Kärcher : Kärcher-Experte: „Serviceroboter sind keine Option, sondern eine strategische Notwendigkeit"

Kärcher

KIRA im Einsatz: Der Fachkräftemangel in der Gebäudereinigung verschärft sich und Reinigungsflächen wachsen

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FACTORY AUTOMATION: Herr Fuchs, Sie leiten das Competence Center Robotik bei Kärcher. Wann landet ein Thema wie autonome Reinigung überhaupt auf dem Tisch von Entscheider:innen?

Frank W. Fuchs: Meist dann, wenn der Fachkräftemangel akut wird und nicht mehr durch Umorganisation zu lösen ist. Rund 91 Prozent der Unternehmen in der Gebäudereinigung melden aktuell Personalengpässe. 


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Reinigungsautomation ist damit kein Innovationsprojekt, sondern eine strategische Notwendigkeit, um die Servicequalität aufrechtzuerhalten. 

Wie autonom sind Unternehmen heute wirklich – ist das noch Zukunftsmusik oder schon Betriebsrealität? 

Fuchs: Betriebsrealität, mit klaren Zahlen dahinter. 2025 wurden weltweit 575.000 neue Industrieroboter installiert – mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Der operative Bestand stieg 2024 auf den neuen Höchstwert von 4,66 Millionen Einheiten. 


Humanoide Roboter: Der Billionenmarkt, auf den sich die Industrie vorbereitet

 

In der professionellen Servicerobotik macht Reinigung mittlerweile 13 Prozent des Marktes aus, direkt hinter Transport/Logistik und Gastgewerbe/Hotellerie. Das ist kein Nischenthema mehr, sondern ein etablierter Investitionsbereich mit belastbarer Marktentwicklung. 

Sprechen wir über Zahlen. Wie rechnet sich autonome Reinigung konkret? 

Fuchs: Ein System wie die Kärcher KIRA B 200 reinigt vollautonom bis zu 50.000 m² pro Woche, inklusive Andocken, Entleeren, Spülen, Aufladen an der Dockingstation – ohne menschliches Eingreifen. Angelernt wird durch Teach & Repeat mit Live-Mapping, danach kann die Reinigung manuell oder auch kalendergesteuert gestartet werden. 

Die Amortisation hängt natürlich von der Flächengröße und den lokalen Personalkosten ab und lässt sich nicht pauschal beziffern. Bei großflächigen Objekten wie Logistikhallen oder Einkaufszentren rechnen sich Anschaffungen oft innerhalb weniger Jahre, gerade in Kombination mit Robot-as-a-Service-Modellen (RaaS), die hohe initiale Investitionskosten (CAPEX) in planbare monatliche Betriebskosten (OPEX) umwandeln – inklusive Wartung und Software. Zudem senkt die sensorgesteuerte Dosierung den Wasser- und Reinigungsmittelverbrauch spürbar im Vergleich zur manuellen Reinigung. 

Sicherheit ist bei autonomen Maschinen im laufenden Betrieb ein heikler Punkt. Worauf sollten Technik- und Investitionsverantwortliche bei der Auswahl achten? 

Fuchs: Auf die Zertifizierungsbasis. Kärcher Geräte erfüllen die Normen IEC 63327 und EN 60335-2-72, dazu kommen DSGVO-konforme Datenverarbeitung und regelmäßige Penetrationstests für IT- und IoT-Sicherheit. Die Zertifizierung erfolgt durch unabhängige Unternehmen und bedeutet somit eine Kontrolle durch eine weitere Instanz. Das ist kein Selbstläufer: Viele günstigere, vor allem asiatische Wettbewerbsprodukte sind oft nur nach der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG zertifiziert, nicht nach der Sicherheitsnorm EN ISO 13482. Dieser Unterschied ist entscheidend, ob ein System im Publikumsverkehr überhaupt zulässig ist – eine Frage, die man vor der Investitionsentscheidung klären sollte, nicht danach. 

Frank W. Fuchs, Senior Director Competence Center Robotik bei Kärcher: "Das ist klassisches Upskilling" 

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Und der Faktor Mensch - wie beurteilen Sie das Thema Arbeitssicherheit? 

Fuchs: Körperlich belastende Tätigkeiten kann die Maschine übernehmen. Das senkt nachweislich Ausfälle durch körperliche Belastung. Für das Personal verschiebt sich der Aufgabenbereich Richtung Qualitätskontrolle, Ausnahmebehandlung und Systempflege. Das ist klassisches Upskilling. Und ja: weniger körperliche Belastung heißt auch weniger Krankenstände – das ist für Betriebe ein handfester Vorteil, nicht nur ein weiches Argument. 

Welche technologischen Entwicklungen sehen Sie in den nächsten Jahren als relevant für die Branche? 

Fuchs: Drei aus meiner Sicht strategisch relevante, plus eine Vision: Erstens Robot-as-a-Service – der Wechsel von Besitz zur Nutzung transformiert die Finanzstruktur der Reinigung. Zweitens generative KI in der Inbetriebnahme: Anlernen neuer Zonen per Sprachbefehl oder auch durch selbstständiges Erkennen des Schmutzes statt Programmierung, Imitation Learning durch Beobachtung menschlicher Bewegungsabläufe – das verkürzt die Inbetriebnahme von Tagen auf Stunden. Drittens Interoperabilität und Smart Building: Über Standards wie VDA 5050 kommunizieren Flotten herstellerübergreifend, über GLT-Anbindung direkt mit Aufzügen und Türen. Der Roboter wird so zum Sensor-Hub im Smart Building – nutzbar für Facility-Management und Einsatzplanung. Viertens, als Vision: autonome Ökosysteme, in denen der Roboter proaktiver Partner statt reines Werkzeug ist. Die Maschine meldet den Bedarf, der Mensch steuert die Strategie. 

Zum Abschluss: Humanoide Roboter sind ein Megatrend. Wie schnell sind sie tatsächlich einsetzbar? 

Fuchs: In den nächsten Jahren sehe ich das noch nicht, nein. Humanoide beherrschen heute komplexe Bewegungen und navigieren autonom in Umgebungen, die für Menschen entworfen wurden, aber die Zertifizierungen und die Sicherheit der Roboter sowie die hohen Investitionskosten limitieren den breiten Einsatz noch deutlich. Ich rechne mit fünf bis zehn Jahren, bis die humanoide Robotik in Haushalten und Industrie wirklich ankommt.

IN KOOPERATION MIT KÄRCHER.

ZUR PERSON

Frank W. Fuchs ist Senior Director des Competence Center Robotik bei Kärcher mit Fokus auf Produktentwicklung, Aufbau internationaler F&E-Zentren (Rumänien, China, Singapur) sowie Leitung komplexer Geschäftsbereiche.

ZUM UNTERNEHMEN KÄRCHER 

Firmenzentrale: Winnenden bei Stuttgart, Deutschland 
Mitarbeitende: rund 17.000 weltweit, in 87 Ländern 
Umsatz 2025: 3,483 Mrd. Euro (Rekordwert) 
Schwerpunkte: Reinigungstechnik, autonome Robotik, Hochdruck- und Kehrtechnik Highlights: Weltmarktführer in der Reinigungstechnik, eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit über 1.000 Mitarbeitenden, 2025 feierte das Unternehmen sein 90-jähriges Jubiläum

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