Übernahme

B&C-Industrieholding fürchtet „feindliche Übernahme“ durch prominente Industrielle

Die Gewerkschaften sind „alarmiert“, die B&C Holding bringt sich mit vorbereiteten Klagen in Stellung: Laut Medienberichten will Investor Michael Tojner mit einer Gruppe durchaus renommierter Personen aus der Industrie die Kontrolle über die B&C-Privatstiftung erlangen. Auf Anfrage von Industriemagazin wollten sich Stefan Pierer und Martin Ohneberg nicht äußern.

Will Michael Tojner gemeinsam mit Industriellen wie Stefan Pierer, Wolfgang Leitner und Martin Ohneberg der UniCredit die Letzbegünstigten-Stellung bei der B&C Stiftung abkaufen? Von Tojner, Pierer und Ohneberg heißt es: Kein Kommentar.

Die B&C-Industrieholding hält Mehrheitsbeteiligungen an Lenzing, AMAG und Semperit, und eine Minderheitsbeteiligung an Vamed. Gehalten wird die Holding von der B&C B&C Privatstiftung. Deren Stiftungsauftrag ist es, "langfristig sicherzustellen, dass bedeutende österreichische Industrieunternehmen mit ihren Unternehmenszentralen und den damit verbundenen Arbeitsplätzen in Österreich weiterentwickelt werden und nicht zerschlagen, ausgehöhlt oder ins Ausland abverkauft werden".

Dies sei nun in Gefahr, die B&C Holding spricht sogar von einer „feindlichen Übernahme“: Investor Michael Tojner will - offenbar über den Erwerb der Letztbegünstigung an der Stiftung, die derzeit bei der UniCredit-Mutter in Italien liegt - die Kontrolle über die B&C-Privatstiftung erlangen. Das berichtete der „Standard“ am Wochenende unter Berufung auf Wiener Bankkreise. Laut Informationen des Wirtschaftsagazins „trend“ hat Michael Tojner dabei einige prominente Mitstreiter: So seien Andritz-Boss Wolfgang Leitner, KTM-Chef Stefan Pierer, „Krone“-Chef Christoph Dichand und Martin Ohneberg, Präsident der Vorarlberger Industriellenvereinigung, fix bei dem Konsortium dabei. Dem Vernehmen nach gehört auch Christoph Swarovski, der Chef von Tyrolit Swarovski, zu der Gruppe.

Details zu den Plänen

Nach Informationen von Industriemagazin sehen Pläne vor, dass Tojner der Mailänder Mutter der Bank Austria einen dreistelligen Millionen Euro-Betrag bieten soll, damit sie einer seiner Gesellschaften die Rechte als Letztbegünstigte der Stiftung überlässt. Hinzukommen sollen 50 Prozent der jährlichen Dividenden aus den Industriebetrieben - so lange, bis eine Milliarde Euro erreicht ist. Danach könnte ein anderer Aufteilungsschlüssel vereinbart werden, berichtet wiederum "der Standard".

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Das Problem: Die UniCredit hat 2008 im Gegenzug für die Zahlung von 1,2 Milliarden Euro auf alle ihre Rechte verzichtet - und damit auch keinerlei Einflussmöglichkeiten gegenüber der B&C. Die Überlegung Tojners und seiner Investorengruppe: Dieser Verzicht würde bei einem Erwerb der Letztbegünstigung für den Erwerber nicht schlagend. "Was nunmehr versucht wird, ist, diese bereits abgelösten Rechte ein zweites Mal zu verwerten", argumentiert man bei B&C. Laut "Standard" hat B&C Klagen vorbereitet, sollte die Stiftungsurkunde geändert werden.

Die B&C-Stiftung verwies in ihrer Aussendung auf den Stiftungsauftrag. Dem Stiftungszweck entsprechend investiere die B&C Privatstiftung ihre Erträge wieder in ihre Beteiligungen, in heimische Industrie- und Mittelstandsbetriebe sowie in für Österreich relevante Technologie-Start-Ups. Allein in den letzten drei Jahren seien rund 700 Mio. Euro in Österreich investiert worden.

Die Pläne sind schon weit gediehen. Laut „trend“ hat Tojner, der sich dazu nicht äußern wollte, bereits einen unterschriebenen Vorvertrag mit der italienischen Bank UniCredit über die Abtretung der sogenannten Letztbegünstigung an der B&C Stiftung und über eine komplexe Transaktion, die das Konsortium zu Begünstigten der Stiftung machen soll. Gegenüber Industriemagazin wollten sich weder Stefan Pierer noch Martin Ohneberg zu dem Deal äußern.

Die B&C-Stiftung war im Jahr 2000 von der Bank Austria gegründet worden und hält laut Eigenangaben derzeit 50 Prozent plus zwei Aktien an der Lenzing AG, 54,2 Prozent an der Semperit AG und der 52,7 Prozent an der AMAG Austria Metall AG. 2017 erwirtschafteten diese börsenotierten Unternehmen einen konsolidierten Umsatz von 4,2 Mrd. Euro und beschäftigten in Österreich rund 5.000, weltweit rund 15.000 Mitarbeiter. Darüber hinaus hält die B&C eine Minderheitsbeteiligung an der Vamed AG in der Höhe von 10 Prozent. (apa/red)

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