Geopolitik • Panamakanal • Maersk & MSC : Machtkampf am Panamakanal: Panama entzieht China Häfen – Maersk und MSC übernehmen
Panama hat die Konzessionen der Panama Ports Company (PPC), einer Tochtergesellschaft von CK Hutchison Holdings, im Amtsblatt des Landes offiziell für nichtig erklärt. Die Entscheidung formalisierte ein Urteil des panamaischen Obersten Gerichtshofs vom Vormonat, demzufolge die Konzessionen für die Terminals Balboa und Cristóbal am Panamakanal verfassungswidrig waren.
Der tatsächliche Ablauf spielte sich am 23. Februar 2026 ab. CK Hutchison schildert ihn in einer eigenen Stellungnahme in drastischen Worten: Am Morgen dieses Tages publizierte das panamaische Amtsblatt zunächst das Urteil des Obersten Gerichtshofs sowie gleichzeitig ein Exekutivdekret des Präsidenten, das die staatliche "Besetzung" sämtlicher beweglicher Güter der PPC anordnete.
„Vertreter der Regierung erschienen unangemeldet an den Terminals und teilten Vertretern von PPC mit, dass die Konzession nicht mehr bestehe und PPC den Betrieb einstellen müsse. Sie wiesen die Mitarbeiter von PPC an, das Unternehmen zu verlassen, keinen Kontakt zu PPC aufzunehmen und den Anweisungen der Regierung Folge zu leisten, andernfalls drohe ihnen strafrechtliche Verfolgung“, schreibt CK Hutchison in einer Presseaussendung.
Angesichts dieser Umstände stellte PPC den Betrieb in beiden Häfen am 23. Februar 2026 vollständig ein. CK Hutchison erklärte: "Keine der Maßnahmen des Staates Panama wurde mit PPC abgestimmt oder koordiniert." Der Konzern bezeichnete das Vorgehen als "Beschlagnahme" und machte Panama für sämtliche daraus entstehenden Schäden verantwortlich.
Die panamaische Regierung übernahm damit per Dekret die physische Kontrolle über alle beweglichen Vermögenswerte beider Häfen – darunter Kräne, Fahrzeuge, Computersysteme und Software. Panamas Präsident José Raúl Mulino bezeichnete das Dekret als "legitimes Werkzeug, das das Eigentum an den Anlagen respektiert" und betonte, es handle sich nicht um eine Enteignung.
Im Rahmen einer übergangsweisen Regelung für 18 Monate übernimmt die Maersk-Tochter APM Terminalsden Betrieb des Pazifikhafens Balboa. TIL Panama, ein Ableger von MSC, führt die Operationen im Atlantikhafen Cristóbal fort. Bis spätestens zur zweiten Jahreshälfte 2027 soll eine neue Dauerkonzession in einem offenen Ausschreibungsverfahren vergeben werden.
Nie mehr eine wichtige News aus der Logistik verpassen? Hier geht es zu unseren Newslettern!
Hintergrund: Wer ist CK Hutchison – und warum ist das relevant?
CK Hutchison Holdings ist ein börsennotiertes Konglomerat mit Sitz in Hongkong. Die Geschichte seiner Präsenz am Panamakanal reicht ins Jahr 1997 zurück: Damals erhielt die Tochtergesellschaft Hutchison Ports PPC in einem internationalen Ausschreibungsverfahren die Konzession für die beiden Schlüsselhäfen Balboa und Cristóbal – für zunächst 25 Jahre. Im Jahr 2021 verlängerte die panamaische Regierung unter Präsident Laurentino Cortizo die Konzession um weitere 25 Jahre bis 2047, ohne ein neues Angebot eingeholt zu haben.
Das Jahr 1997 ist dabei aus geopolitischer Sicht besonders bedeutsam: Genau in diesem Jahr wurde Hongkong vom Vereinigten Königreich an die Volksrepublik China übergeben. CK Hutchison war zum Zeitpunkt der Konzessionsvergabe noch ein weitgehend unabhängiges Unternehmen unter britisch-chinesischer Verwaltung. Seit der Einschränkung der Hongkonger Autonomie durch Peking – insbesondere nach den Demokratieprotesten und dem Nationalen Sicherheitsgesetz von 2020 – gilt das Unternehmen in Washington jedoch als potenziell dem Einfluss der Kommunistischen Partei Chinas ausgesetzt.
Kritiker verweisen darauf, dass chinesische Gesetze zur nationalen Sicherheit von Unternehmen mit Sitz in Hongkong verlangen können, mit staatlichen Geheimdiensten zu kooperieren. Für die USA war damit die Frage, wer die Häfen an beiden Eingängen zum Panamakanal betreibt, zu einer Frage der nationalen Sicherheit geworden. Mehr als 60 Prozent des Frachtvolumens durch den Kanal beginnen oder enden in einem amerikanischen Hafen.
Der geopolitische Kontext: Trump, China und der Kanal
Die aktuelle Eskalation hat ihren Ursprung in Donald Trumps zweiter Amtszeit. Bereits bei seiner Amtseinführung im Januar 2025 behauptete Trump, China "betreibe" den Panamakanal, und kündigte an, die USA würden ihn sich "zurückholen". Panamaische Regierungsvertreter wiesen diese Darstellung zurück und betonten, die Souveränität über den Kanal stehe nicht zur Disposition.
US-Außenminister Marco Rubio machte Panama zum Ziel seiner allerersten Auslandsreise. Er machte deutlich, dass Washington den Betrieb der Häfen durch eine Firma mit Verbindungen nach Peking als nationale Sicherheitsbedrohung betrachte. Im März 2025 ordnete Trump das Pentagon an, Notfallpläne zur "Rückgewinnung" des Kanals auszuarbeiten – notfalls mit Gewalt.
Unter dem Druck aus Washington verhandelte CK Hutchison im März 2025 einen Verkauf seiner globalen Hafenaktiva – darunter die panamaischen Häfen – an ein Konsortium aus dem US-Hedgefonds BlackRock und MSC für rund 23 Milliarden US-Dollar. Peking reagierte scharf: Die chinesische Regierung bezeichnete das Angebot als "Kniefall" vor amerikanischem Druck, leitete eine kartellrechtliche Untersuchung ein und verlangte, dass der staatliche Konzern COSCO Shipping eine Mehrheitsbeteiligung erhalten solle. Das verzögerte die Transaktion erheblich.
Das Gerichtsverfahren: Warum die Konzession für nichtig erklärt wurde
Während die geopolitischen Verhandlungen stockten, eröffnete sich ein juristischer Weg. Zwei Rechtsanwälte und der Rechnungsprüfer Panamas reichten unabhängig voneinander Klagen beim Obersten Gerichtshof ein und machten verfassungsrechtliche Verstöße geltend. Das Gericht stellte fest, dass die Konzessionsvergabe und insbesondere deren Verlängerung im Jahr 2021 den verfassungsrechtlichen Anforderungen an den Umgang mit öffentlichen Ressourcen, den Schutz nationaler Interessen und die finanzielle Transparenz nicht entsprochen hatte.
Ein Regierungsaudit hatte zuvor erhebliche Unregelmäßigkeiten bei der Konzessionsverlängerung aufgedeckt: unbezahlte Gebühren, Buchhaltungsfehler und mutmaßliche Scheinkonzessionen. Schätzungen zufolge entgingen Panama seit der Verlängerung im Jahr 2021 rund 300 Millionen US-Dollar; seit Beginn der Konzession 1997 soll der Verlust sogar bei rund 1,2 Milliarden US-Dollar liegen. Ende Januar 2026 fällte der Oberste Gerichtshof sein Urteil: Die Konzession sei von Anfang an nichtig gewesen.
Die Reaktionen: Peking droht – Washington spricht von „Sieg“
Peking reagierte mit scharfer Kritik. Das chinesische Außenministerium warnte Panama, es werde "einen hohen Preis zahlen, sowohl politisch als auch wirtschaftlich", sollte es den Kurs nicht ändern. China soll staatliche Unternehmen angewiesen haben, Verhandlungen über neue Projekte in Panama einzustellen, und Reedereien aufgefordert haben, Alternativrouten zu prüfen.
Die Regierung Hongkongs legte formellen Protest ein und erklärte, sie habe "starke Unzufriedenheit und Opposition" zum Ausdruck gebracht.
CK Hutchison selbst hat auf mehreren juristischen Ebenen reagiert. Bereits am 12. Februar 2026 gab der Konzern bekannt, Panama gemäß einem Investitionsschutzvertrag formell über einen Streitfall notifiziert und Konsultationen eingefordert zu haben – mit dem Ziel, die Maßnahmen des panamaischen Staates auf dem Verhandlungsweg zu lösen. Parallel dazu hatte die PPC am 3. Februar 2026 bereits ein Schiedsverfahren auf Grundlage des Konzessionsvertrags eingeleitet.
Gleichzeitig richtete CK Hutchison am 10. Februar 2026 laut eigener Angabe in einer Pressemeldung eine direkte Warnung an Maersk. „Jegliche Maßnahmen von APMT oder einem seiner verbundenen Unternehmen, die Verwaltung oder den Betrieb der Häfen von PPC in Balboa oder Cristobal in irgendeiner Form und für einen beliebigen Zeitraum ohne Zustimmung von CKHH zu übernehmen, verursachen Schäden für CKHH, HPH und PPC und führen zu rechtlichen Schritten gegen APMT und/oder die beteiligten verbundenen Unternehmen.“
CK Hutchison behielt sich ausdrücklich weitere nationale und internationale Klagen gegen Panama sowie gegen "dritte Parteien, die mit ihnen in dieser Angelegenheit zusammenwirken" vor – eine Formulierung, die Maersk und MSC direkt einschließt.
In Washington wurde das Urteil als großer Erfolg gefeiert. US-Außenminister Marco Rubio sprach auf der Plattform X von einem positiven Signal; der republikanische Abgeordnete John Moolenaar, Vorsitzender des China-Sonderausschusses des Repräsentantenhauses, nannte die Entscheidung einen "Sieg für Amerika".
Ausblick: Was nach den 18 Monaten folgt
APM Terminals hat bestätigt, dass der Betrieb im Hafen Balboa bereits aufgenommen wurde. Maersk plant nach eigenen Angaben, ein neues Betriebssystem einzuführen und lokale Arbeitskräfte auszubilden. Präsident Mulino sicherte zu, dass weder der Hafenbetrieb noch die Beschäftigung beeinträchtigt werden.
Sobald die 18-monatige Übergangszeit abläuft, soll in einem offenen und nach Mulinos Worten "wettbewerbsfähigeren" Verfahren eine neue Langfritkonzession vergeben werden. Der Präsident sprach davon, das Verfahren mit der "Demut anzugehen, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen".
Analysten warnen jedoch, dass der Machtkampf damit nicht beendet ist. Trotz des Verlustes der beiden CK-Hutchison-Häfen bleibt der chinesische Einfluss in Panama nach Einschätzung von Evan Ellis, Forschungsprofessor am US Army War College, "massiv". Auch andernorts setzt Washington seinen Kampf gegen chinesischen Einfluss an strategischen Häfen fort – so etwa beim chinesisch betriebenen Chancay-Hafen in Peru.
Zeitleiste der wichtigsten Ereignisse
1977 Die USA übergeben den Panamakanal per Vertrag an Panama.
1997 CK Hutchison erhält die Konzession für die Häfen Balboa und Cristóbal – im selben Jahr, in dem Hongkong an China übergeben wird.
1999 Vollständige Übergabe des Panamakanals an Panama.
2017 Panama nimmt diplomatische Beziehungen mit der Volksrepublik China auf und tritt der Belt and Road Initiative bei.
2021 Panama verlängert die Hutchison-Konzession um weitere 25 Jahre bis 2047 – ohne neue Ausschreibung.
Jan. 2025 Trump behauptet bei seiner Amtseinführung, China "betreibe" den Panamakanal. Panama weist dies zurück.
Feb. 2025 US-Außenminister Rubio reist als erstes Auslandsziel nach Panama. Panama kündigt an, das Belt-and-Road-Memorandum nicht zu verlängern.
März 2025 CK Hutchison einigt sich auf Verkauf von 43 Häfen an ein Konsortium aus BlackRock und MSC für 22,8 Mrd. USD. China blockiert den Deal.
29. Jan. 2026 Der panamaische Oberste Gerichtshof erklärt Gesetz Nr. 5 von 1997 – Grundlage der Hutchison-Konzession – für verfassungswidrig. Urteil noch nicht im Amtsblatt veröffentlicht.
3. Feb. 2026 PPC leitet Schiedsverfahren gegen Panama auf Basis des Konzessionsvertrags ein.
10. Feb. 2026 Hutchison Port Holdings informiert Maersk/APM Terminals schriftlich: jede Übernahme der Terminals ohne CKHH-Zustimmung werde rechtliche Schritte nach sich ziehen.
12. Feb. 2026 CK Hutchison informiert Panama formell über einen Investitionsschutzstreit und fordert Konsultationen. Dritte werden vor Kollaboration mit Panama gewarnt.
23. Feb. 2026 Staatliche Vertreter Panamas betreten ohne Voranmeldung die Terminals Balboa und Cristóbal. PPC-Mitarbeiter werden unter Androhung strafrechtlicher Verfolgung angewiesen, die Anlagen zu verlassen. PPC stellt den Betrieb ein.
24. Feb. 2026 Panama veröffentlicht das Gerichtsurteil im Amtsblatt und annulliert die Konzession offiziell. Interimsbetrieb geht an Maersk (Balboa) und MSC (Cristóbal).