Stellenabbau bei AMS Osram : AMS Osram: Neuausrichtung mit spürbaren Folgen für Europa

AMS Osram Stellenabbau 2026 Halbleiter

Der Chip- und Sensorhersteller AMS Osram verschärft seinen Sparkurs: Stellenabbau, Kostensenkungen und der Verkauf von Geschäftsteilen sollen die Verschuldung senken und die Neuausrichtung des Konzerns vorantreiben – besonders Europa ist betroffen.

- © AMS Osram

Der angeschlagene österreichisch-deutsche Sensor- und Chip-Konzern AMS-Osram zieht die Sparschraube erneut an und trennt sich zugleich von einem Teil seines Geschäfts. Das Unternehmen kündigte in Premstätten bei Graz eine neue Sparrunde an: In den kommenden drei Jahren sollen rund 2000 Stellen wegfallen. Etwa die Hälfte der Kürzungen betreffe Europa, der Rest Asien, erklärte AMS-Osram. Insgesamt beschäftigt der Konzern nach eigenen Angaben rund 19.000 Personen.

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Kern der neuen Kostensenkung ist ein Programm mit dem Namen „Simplify“. Bis 2028 will AMS-Osram damit die Kosten um weitere 200 Millionen Euro reduzieren. Zusammen mit dem in der vergangenen Woche angekündigten Verkauf eines Teils des Sensor-Geschäfts an Infineon solle das die finanzielle Lage stabilisieren. „schärfen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit und gewinnen die finanzielle Flexibilität zurück, gezielt in unser Wachstum zu investieren“, sagte Vorstandschef Aldo Kamper.

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Weniger Umsatz, bessere Marge – AMS Osram bleibt in den roten Zahlen

Im abgelaufenen Jahr ging der Umsatz von AMS-Osram vor allem wegen des schwächeren Dollar um drei Prozent auf 3,32 Milliarden Euro zurück. Das Chip-Kerngeschäft wuchs währungsbereinigt jedoch um sieben Prozent. Auch das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) legte zu: Es verbesserte sich um sechs Prozent auf 608 Millionen Euro. Die Marge stieg damit auf 18,3 Prozent, nach 16,8 Prozent im Vorjahr.

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Trotz der Verbesserungen schrieb der Konzern weiterhin rote Zahlen. Unter dem Strich stand ein – wenn auch deutlich niedrigerer – Verlust von 129 Millionen Euro, nach minus 785 Millionen Euro im Vergleichszeitraum. Im vierten Quartal erreichten die Umsätze mit 874 Millionen Euro (Vorjahr: 882 Millionen Euro) das obere Ende der Erwartungen.

Für das laufende Jahr rechnet AMS-Osram nach den Verkäufen von Firmenteilen an Infineon und an die japanische Ushio mit einem moderaten Umsatzrückgang. Das bereinigte Ebitda dürfte dabei „durch Einmaleffekte und höhere Edelmetallpreise belastet“ werden. Für das erste Quartal stellt der Konzern einen Umsatz zwischen 710 und 810 Millionen Euro in Aussicht; die bereinigte Ebitda-Marge soll zwischen 13,5 und 16,5 Prozent liegen.

AMS Osram-Zentrale in Premstätten 

- © AMS Osram

Infineon-Deal soll Schulden senken und Strategie neu ausrichten

Parallel zum Sparkurs setzt AMS-Osram auf einen größeren Portfolioumbau. Der hochverschuldete Konzern verkauft Geschäftsteile für 570 Millionen Euro an Infineon. Mit dem Deal schlage man „zwei Fliegen mit einer Klappe“, sagte AMS-Osram-Chef Aldo Kamper. Zum einen könne das Unternehmen die Verschuldung „deutlich schneller als geplant reduzieren“. Zum anderen sollen Kapazitäten frei werden, um „führender Anbieter von ‚Digital Photonics‘ zu werden“.

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Mit „Digital Photonics“ meint AMS-Osram die Kombination von optischen Halbleitern für die Lichterzeugung mit intelligenter Elektronik. Der Konzern will sich künftig stark auf dieses Feld konzentrieren – und sieht dort neue Anwendungen in unterschiedlichen Branchen: in der Automobilindustrie, bei sogenannten Augmented-Reality-Brillen, in der Biosensorik, in der Robotik sowie bei optischen Datenverbindungen für KI-Rechenzentren.

Der Verkauf betrifft das nichtoptische Sensorikgeschäft von AMS-Osram, über das bereits länger spekuliert worden war. Dazu zählen etwa Positions- und Berührungssensoren für Industrie- und Medizinanwendungen. Die Sparte erzielte zuletzt einen Umsatz von rund 220 Millionen Euro und ein bereinigtes operatives Ergebnis von etwa 60 Millionen Euro.

AMS Osram CEO Aldo Kamper 

- © Leoni

Werk in Premstätten bleibt – 230 Mitarbeiter wechseln zu Infineon

Die Fertigung dieser Sensoren erfolgt bislang unter anderem im Werk in Premstätten bei Graz. Im Zuge des Deals wechseln rund 230 Mitarbeiter zu Infineon. Die Produktionsstätte in Österreich wird jedoch nicht mitverkauft. AMS-Osram behält die optischen Sensoren und will dieses Geschäft weiter ausbauen; die verbliebenen Produkte sollen weiterhin in Premstätten gefertigt werden.

Für einige Jahre werde AMS-Osram Insidern zufolge zudem für Infineon im Auftrag weiter produzieren. Laut Industriekreisen sei das Werk in Premstätten nicht gefährdet. Vielmehr werde die Nachfrage nach den übrigen Produkten in den nächsten Jahren steigen, heißt es.

Zäsur für den Konzern: Profitabler Bereich wird verkauft

Der Infineon-Deal markiert für AMS-Osram eine Zäsur, auch weil das Unternehmen sich von einem sehr profitablen Bereich trennt. Seit der Übernahme des deutschen Traditionskonzerns Osram durch die deutlich kleinere AMS im Jahr 2020 ist das gemeinsame Unternehmen hochverschuldet. Auf dem Restrukturierungskurs seien bislang vor allem Randbereiche abgestoßen worden – beim aktuellen Verkauf handle es sich nun jedoch um eines der sehr profitablen Geschäfte.

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In Österreich sorgte der geplante Verkauf für erhebliche Unruhe. Arbeitnehmervertreter befürchten, dass Infineon Stellen abbauen oder Aktivitäten in ein eigenes Werk verlagern könnte. Zusätzlich gab es Spekulationen über ein höheres Gegenangebot aus Österreich. In Industriekreisen wurde allerdings die Seriosität einer solchen Offerte angezweifelt. Infineon gelte als solider Käufer, der Arbeitsplätze sichere und kapitalstark sei, hieß es.

Finanziell soll der Verkauf die Lage von AMS-Osram spürbar entspannen. Die Nettofinanzschulden einschließlich sogenannter Sale-and-lease-back-Verpflichtungen – also langfristiger Zahlungsverpflichtungen nach einem Verkauf und Zurückleasen von Vermögensgegenständen wie Maschinen – lagen zuletzt bei rund zwei Milliarden Euro. Der Verschuldungsgrad, das Verhältnis von Nettoverschuldung zum bereinigten operativen Ergebnis, soll mithilfe des Verkaufs von 3,3 auf 2,5 sinken.

Infineon setzt Wachstumskurs mit gezielten Zukäufen fort

Auf der Käuferseite passt die Akquisition aus strategischer Sicht in die Wachstumslogik von Infineon. Der Konzern hatte bereits angedeutet, auch künftig nach Zukäufen zu suchen. „Es gibt natürlich immer die Möglichkeit, mit eher kleineren Deals das Portfolio zu erweitern. Da sind wir auch konstant auf der Pirsch und beobachten, ob sich etwas Interessantes ergibt“, sagte Infineon-CEO Jochen Hanebeck im Dezember dem Handelsblatt. Voraussetzung sei, dass es „strategisch, finanziell und – ganz wichtig – auch kulturell“ passe.

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Infineon hat in den vergangenen Jahren regelmäßig zugekauft. Zuletzt erwarb der Dax-Konzern im vergangenen Sommer für 2,5 Milliarden Dollar eine Sparte des amerikanischen Mitbewerbers Marvell. Der bislang größte Deal war Anfang des Jahrtausends der Kauf des US-Wettbewerbers Cypress für neun Milliarden Euro.

Auch personell gibt es Verbindungen zwischen beiden Unternehmen: Im Aufsichtsrat von AMS-Osram sitzen zwei ehemalige Topmanager von Infineon, der frühere Vertriebsvorstand Arunjai Mittal sowie Kin Wah Loh, Ex-Chef der gescheiterten Speicherchip-Tochter Qimonda. In Österreich ist Infineon zudem seit Jahrzehnten mit einer großen Fabrik in Villach in Kärnten präsent; dort arbeiten auch zahlreiche Forscher für den Konzern. Insgesamt beschäftigt Infineon in Österreich fast 6000 Mitarbeiter an mehreren Standorten.
Während Infineon sein Sensoren-Portfolio mit dem Zukauf ergänzt, setzt AMS-Osram die Neuausrichtung fort: mit zusätzlichen Einsparungen, einem Abbau von 2000 Stellen und dem erklärten Fokus auf „Digital Photonics“ – in der Hoffnung, damit die finanzielle Stabilität zurückzugewinnen und künftiges Wachstum zu finanzieren.

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