Die seit November geltenden Änderungen stehen im Zusammenhang mit einer umfassenderen Reform der europäischen Zollunion. Im Mittelpunkt steht der EU Customs Data Hub, über den Unternehmen künftig Zoll- und Produktinformationen zentral bereitstellen sollen.
Die rechtliche Grundlage bildet die im September 2026 verabschiedete Verordnung (EU) 2026/2108. Sie sieht eine schrittweise Einführung der europäischen Datenplattform vor. Ab 1. Juli 2028 wird deren Nutzung zunächst für bestimmte E-Commerce-Einfuhren verpflichtend. Die erforderlichen Funktionen müssen bereits spätestens am 1. Juni 2028 betriebsbereit sein.
Ab 1. März 2031 können weitere Wirtschaftsbeteiligte die Plattform freiwillig nutzen. Ab 1. März 2034 wird die Nutzung für die übrigen erfassten Unternehmen verpflichtend.
Die EU will damit die bislang auf zahlreiche nationale Systeme verteilte Zollabwicklung schrittweise zusammenführen. Unternehmen sollen Zollinformationen künftig über einen zentralen Zugang bereitstellen können. Zugleich sollen die Zollbehörden gemeinsame Daten für eine europaweit abgestimmte Risikoanalyse nutzen.
Eine neue EU-Zollbehörde mit Sitz im französischen Lille soll die Zusammenarbeit der nationalen Zollverwaltungen koordinieren und den Data Hub betreiben. Sie soll ihre Tätigkeit 2027 aufnehmen.
Für Unternehmen außerhalb der zunächst erfassten E-Commerce-Verfahren bedeutet der Zeitplan nicht, dass sie ihre Zollanmeldungen bereits jetzt über den neuen Data Hub abwickeln müssen. Bis zu den jeweiligen Umstellungsterminen bleiben die bestehenden Verfahren maßgeblich.
Die Reform verändert darüber hinaus die Verantwortlichkeiten im grenzüberschreitenden Onlinehandel. Insbesondere Onlineplattformen und Verkäufer aus Drittstaaten werden stärker für Zollformalitäten, die Entrichtung von Abgaben und die Einhaltung der einschlägigen Vorschriften verantwortlich gemacht.
Hintergrund ist die stark gestiegene Zahl geringwertiger Einfuhren. Laut Europäischer Kommission wurden 2025 rund 5,9 Milliarden niedrigwertige E-Commerce-Warenpositionen aus Drittstaaten erfasst. Mehr als 90 Prozent stammten aus China.
Die neuen Abgaben wirken sich bereits auf Liefermodelle aus. Die Österreichische Post meldete im Juli einen deutlichen Rückgang chinesischer Direktpakete in den ersten beiden Wochen nach Einführung des Pauschalzolls. Zugleich werden Waren teilweise über europäische Lager verteilt.
Wie sich dadurch die Lieferketten von Temu, Shein und AliExpress verändern, hat Industriemagazin bereits berichtet.