Robotik aus Österreich : Humanoide Roboter aus Österreich feiern spektakulären Industrieeinsatz

Iono Robotics

Ümit Bas will mit seinen humanoiden Robotern, die speziell für die Industrie produziert werden sollen, zum europäischen Marktführer werden.

- © Iono Robotics

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, humanoide Roboter zu entwickeln?

Ümit Bas: Ich bin seit 20 Jahren in der Techbranche tätig und habe bereits einige Produkte gemeinsam mit Startups entwickelt. Mit dem Thema Robotik beschäftige ich mich schon seit langem. Dank der enormen Fortschritte der KI in den letzten Jahren sind nun auch Use Cases mit Humanoiden möglich, die zuvor undenkbar waren. Ich war erstaunt, als ich bemerkte, dass in Europa in diesem Bereich kaum etwas passiert. Der Markt wird von US-amerikanischen und chinesischen Firmen dominiert. Die vergangenen Jahre haben außerdem gezeigt, dass eine Abhängigkeit Europas von den USA oder China negative Folgen haben kann. Deshalb habe ich entschieden, die europäische Lösung jetzt in Österreich zu entwickeln.

>>> Humanoide Roboter: Schaeffler startet industrielle Revolution mit neuem Partner

Sie zielen vor allem auf den industriellen Einsatz ab. Wie kam es zu diesem Fokus?

Bas: Meine Karriere habe ich in der Automobilindustrie begonnen, daher kenne ich Produktionsabläufen sehr gut. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Roboter zunächst in kontrollierten Umgebungen eingesetzt werden sollten. Im privaten Bereich wird es noch einige Jahre dauern, bis das realistisch ist. Wir konzentrieren uns daher auf Felder, in denen ein klarer Bedarf besteht, und das ist in Europa vor allem die Industrie. Dort setzen wir auf Use Cases, die für Menschen gefährlich oder auf Dauer schädlich sein können. Produktion und Logistik sind die ersten Anwendungsgebiete, auf die wir uns fokussieren. 

Nie mehr die wichtigsten News aus Österreichs Industrie verpassen? Abonnieren Sie unser Daily Briefing: Was in der Industrie wichtig wird. Täglich um 7 Uhr in ihrer Inbox. Hier geht’s zur Anmeldung!

Der IONO V1 ist 177 cm groß, hat eine Nutzlast von 30 kg und wiegt etwa 70 kg. Insgesamt soll es sechs verschiedene Varianten geben. Der Marktstart ist für 2026 geplant.

- © Iono Robotics

Made in Linz – So viel Roboter steckt wirklich aus Österreich drin

Was sind die ersten konkreten Anwendungen?

Bas: Wir starten mit einfachen Aufgaben wie Pick-and-Place-Operationen. Die Technologie ist noch in einer frühen Phase, auch wenn das in den sozialen Medien oft anders dargestellt wird. Mit unseren Use Cases sind wir aber vorne mit dabei. Während wir diese Einsatzfelder Schritt für Schritt erschließen, entwickelt sich die Technologie weiter und macht zunehmend komplexere Anwendungen möglich. Wir haben bereits den ersten Kunden gewonnen und starten mit ihm ein Pilotprojekt. Die erste Vorführung ist für Oktober geplant. 

Wie viel des Roboters wollen Sie selbst in Österreich entwickeln?

Bas: Wir entwickeln den Humanoiden hier in Linz. Um die Hardware-Entwicklung zu beschleunigen und so schnell wie möglich auf den Markt zu kommen, arbeiten wir mit mehreren internationalen Zulieferern zusammen. In Europa ist die Zulieferindustrie sehr stark, allein die Automobilindustrie zeigt mit ihren vielen Betrieben die vorhandene Kompetenz. Auf dieser Stärke bauen wir auf. Unsere Vision ist es, die Produktion langfristig hier in Österreich zu etablieren.

Mit unserer Lösung bleiben die Daten unter Kontrolle.

Patentierte Sicherheit: So bewegt sich der Humanoide gefahrlos im Betrieb

Bei autonomen Robotern ist die Software entscheidend. Wie sind die da aufgestellt?

Bas: Wir entwickeln ein eigenes Software-Ökosystem, das Datensicherheit und Datensouveränität gewährleistet. In der Industrie ist das entscheidend: Wie sicher ist die Kommunikation und wer hat Zugriff auf die Daten? Mit unserer Lösung bleiben die Daten unter Kontrolle.

Wie unterscheidet sich Ihr Roboter sicherheitstechnisch von anderen?

Bas: Da wir Industrielösungen entwickeln, ist die Mensch-Maschine-Interaktion und Kollisionsvermeidung ein wesentliches Thema. Dazu haben wir einige Technologien in Vorbereitung, die wir auch patentieren werden. Das ist der Vorteil von Humanoiden im Vergleich zu Industrierobotern, wo die Umgebung abgeschlossen sein muss. Der Humanoide kann sich in bestehende Anlagen und Arbeitsprozesse integrieren, ohne weitere Anpassungen.

>>> Agile ONE vs. Tesla Optimus: Europas Roboter‑Offensive gegen US‑KI‑Giganten

Sie planen sechs verschiedene Mobility-Varianten. Welche sind das?

Bas: Die ersten beiden Varianten kann ich schon verraten: ein zweibeiniges und ein radbasiertes Modell. Diese beiden zeigen wir zum Launch, die weiteren folgen später. Es gibt Use Cases, bei denen bestimmte Antriebsarten effizienter sind, und genau darauf passen wir uns an.

Unser Ziel ist es, der Leader in Europa zu werden.

Innovationsbremse Europa: Warum Startups es hier schwerer haben

Wie läuft die Integration beim Kunden ab?

Bas: Unsere Vision ist, dass der Betreiber einfach die gewünschte Aufgabe definiert, zum Beispiel Schweißen und dafür die passenden Skills aus dem Robot-Skill-Store lädt. Anschließend wird der Roboter kurz eingewiesen und lernt selbstständig, wie er die Aufgabe optimal erledigt. Damit ist die Integration so einfach, wie eine App zu installieren, und der Roboter kann nach einer kurzen Einschulung produktiv eingesetzt werden.

Warum gibt es in Europa so wenige Anbieter in diesem Bereich?

Bas: Das ist nicht nur in der Robotik so, sondern bei fast allen innovativen Themen. Die größte Hürde ist die Offenheit für Startups und die Angst vor dem Scheitern. Mindset und Kultur sind hier anders. In den USA ist es deutlich einfacher, Investoren zu finden und Projekte zu finanzieren. Es hat sich in Europa zwar in den letzten Jahren verbessert, aber es gibt nach wie vor erhebliches Potenzial nach oben.

Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Unternehmens?

Bas: Unser Ziel ist es, der Leader in Europa zu werden – der Marktführer für humanoide Roboter. Im nächsten Schritt wollen wir auch weltweit zu den Besten gehören.

Serie Junge Führungskräfte