Logistics Hall of Fame 2026 : Johannes Hödlmayr zieht in die Logistics Hall of Fame ein

Johannes Hödlmayr
© Hödlmayr / Patrick Hofer

Die Logistics Hall of Fame nimmt 2026 gleich neun Persönlichkeiten neu auf. Aus österreichischer Sicht stechen vor allem zwei Namen hervor: Einerseits Johannes Hödlmayr, der als Pionier der europäischen Fahrzeuglogistik und Gründungsvater der ECG – Association of European Vehicle Logistics – ausgezeichnet wird.

Neben Hödlmayr wird auch der österreichische Erfinder und Unternehmer Günter Knapp posthum aufgenommen. Weitere neue Mitglieder sind Jürgen Weber, Oskar Schunck und Kiichirō Toyoda sowie Kurt Baumann, Heinz Hasselmann, Reinhard Mohn und Hans Reuter. Letztere werden gemeinsam für ihre Pionierarbeit beim automatischen Hochregallager gewürdigt.

Hödlmayr brachte Europas Fahrzeuglogistiker an einen Tisch

Bei Johannes Hödlmayr würdigt die Jury nicht primär den Aufbau des gleichnamigen österreichischen Fahrzeuglogistikunternehmens,sondern seine Rolle bei der Entstehung einer gemeinsamen europäischen Interessenvertretung der Fahrzeuglogistik.

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Ende der 1990er-Jahre war die Branche stark national organisiert. Logistikdienstleister, Automobilhersteller und Fahrzeughändler arbeiteten zwar miteinander, gemeinsame europäische Strukturen und Standards waren jedoch erst im Entstehen. Hödlmayr trieb die Idee einer branchenweiten Plattform voran und legte 1997 als einer der Gründungsväter der ECG den Grundstein für einen institutionalisierten Austausch zwischen Logistikdienstleistern, Fahrzeugherstellern und Handel.

Die ECG selbst besteht seit 1997 und vertritt heute mehr als 200 Mitgliedsunternehmen und Partner. Sie versteht sich als europäische Interessenvertretung der Finished Vehicle Logistics und deckt Straße, Schiene, See- und Binnenschifffahrt ab. Zu ihren Aufgaben zählen unter anderem Interessenvertretung, Standardisierung, Informationsaustausch und Ausbildung. Die Organisation führt Johannes Hödlmayr auch in ihrer eigenen Historie unter den Mitgliedern, die 1997 hinzukamen.

Damit liegt die Bedeutung der Gründung insbesondere darin, dass Fahrzeuglogistik nicht mehr ausschließlich entlang einzelner nationaler Märkte und Unternehmensbeziehungen organisiert wurde. Über die ECG entstanden Strukturen für gemeinsame Standards, Wissensaustausch und die Zusammenarbeit entlang der europäischen automobilen Lieferkette.

Hödlmayrs Engagement in diesem Bereich wurde bereits früher von der ECG gewürdigt: 2022 verlieh ihm der Verband ein „Honorary Certificate in Automobile Logistics Management“ für seine Leistungen in der Finished Vehicle Logistics. Heute ist Johannes Hödlmayr Chairman of the Supervisory Board von Hödlmayr International. 

© Hödlmayr / Patrick Hofer

Noch ein Österreicher wird aufgenommen

Mit Günter Knapp findet sich ein zweiter Österreicher unter den neuen Mitgliedern. Der Unternehmer und Erfinder wird posthum für seine Rolle bei der Automatisierung der Pharmalogistik geehrt.

Knapp entwickelte mit dem A-Frame-Kommissionierautomaten eine Lösung für die automatisierte Zusammenstellung von Medikamentenpackungen. Die Technologie ermöglichte es dem Pharmagroßhandel, große Mengen standardisierter Packungen schnell und mit geringerem manuellem Aufwand zu kommissionieren. Die Hall of Fame würdigt Knapp deshalb als einen Wegbereiter der automatisierten Auftragszusammenstellung in der Pharmalogistik.

Vom Hochregallager bis Just-in-Time

Die weiteren Neuaufnahmen decken unterschiedliche Entwicklungsstufen der modernen Logistik ab.
Kurt Baumann, Heinz Hasselmann, Reinhard Mohn und Hans Reuter werden gemeinsam für ihre Rolle bei der Entstehung des automatischen Hochregallagers ausgezeichnet. Anfang der 1960er-Jahre entstand in Gütersloh ein rund 20 Meter hoher „Büchersilo“ für Bertelsmann. Das Projekt verband Lagertechnik, Stahlbau, Fördertechnik und Automatisierung und demonstrierte früh, wie sich Lagerfläche durch die Nutzung der Höhe ersetzen und Materialflüsse automatisieren lassen.

Posthum aufgenommen wird auch Oskar Schunck. Seine Bedeutung liegt in der Transportversicherung. Schunck wirkte an der Entwicklung der Allgemeinen Deutschen Spediteurbedingungen mit und verband diese mit Ansätzen zur Verkehrshaftungsversicherung. Damit trug er dazu bei, Transport- und Haftungsrisiken systematischer abzusichern.

Ebenfalls posthum geehrt wird Kiichirō Toyoda, Gründer der Toyota Motor Co. Ihm wird die Entwicklung des Just-in-Time-Prinzips zugeschrieben: Produziert werden sollte nur, was benötigt wird, zum benötigten Zeitpunkt und in der benötigten Menge. Das Prinzip wurde zu einer wesentlichen Grundlage des späteren Toyota Production Systems. Viele seiner Elemente verbreiteten sich später unter dem Begriff Lean Production weit über die Automobilindustrie hinaus.

Mit Jürgen Weber nimmt die Hall of Fame schließlich einen Wissenschaftler auf. Weber beschäftigte sich seit den 1980er-Jahren mit Kennzahlensystemen für Logistik und Supply Chain Management und gilt als einer der Wegbereiter des Logistik-Controllings. Seine Arbeiten trugen dazu bei, logistische Leistungen systematisch mess- und steuerbar zu machen.

© Logistics Hall of Fame / KI-generiert

CMR-Konvention wird ebenfalls gewürdigt

Neben den neun Persönlichkeiten erhält die UNECE eine Auszeichnung für die CMR-Konvention. Das „Übereinkommen über den Beförderungsvertrag im internationalen Straßengüterverkehr“ wurde am 19. Mai 1956 in Genf verabschiedet und trat 1961 in Kraft.

Die Konvention schuf einen einheitlichen rechtlichen Rahmen für internationale Straßengütertransporte. Zu ihren zentralen Elementen gehören ein gemeinsames Haftungsregime und der standardisierte CMR-Frachtbrief. Damit wurde eine Grundlage geschaffen, auf der grenzüberschreitender Straßengüterverkehr in Europa bis heute abgewickelt wird.

30 Vorschläge aus neun Ländern

Die diesjährige Aufnahme fällt auch quantitativ aus dem Rahmen. Erstmals seit zehn Jahren nimmt die Logistics Hall of Fame wieder mehrere Mitglieder in einem Jahr auf. Nach Angaben der Organisation gingen für die Auswahl 30 Vorschläge aus neun Nationen ein. Das Council nominierte daraus elf Persönlichkeiten. Die endgültige Entscheidung fiel im Juli durch eine internationale Jury aus 70 Fachleuten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien aus 13 Ländern.

Entscheidend für eine Aufnahme sind nach den Kriterien der Logistics Hall of Fame nicht Unternehmensgröße oder Bekanntheitsgrad. Gewürdigt werden Leistungen, die die Entwicklung von Logistik und Supply Chain Management über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinaus maßgeblich und nachhaltig beeinflusst haben.