AMS-Osram Premstätten : ams-Osram vor radikalem Umbruch: Milliarden-Deal soll Schuldenlast senken
AMS-Osram muss zum Schuldenabbau einzelne Geschäftsteile verkaufen. Wird nun auch der Standort Premstätten aufgegeben?
- © Ams OsramDer Halbleiterkonzern AMS-Osram, mit Hauptsitz im steirischen Premstätten bei Graz, befindet sich in einer Phase der strategischen Neuausrichtung. In einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats am Mittwoch wurde über mögliche Änderungen in der Eigentümerstruktur beraten. Ergebnisse wurden dabei nicht bekannt gegeben – laut Medienberichten sei mit konkreten Entscheidungen vorerst auch nicht zu rechnen.
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Bereits zu Beginn der Vorwoche hatte das Unternehmen öffentlich gemacht, dass es angesichts seiner finanziellen Situation die Trennung von Geschäftsbereichen prüft. In einer offiziellen Pflichtmitteilung bestätigte der österreichisch-deutsche Konzern, dass fortgeschrittene Gespräche über den Verkauf einzelner Unternehmenssparten geführt würden.
Die geplanten Transaktionen sind Teil eines umfassenden Plans, der bereits im April 2025 vorgestellt wurde und auf eine beschleunigte Entschuldung des Unternehmens abzielt. Ziel sei es laut AMS-Osram, mit den Verkäufen mehr als 500 Millionen Euro an Erlösen zu erzielen. Der Abbau der Schulden steht damit klar im Vordergrund der aktuellen Maßnahmen.
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Millionendeal in Vorbereitung: Infineon könnte sich AMS-Osram-Kerngeschäft sichern
Im Rahmen seiner Entschuldungsstrategie plant AMS-Osram, durch den Verkauf von Unternehmensteilen Erlöse von deutlich über 500 Millionen Euro zu erzielen. Besonders im Fokus steht dabei der Standort Premstätten, wie Branchenkreise berichten. Demnach laufen Gespräche mit dem Münchener Chiphersteller Infineon. Eine Einigung könnte bereits im Februar erfolgen.
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Der potenzielle Verkauf betrifft laut Kronen Zeitung das profitable Medizin- und Industriegeschäft. Anders als bei bisherigen Veräußerungen defizitärer Randbereiche soll dieser Deal substanziell zur Schuldenreduktion beitragen. Unternehmensinsider betonen, dass es entscheidend sei, einen finanzstarken und zuverlässigen Käufer zu finden.
Offiziell äußert sich Infineon nicht zu den Gerüchten. "Zum Ausgang der Gespräche könne das Unternehmen keine Zusicherungen geben", hieß es von offizieller Seite. Ein Sprecher verweist auf die Unternehmenspolitik, grundsätzlich keine Stellung zu Marktgerüchten abzugeben. Allerdings hatte Infineon-Vorstandschef Jochen Hanebeck im Dezember gegenüber dem Handelsblatt betont, dass kleinere Zukäufe zur Portfolio-Erweiterung grundsätzlich Teil der Unternehmensstrategie seien – sofern diese strategisch, finanziell und kulturell passen.
Strategische Nähe: Warum Infineon als Käufer für AMS-Osram besonders geeignet wäre
Eine Übernahme durch Infineon erscheint strategisch plausibel. Das Unternehmen ist bereits im Sensorbereich aktiv und könnte durch den Zukauf sein Angebot sinnvoll ergänzen. Zudem bestehen personelle Verbindungen: Zwei ehemalige Infineon-Manager – Arunjai Mittal und Kin Wah Loh – sitzen im Aufsichtsrat von AMS-Osram. Auch die geografische Nähe spricht für die Transaktion: Infineon betreibt in Villach eine bedeutende Produktionsstätte und beschäftigt in Österreich insgesamt rund 6000 Mitarbeitende.
Standort unter Druck: Gewerkschaften und Politik warnen vor Jobabbau bei AMS-Osram
Die geplanten Verkäufe rufen jedoch auch scharfe Kritik von Arbeitnehmervertretern hervor. Die Gewerkschaften GPA und PRO-GE fordern rechtlich bindende Beschäftigungsgarantien und eine Sicherung des Standorts Premstätten. Rund 1300 Arbeitsplätze stehen dort auf dem Spiel.
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GPA-Vorsitzende Barbara Teiber warnte: „Ohne eindeutige, rechtlich bindende Zusagen ist dieser Deal brandgefährlich für Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Zukunftsfähigkeit des Standorts.“ Ähnlich äußerte sich PRO-GE-Chef Reinhold Binder: „Sollte das Filetstück des Unternehmens verkauft werden, ist der gesamte Standort in großer Gefahr.“
Auch politische Stimmen mischen sich ein. Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) verwies auf öffentliche Förderungen, die AMS-Osram für den Ausbau in Premstätten erhalten habe. Wer Steuergelder beziehe, müsse auch Verantwortung für Arbeitsplätze übernehmen, betonte PRO-GE-Landesgeschäftsführer Hubert Holzapfel.
Der steirische Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer betont die strategische Bedeutung der Mikroelektronik für die Region. Rund 80 Prozent der heimischen Wertschöpfung in diesem Sektor würden in der Steiermark und in Kärnten erwirtschaftet. Er verwies auf gemeinsame Initiativen wie das Cluster Silicon Alps und das Forschungszentrum Silicon Austria Labs, aber auch auf die Investitionsbereitschaft internationaler Player wie Infineon und AMS-Osram. Ehrenhöfer zeigt sich zuversichtlich: „Dort, wo hohe Investitionen getätigt wurden und werden, besteht die Absicht, die Standorte langfristig weiterzuführen.“
Übernahmespekulationen um Premstätten: Österreichisches Konsortium im Gespräch
Parallel zu den Gesprächen mit Infineon gibt es Spekulationen über ein mögliches Übernahmeinteresse eines österreichischen Investorenkonsortiums am gesamten Standort Premstätten. Bestätigt wurde dies von keiner Seite, die Gerüchte befeuern jedoch die Debatte um die Zukunft des Werkes. Die Gewerkschaften fordern, dass bei der Auswahl von Käufern auch Kriterien wie Standort- und Beschäftigungssicherheit berücksichtigt werden. „Es geht um die Zukunft des gesamten Werkes“, mahnt Binder.
Wie das deutsche Handelsblatt gestern berichtete, hat AMS-Osram zudem einen Teil seiner Pensionsrückstellungen aufgelöst. Ziel ist es, finanzielle Spielräume zu schaffen, um das operative Geschäft zu stärken. Bestätigt wurde, dass rund 100 Millionen Euro in den Rückstellungen verbleiben, um unter anderem Inflationsausgleiche für einen Teil der deutschen Belegschaft weiterhin abzusichern. Die Maßnahme wurde mit dem Betriebsrat abgestimmt.
Hintergrund dieser Entscheidung ist die anhaltend hohe Verschuldung des Unternehmens. Seit der Übernahme des deutschen Traditionsunternehmens Osram durch den österreichischen Sensorspezialisten AMS im Jahr 2019 ist der Konzern finanziell unter Druck geraten. Die Nettofinanzverbindlichkeiten beliefen sich zuletzt auf rund zwei Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres verzeichnete das Unternehmen leichte Verluste.
AMS-Osram Großprojekt in Premstätten erhält EU-Unterstützung
Ungeachtet der Diskussionen um den Verkauf von Unternehmensanteilen verfolgt AMS-Osram ambitionierte Ausbaupläne für seinen Stammsitz in der Steiermark. Im Mai 2024 kündigte das Unternehmen an, bis 2030 eine neue Reinraum-Produktionsstätte zu errichten. Die Investitionssumme soll sich auf insgesamt 588 Millionen Euro belaufen. Das Projekt wird durch Fördermittel der Europäischen Union mitfinanziert. Im Rahmen des European Chips Act (ECA) wurde eine Unterstützung in Höhe von rund 200 Millionen Euro zugesichert.
Ziel des Programms ist es, Europas technologische Unabhängigkeit und Widerstandsfähigkeit im Halbleiterbereich zu stärken. Am Standort Premstätten könnten durch das Projekt bis zu 250 neue Arbeitsplätze entstehen.
Zusätzlich zu den EU-Mitteln hat die Republik Österreich AMS-Osram eine Förderung in Höhe von 227 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Diese wurde im Februar 2025 von der EU-Kommission genehmigt. Die Maßnahme ist Teil der industriepolitischen Strategie, Europa im globalen Wettbewerb um Schlüsseltechnologien besser zu positionieren.
Die Förderung ist jedoch an klare Bedingungen geknüpft. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) stellte in der Radiosendung „Im Journal zu Gast“ unmissverständlich klar: "Sollte die Produktion eingestellt oder verlagert werden, wird jeder Steuereuro zurückgefordert."