Trump Zölle Europa Auswirkungen Österreich : Trump-Zölle gegen Europa: Nationalbank warnt vor fatalen Dominoeffekten für Österreich

President Trump Returns from New Jersey More: President Donald J. Trump waves Sunday, July 7, 2019, as he prepares to board Air Force One at the Morristown Municipal Airport in Morristown, N.J., for his return to Washington, D.C. (Official White House Photo by Shealah Craighead). Original public domain image from

Trump vor Angriff auf Europas Wirtschaft: Neue US-Zölle treffen über Umwege auch Österreich – die OeNB warnt vor spürbaren Folgen.

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Die von Ex-US-Präsident Donald Trump angedrohten Strafzölle auf Waren aus mehreren europäischen NATO-Staaten sorgen auch in Österreich für wirtschaftliche Besorgnis – obwohl das Land nicht direkt betroffen wäre. Eine aktuelle Analyse der Österreichischen Nationalbank (OeNB) zeigt, dass die Zollpolitik dennoch spürbare Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft hätte.

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Laut OeNB würde ein kurzfristiger Rückgang der österreichischen Wertschöpfung um 0,02 Prozent drohen, sollten die angekündigten Zusatzabgaben in Höhe von zehn Prozentpunkten in Kraft treten. Bei einer Anhebung auf 25 Prozentpunkte ab Juni – wie von Trump geplant – könnten sich die langfristigen Verluste auf bis zu 0,15 Prozent summieren. Besonders betroffen wären dabei die Metallverarbeitung, chemische Industrie und der Bergbau.

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Globale Kettenreaktion: Warum auch Österreich Trumps neue Zölle spüren würde

Der wirtschaftliche Schaden ergibt sich aus den komplexen internationalen Verflechtungen: Über globale Lieferketten schlagen sich Handelsbarrieren auch in nicht direkt betroffenen Staaten nieder. Im Vergleich zu anderen Regionen wäre Österreich jedoch noch glimpflich betroffen – im Euroraum-20 etwa würden die Verluste kurzfristig 0,1 Prozent und langfristig bis zu 0,5 Prozent betragen.

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Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher kritisiert die geplanten Zölle scharf: „Die angekündigten US-Strafzölle gegenüber mehreren europäischen Ländern wären ein weiterer Bruch mit den über Jahrzehnte bewährten Prinzipien regelbasierter Handelspolitik und dem Abbau von Handelshemmnissen im Interesse aller beteiligten Staaten.“ Besonders problematisch sei die wachsende Unsicherheit, die Investitionen hemme und das Vertrauen schwäche – mit negativen Effekten weit über den Handel hinaus. Kocher warnt: „Handelspolitische Drohungen als politisches Druckmittel zu nutzen, erhöht die Risiken für die Weltwirtschaft insgesamt und schadet mittel- und langfristig allen Beteiligten.“

Eskaliert der Streit zwischen der EU und den USA um Grönland?

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Amazon-Chef warnt: Trumps Zölle treiben Preise für US-Verbraucher in die Höhe

Auch in den USA zeigen sich bereits erste Auswirkungen der Zollpolitik. Amazon-Chef Andy Jassy berichtete beim Weltwirtschaftsforum in Davos, dass sich die Zölle allmählich in den Verbraucherpreisen niederschlagen. Zwar hätten Amazon und viele Händler vor Inkrafttreten der Maßnahmen Lagerbestände aufgebaut, diese seien jedoch im Herbst erschöpft gewesen. Nun „kriechen“ die Zölle – so Jassy – in die Preise. Einige Händler gäben die Mehrkosten an die Kunden weiter, andere versuchten sie intern aufzufangen. Amazon selbst versuche zwar, die Preise niedrig zu halten, doch die Spielräume seien angesichts enger Margen begrenzt: „Wenn bei den Leuten die Kosten um zehn Prozent steigen, gibt es nicht viele Stellen, an denen man das auffangen kann.“

Amazon-Chef Andy Jassy sieht die Preise in den USA aufgrund Trumps Zollpolitik steigen 

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Trump-Zölle: US-Verbraucher tragen fast gesamte Zolllast

Die Behauptung der Trump-Regierung, dass die Zölle vor allem ausländischen Exporteuren schadeten, wurde inzwischen wissenschaftlich widerlegt. Eine Studie des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel zeigt, dass 96 Prozent der Zolllast von US-Verbrauchern getragen würden. Lediglich vier Prozent entfielen auf ausländische Lieferanten. Grundlage der Untersuchung waren über 25 Millionen Lieferdatensätze mit einem Gesamtwert von fast vier Billionen US-Dollar.

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Obwohl die Strafzölle in erster Linie politisch motiviert sind – Trump knüpft sie an die Ablehnung seiner Ansprüche auf Grönland durch europäische NATO-Staaten – zeigt sich erneut, wie eng weltweite Wirtschaftssysteme miteinander verflochten sind. Selbst wenn Österreich außen vor bleibt, bleibt es nicht unbeeinflusst.

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