Erneuerbare Energien : Verbund verstärkt sein Engagement in Spanien

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Verbund: Windkraft aus Spanien

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Der österreichische Stromkonzern Verbund hat ein weiteres Windkraft- und Photovoltaik-Portfolio in Spanien erworben. Die PV-Anlage in der Region Kastilien-La Mancha südlich von Madrid umfasst 82 Megawatt (MW) Leistung und befindet sich bereits in Betrieb. Zusätzlich habe Verbund eine Entwicklungsplattform für Wind- und PV-Projekte erworben, teilte das Unternehmen am Montag in einer Aussendung mit.

Bei der Entwicklungsplattform handle es sich um zwei mögliche Ausbaustufen des bestehenden PV-Parks. Für rund 2.100 MW Leistung gebe es bereits konkrete Pläne, Projekte für weitere 2.400 MW Leistung seien noch im Anfangsstadium der Planung, erklärte eine Verbund-Sprecherin gegenüber der APA. Gemeinsam mit der Entwicklungsplattform habe der Verbund auch bereits ein Entwicklerteam übernommen. Verkäufer war die Q-Energy Gruppe.

Der Kauf ist für den Verbund bereits die dritte Akquisition in Spanien. Das Unternehmen will den Ausbau Erneuerbarer Energien in den kommenden Jahren diversifizieren und bis 2030 20 bis 25 Prozent des Stroms aus Photovoltaik und Windkraft erzeugen. In Österreich gewinnt das Unternehmen Strom vorwiegend aus Wasserkraft.

Der Verbund will seine aktuell auch wegen der Russlandkrise hohen Gewinne verstärkt in den Ausbau der erneuerbaren Energien stecken. Der Verbund-Konzern könnte wegen der enorm gestiegenen Strom-Großhandelspreise heuer einen Rekordnettogewinn von bis zu zwei Milliarden Euro einfahren, wovon durch die Dividende auch Haupteigentümer Republik Österreich profitieren würde. Schon voriges Jahr verdiente man etwa 40 Prozent mehr und erhöht die Ausschüttung. Als Konsequenz aus dem Ukraine-Krieg will Österreichs größter Stromkonzern den Erneuerbaren-Ausbau beschleunigen, durch eigene Investitionen und auch Zukäufe.

"Wir müssen alles tun, um weniger von fossilen Energieimporten abhängig sein", betont Verbund-Chef Michael Strugl. Es gebe daher keine Alternative zu einem beschleunigten Erneuerbaren-Ausbau. "Wir wollen massiv in diesen Ausbau investieren, brauchen aber die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür. Wir wollen noch schneller machen, brauchen aber die Hilfe der Politik und der Behörden."

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Invsetitionen in Milliardenhöhe geplant

Allein in das organische Wachstum will der Verbund binnen drei Jahren - von 2022 bis 2024 - knapp über 2 Mrd. Euro investieren, samt Substanzerhaltung 3 Mrd. Euro, sagte Finanzvorstand Peter F. Kollmann. 2023/24 sollen fürs Wachstum 530 Mio. Euro in die Wasserkraft fließen. Wie schon 2021 verkündet, wird die Pumpspeicheranlage am Standort Kaprun (Salzburg) ausgebaut, Limberg 3 soll mit 480 Megawatt (MW) Leistung im Jahr 2025 ans Netz gehen; in Kärnten geht es um Reißeck II Plus. Die Tochter APG steckt in den drei Jahren 830 Mio. in den Netzausbau. Denn es gebe "keine Energiewende ohne Netzwende", so Kollmann. Geplant ist zudem eine Expansion bei Windkraft, etwa in Spanien, wo zuletzt erneut ein Zukauf verkündet wurde. Bei Photovoltaik verfolgt man Projekte in Österreich - und auch in Brandenburg (Deutschland), dort sollen bis zu 1.500 MW PV entwickelt werden. Zudem will man ein Geschäftsfeld Wasserstoff aufbauen, um sich in diesem Sektor europäisch zu positionieren, sagte Strugl.

Wegen der hohen Strom-Großhandelspreise dürfe man den Kunden die Elektrizität gar nicht billiger verkaufen, auch wenn man sie selbst günstiger produziere, argumentierte der Verbund-Chef auf eine entsprechende Frage und verwies dazu auf das Wettbewerbs- und Kartellrecht sowie das Aktiengesetz. Für die diskutierten Möglichkeiten zum weiteren Abfedern der hohen Energiekosten würde er Direktzuschüsse bzw. Entlastungen bei den Abgaben präferieren. 600 Mio. Euro an Energiekostenzuschuss habe die Regierung schon fixiert, samt den Ökostromkosten-Entlastungen für heuer betrage das Volumen 1,7 Mrd. Euro. Der Verbund selbst erhöht die Strom- und -Gastarife für seine 530.000 Endkunden (Haushalt und Gewerbe) mit 1. Mai, wie seit einigen Wochen bekannt ist.

2021 wuchs das operative EBITDA des Verbund um 22,1 Prozent auf 1,579 Mrd. Euro, und der Nettogewinn kletterte um 38,3 Prozent auf 874 Mio. Euro. Entsprechend kräftig soll die Dividende angehoben werden, von 75 Cent je Aktie auf 1,05 Euro pro Anteilsschein. 2022 soll das EBITDA zwischen 2,6 Mrd. und 3,5 Mrd. Euro liegen, der Nettogewinn bei 1,4 bis 2,0 Mrd. Euro. Bezogen auf das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis 2022 von erwarteten 1,34 bis 1,94 Mrd. Euro sollen 45 bis 55 Prozent ausgeschüttet werden, für 2021 errechnen sich 45,7 Prozent. Die Umsatzerlöse wuchsen voriges Jahr um 38,5 Prozent auf 4,777 Mrd. Euro.

Die extrem hohen Strom-Großhandelspreise binden erhebliche Geldmittel des Konzerns. Grund dafür sind Sicherheitsleistungen, die für offene Positionen bei Börse-Handelsgeschäften in Cash zu erlegen sind. Auch wenn man diese Beträge nach Abschluss der Deals zurückbekommt, sind enorme Liquiditätszahlungen zu leisten, so der CFO. Hier habe man jedoch alles "sehr sorgfältig geplant" und sei "sehr gut mit Liquidität ausgestattet". Der operative Cashflow sackte von 1,18 Mrd. Euro im Jahr 2020 auf 98 Mio. Euro im abgelaufenen Jahr ab, und der freie Cashflow nach Dividende rutschte von positiven 300 Mio. Euro auf 1,33 Mrd. Euro ins Minus. Zugleich stiegen die Nettoschulden von 1,88 Mrd. auf 3,51 Mrd. Euro; Grund dafür seien vor allem kurzfristige Fremdmittelaufnahmen, "wenn die Kontrakte auslaufen kommt das Geld natürlich zurück".

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Irritationen nach Nehammer-Sager

In den vergangenen Tage sorgte allerdings die Ankündigung von Kanzler Karl Nehammer über ein mögliches Abschöpfon von Verbund-Gewinnen für Irritationen. in der Folge haben die beiden börsenotierten Stromversorger Verbund und EVN haben binnen eines Tages über 5,4 Mrd. Euro an Marktwert verloren. Grund waren Aussagen von Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP), darüber nachzudenken, deren Gewinne abzuschöpfen. Da Verbund und EVN zu rund 80 Prozent in öffentlichem Eigentum stehen, reduzierte sich der Wert der von der öffentlichen Hand gehaltenen Anteile beim Verbund um 4,1 Mrd. Euro und bei der EVN um 260 Mio. Euro.

Florian Beckermann, Vorstand des Interessenverbands für Anleger (IVA), sagte als Reaktion, es handle sich vorerst nur um Überlegungen. Als "gelernter Österreicher" warte er vorerst mal ab, ob das tatsächlich kommt und ob das rechtlich überhaupt möglich wäre.

Die Professorin und Vorständin des Instituts für Finanzrecht an der Universität Wien, Sabine Kirchmayr-Schliesselberger, bezweifelte, dass eine Gewinnabschöpfung rechtlich hält - sofern sie nur teilstaatliche Unternehmen betrifft. "Wenn man nur die teilstaatlichen Energieversorger erfassen würde, dann würde das natürlich eine Ungleichbehandlung bedeuten und den Grund dafür sehe ich nicht und daher wäre das auch verfassungsrechtlich nicht unproblematisch." Eine allgemeine Sondersteuer hingegen wäre zulässig, sagte sie.

Beckermann erinnerte den Kanzler an die Aktionärsstruktur der beiden Unternehmen. Sowohl bei EVN als auch beim Verbund halte die öffentliche Hand 80 Prozent, dadurch könnten ohnehin 80 Prozent der Gewinne abgeschöpft werden. Für den Kapitalmarkt sei die Aussage dennoch "Gift" gewesen, weil es Vertrauen zerstört habe. Es baue niemand ein Windrad, wenn er sich nicht darauf verlassen könne, die Gewinne behalten zu dürfen.

Diesen Punkt spricht auch Martin Jaksch-Fliegenschnee von der IG Windkraft an. Wenn rückwirkend in den Markt eingegriffen wird, verschlechtere dies die Rahmenbedingungen für die Energiewende. Österreich habe bisher als relativ sicher gegolten, was die Investitionssicherheit betrifft. Wäre dies künftig nicht mehr der Fall, würde sich das negativ auf die Finanzierung von Windparks auswirken.

"Interessant", so Jaksch-Fliegenschnee, sei auch, dass sich Nehammer in seiner Aussage nur auf Unternehmen bezogen habe, die die Energiewende und Energieunabhängigkeit vorantreiben und nicht auf Öl- und Gasfirmen, die ebenfalls durch den Ukraine-Krieg hohe Gewinne verzeichneten. Nehammer habe damit indirekt den Erneuerbaren-Ausbau ins Visier genommen.

Freude über Nehammers Überlegungen herrschte bei der Arbeiterkammer. Tirols Kammer-Präsident Erwin Zangerl sieht sich in seinen Forderungen bestätigt und spricht von sinnloser Abzocke: "Solange sich der Strompreis an der teuersten Form Strom zu gewinnen orientiert, nämlich an der Stromgewinnung aus Gas, solange läuft in diesem Land grundsätzlich etwas schief", so Zangerl.

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