Einsparungen bei Nachhaltigkeit und Personal : Zölle sorgen für Krisenstimmung in österreichischer Wirtschaft

Gerhard Marterbauer von Deloitte Österreich sieht ein "enorm herausforderndes" ökonomisches Umfeld.
- © feelimage/MaternChaos im internationalen Handel, anhaltende Kriege sowie politische Umwälzungen im In- und Ausland - all das hat inzwischen auch starke Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Alpenrepublik. Wie eine aktuelle Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte unter europäischen Finanzvorständen, darunter 80 Top-CFOs aus Österreich, zeigt, ist die Stimmung getrübt.
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So schätzt mittlerweile ein Großteil (59 %) der heimischen CFOs die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit als (eher) groß ein. Vor allem die angespannte geopolitische Lage und ihre Folgen bereiten derzeit vielen Unternehmen Sorgen. "Das ökonomische Umfeld ist enorm herausfordernd und die Wirtschaft steht stark unter Druck – das machen die Zahlen der vorliegenden Umfrage mehr als deutlich. Die nun eingesetzten US-Zölle auf europäische Waren verschärfen die Situation. Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, dass sich diese zeitnah auf das eigene Geschäft auswirken werden“, hält Gerhard Marterbauer, Partner bei Deloitte Österreich, fest.

Unternehmen sparen bei Nachhaltigkeit und Personal
Neben den Zöllen sehen sich die Unternehmen derzeit mit weiteren großen Herausforderungen konfrontiert. Vor allem die zunehmende Regulierung (80 %), die schwachen Konjunkturaussichten (75 %) sowie die Gefahr von KI-gestützten Cyberangriffen (72 %) bereiten Kopfzerbrechen. Vier von zehn Finanzvorständen (43 %) rechnen angesichts dieses Umfelds derzeit mit einer weiteren Verschlechterung des Investitionsklimas.
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Gerade in Zeiten der Krise und des Wandels sind Investitionen wichtig, um sich Wettbewerbsvorteile für die Zukunft zu sichern. Die angespannte wirtschaftliche Lage zwingt die Unternehmen aber natürlich, ihre Budgets anzupassen. So haben die Befragten in den vergangenen Monaten vor allem in den wichtigen Bereichen Nachhaltigkeit und Personal gespart. Zudem plant mehr als ein Drittel der Befragten, in den kommenden Monaten Personal abzubauen. "Die Aussichten auf die nächsten Monate sind entsprechend getrübt“, so der Deloitte Experte.

Unternehmen erweisen sich als krisenfest
Trotz der großen Hürden zeigen sich viele Unternehmen proaktiv, um mittel- und langfristig wieder auf die Beine zu kommen. Neben Kostensenkungen (95 %) wird vor allem das Wachstum in bestehenden Märkten (95 %) als wesentliche Erfolgsstrategie für die Zukunft angesehen. Geopolitische Risiken wiederum versuchen die Unternehmen durch die Durchführung von Szenarioanalysen (56%), die Bewertung der internen Resilienz (36%) oder die Minimierung von Abhängigkeiten von bestimmten Zuliefer- oder Absatzmärkten (36%) zu reduzieren.
„Die Unternehmen kämpfen derzeit an vielen Fronten, legen dabei aber ein hohes Maß an Resilienz an den Tag. Trotz erwartetem Inflationsanstieg auf 3 % rechnet fast die Hälfte in den kommenden zwölf Monaten sogar mit leichten Umsatzanstiegen. Das ist bemerkenswert und zeigt, wie krisenfest die Betriebe sind. Dennoch braucht es dringend politische Maßnahmen zur Entlastung der Unternehmen, damit diesen im Krisenmarathon nicht die Luft ausgeht“, betont Marterbauer abschließend.