Zulieferindustrie

Nach Übernahme durch Prevent: Schlichtung bei Neue Halberg Guss gescheitert

Nach dem Einstieg des bosnischen Investors Hastor (Gruppe Prevent) spitzt sich der Streit beim traditionsreichen deutschen Autozulieferer Neue Halberg Guss wieder zu. Möglicherweise müssen hunderte Mitarbeitern gehen.

Symbolbild: Industrie im westdeutschen Bundesland Saarland.

Der Konflikt beim deutschen Autozulieferer Neue Halberg Guss (NHG) spitzt sich wieder zu. Die NHG-Geschäftsführung erklärte die Schlichtung für gescheitert und teilte mit: "Ein Stellenabbau in deutlich größerem Umfang als noch im Juni angenommen ist nicht mehr auszuschließen."

Bosnische Familie Hastor stieg erst heuer ein

Der Zulieferer von Motorblöcken und Antriebswellen gehört seit Jahresbeginn zur bosnisch-deutschen Prevent-Gruppe der Familie Hastor, die sich vor allem mit dem Volkswagen-Konzern erbittert um Lieferkonditionen gestritten und Aufträge verloren hatte.

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Nach einem rund sechswöchigen Arbeitskampf lief seit Ende Juli die Schlichtung. Seinerzeit galt die Schließung der Leipziger Gießerei mit 700 Beschäftigten Ende 2019 als beschlossene Sache. Im Stammwerk Saarbrücken war ein Abbau von 300 der 1.500 Jobs erwogen worden.

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"Die Nachwirkungen des langen und intensiven Streiks haben dazu geführt, dass eine zukunftsorientierte Lösung nahezu unmöglich geworden ist", begründete die Geschäftsführung ihren Schritt. Auch Gespräche mit möglichen Investoren hätten nicht die erhoffte Zukunftsperspektive eröffnet. "Wir müssen uns nunmehr mit Nachdruck dem Betriebsumbau der NHG zuwenden."

Gewerkschaft: Ausstieg aus der Schlichtung "unverantwortlich"

Die Gewerkschaft IG Metall erklärte, der Ausstieg der Geschäftsführung aus der Schlichtung sei "unverantwortlich". Damit werde kein Problem der Standorte gelöst und die Belieferung der Kunden zusätzlich erschwert. "Nach unseren Informationen laufen gerade aktuell erfolgversprechende Verhandlungen mit einem Erwerber. Streit gibt es dabei vor allem über den Kaufpreis, den die Eigentümer der NHG erwarten", sagte Bezirksleiter Jörg Köhlinger.

Er forderte, die Verhandlungen erfolgreich zu Ende zu führen, anstatt Jobs "durch Zockerei aufs Spiel zu setzen". Ein Verkauf wäre ein richtiger Schritt, da das gestörte Vertrauensverhältnis zwischen Eigentümern und Kunden sowie Belegschaft eine schwere Hypothek sei. (dpa/apa/red)

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