhin mit erheblichen Belastungen durch US-Zölle. Während diese 2025 nur für neun Monate anfielen, könnten sie 2026 das gesamte Jahr über wirksam sein. „Man gehe von einem ähnlichen Niveau wie 2025 aus – dann aber nicht nur neun, sondern zwölf Monate lang“, sagte Rittersberger.
Die Umsatzerwartungen bleiben stabil: Audi rechnet mit Erlösen zwischen 63 und 68 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 65,5 Milliarden Euro, ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Zu beachten ist dabei, dass das China-Geschäft nur teilweise in den Umsatzzahlen sichtbar wird. Aufgrund von Joint-Venture-Strukturen werden viele Verkäufe nicht direkt im Konzernumsatz ausgewiesen, obwohl China einer der wichtigsten Märkte für Audi bleibt.
Audi holt auf BMW und Mercedes auf – bleibt aber klar zurück
Im Vergleich zu den deutschen Wettbewerbern konnte Audi zuletzt Boden gutmachen. Während der Konzern seinen Gewinn steigerte, verzeichneten sowohl BMW als auch Mercedes-Benz Rückgänge. BMW kam auf einen Gewinn von 7,5 Milliarden Euro, während Mercedes-Benz einen deutlichen Rückgang auf 5,3 Milliarden Euro hinnehmen musste. Damit verringert sich der Abstand zwischen Audi und seinen beiden Hauptkonkurrenten im Premiumsegment. Dennoch bleibt Audi weiterhin die Nummer drei im deutschen Premium-Trio.
US-Werk geplant? Diese Entscheidung könnte für Audi entscheidend werden
Ein wichtiger strategischer Schritt ist weiterhin offen: der mögliche Bau eines eigenen Werks in den USA. Konzernchef Gernot Döllner bestätigte, dass sich die Entscheidung verzögert. Ursprünglich war sie früher erwartet worden, nun soll sie im Laufe des Jahres im Vorstand des Volkswagen-Konzerns getroffen werden.
Ein eigenes US-Werk könnte Audi helfen, Zölle zu umgehen und die Wettbewerbsposition auf dem wichtigen nordamerikanischen Markt zu stärken. Im Gegensatz zu BMW verfügt Audi bislang über keine eigene Produktionsstätte in den USA und ist daher besonders stark von Importzöllen betroffen.
1,6 Millionen Autos: So schlagen sich Audis Verkaufszahlen wirklich
Im Jahr 2025 lieferte Audi weltweit rund 1,62 Millionen Fahrzeuge der Kernmarke aus. Hinzu kommen die Luxusmarken des Konzerns: Lamborghini mit 10.747 Fahrzeugen und Bentley mit 10.131 Fahrzeugen. Beide Marken tragen zwar vergleichsweise geringe Stückzahlen bei, sind jedoch für das Image und die Profitabilität des Konzerns von Bedeutung.