Das Geschäft mit wiederaufbereiteten Geräten bei Toyota Material Handling ist im ersten Jahr um 15 Prozent gewachsen. Was heißt das in absoluten Zahlen, was Stück und Umsatz betrifft? Welchen Anteil hat das Geschäft am Gesamtumsatz in Österreich?
Oskar Zettl Wir haben im ersten Jahr 315 Geräte in unterschiedlichen Aufbereitungsstufen hier in unserem Refurbishment Center aufbereitet. Und das hat eben diese 15-prozentige Steigerung ausgemacht. Wir haben mit Neugeräteverkauf, Kurz- oder Langzeitmiete, dem Regalgeschäft und dem Automatisierungsgeschäft unterschiedliche Geschäftsmodelle. Wir werden also weiterhin im Bereich Refurbishment, aber auch in allen anderen Bereichen wachsen. Das gelingt uns auch mit unserem neuen Headquarter, weil wir nun auch Raum haben zu wachsen. Gerade aber die Zahlen im Refurbishment-Bereich sind mir nicht so wichtig, oder ob wir damit in einer marktführenden Position sind oder nicht. Das Wichtige bei dem Thema Wiederaufbereitung und Instandsetzung ist, dass wir versuchen wollen, die Geräte, die wir produzieren, möglichst lange im Markt zu halten. Wir wissen, es gibt Geräte von uns in Österreich, die teilweise über vier Jahrzehnte tagtäglich ihren Dienst tun und das noch immer weitermachen können. Unsere Zielsetzung ist aber nicht nur, dass die Geräte möglichst lange in ihrem ersten Leben einsatzbereit sind, sondern idealerweise auch ein zweites Leben bekommen und gut funktionieren. Das kommt sowohl der Gesellschaft als auch der Umwelt zugute, weil natürlich jedes neu produzierte Gerät viel Material- und Energieeinsatz bedeutet. Deshalb freut es mich, dass das Refurbished-Geschäft gut angelaufen ist. Wir haben damit im ersten Jahr unsere Planung mit einer Million Euro Umsatz übertroffen. Es zahlt sich also schon aus, wenn wir das direkt vor Ort machen können.
Wie sieht es denn mit Recycling aus? Werden Geräte, die nicht mehr wiederaufbereitet werden können, recycelt und das Material wiederverwendet?
Zettl Teilweise, ja. Da ist aber sicher noch viel Luft nach oben. Wir arbeiten daran, dass immer mehr Teile innerhalb des Unternehmens recycelt werden können. Aber recycelt wird prinzipiell alles. Hier arbeiten wir mit externen Unternehmen zusammen, wollen das aber auch zukünftig selbst verstärkt machen.
Ist das Wachstum bei aufbereiteten Geräten eine Folge von eher zurückhaltenden Investitionen in Neugeräte, verbunden mit der anhaltend schlechten wirtschaftlichen Lage? Oder ist es eher ein Mindset zu nachhaltigerem Wirtschaften?
Zettl Ich glaube, dass es ein Mix von beiden ist. Einerseits sitzt bei vielen Unternehmen die Geldbörse nicht mehr ganz so locker wie noch vor einigen Jahren. Und es steht außer Zweifel, dass ein wiederaufbereitetes Gerät immer etwas günstiger ist als ein Neugerät. Der zweite Aspekt ist aber auch, dass das Umweltbewusstsein bei vielen gewachsen ist.
Wie ist der Ablauf, wenn Sie Geräte refurbishen?
Zettl Das hängt vom Kundenbedarf ab. Direkt beim Wareneingang werden die Geräte evaluiert. Dabei kann es sein, dass wir für ein Gerät schon einen ganz konkreten Kundenbedarf haben, darauf basierend machen wir die Wiederinstandsetzung. Jene Geräte, für die es noch keinen konkreten Kundenbedarf gibt, stehen entweder noch unaufbereitet im Lager, oder wir bereiten sie auf und sie kommen in unseren „Gebrauchtgeräte-Supermarkt“, wo bereits dutzende Geräte in unterschiedlichen Aufbereitungsstufen zur sofortigen Verfügung stehen.
Wo liegt die wirtschaftliche Grenze, ab der ein Gerät nicht mehr wiederaufbereitet werden kann?
Zettl Manchmal lohnt sich eine Wiederaufbereitung nicht, etwa wenn das Chassis stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, das Getriebe defekt ist oder der ganze Motorblock ausgetauscht werden müsste. Ansonsten würde ich immer empfehlen zu prüfen, ob sich eine Wiederaufbereitung lohnt und zu evaluieren, welchen Anwendungsfall dieser Stapler oder dieses Gerät noch bedienen könnte.
Grundsätzlich würde ich aber sagen, dass die Verwendung von aufbereiteten Flurförderzeugen nicht immer die bessere Variante ist. Es gibt sicherlich viele Fälle, wo es sinnvoller ist, sich ein neues Gerät anzuschaffen, vor allem, wenn man das Flurförderzeug für Kernaufgaben benötigt. Wenn man ein Gerät eher selten verwendet – wie zum Beispiel ein Obstbauern, der den Stapler nur für seine Ernte im Herbst für zwei, drei Wochen benötigt – wird es nicht ganz so wichtig sein, dass das Flurförderzeug mit den modernsten Features und den besten ergonomischen Voraussetzungen ausgestattet ist.
Wie sieht es mit Garantie und Wartungskosten aus? Gibt es hier Unterschiede zu Neugeräten?
Zettl Es gibt immer eine Garantie auf Refurbished-Geräte. Wie diese ausfällt, hängt allerdings von der Aufbereitungsstufe ab.
Auch bei den Wartungskosten lässt sich das nicht pauschal beantworten. In den meisten Fällen werden sie etwas höher sein, weil einzelne Teile einen gewissen Verschleiß aufweisen.
Toyota Material Handling Österreich hat das Refurbishment aus Frankreich, Deutschland und Polen nach Österreich geholt. Warum dieser Schritt?
Zettl Toyota will immer in der Nähe der Märkte für die Märkte entwickeln und produzieren, beim Refurbishment ist das ähnlich gelagert. Deshalb haben auch alle europäischen Landesgesellschaften eine Werkstatt, wo sie Geräte aufbereiten können. Manchmal sind allerdings die Kapazitäten nicht ausreichend, dann greift man auf Schwestergesellschaften zurück. Das haben wir in Österreich in den letzten Jahren auch getan. Jetzt haben wir diese Kapazitäten mit unserem neuen Refurbishment Center geschaffen. Dadurch ersparen wir uns viele Transporte, was wiederum zu weniger Emissionen führt. Damit wird es auch für unsere Kunden kostengünstiger. Und der dritte Aspekt, der entscheidend ist: Wir sind wesentlich schneller. Wenn ein Kunde einen spezifischen Bedarf hat, können wir das Gerät hier sofort aufbereiten und innerhalb weniger Tage ausliefern. Würden wir es hingegen in einer anderen Landesgesellschaft aufbereiten lassen, könnte das viele Wochen dauern. Was mich zusätzlich noch besonders freut: Das hilft insgesamt auch der österreichischen Wirtschaft, da wir die Wertschöpfung hier in Österreich haben.