Regierungsbildung FPÖ ÖVP : HAI-Chef van Gils: "Die ÖVP muss standhaft bleiben"

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HAI-Chef van Gils: "Abschottung kann nicht die Zukunft sein"

- © Thomas Topf

HAI: 250 Jobs im Vorjahr abgebaut

Auf mehreren Standbeinen zu stehen war schon in so mancher Krise eine unbezahlbare Stärke von HAI. Im vorigen Sommer erlebte der geschäftsführende Gesellschafter des Aluminiumhalbzeugeherstellers aus Ranshofen jedoch die Grenzen der Diversifizierung. 250 Jobs, davon 100 im Innviertel, musste Rob van Gils abbauen. 

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"Der Sparkurs war leider unvermeidbar und in seiner Konsequenz dennoch richtig", sagt der Manager heute. Denn in keinem der Kernmärkte des Unternehmens hätte es Licht am Ende des Tunnels gegeben. Und heute? "Wir hoffen, nicht weitere Einschnitte vornehmen zu müssen", sagt van Gils.

Teuerung geht durch die Decke

Er erwartet sich nun von der Politik Signale, die Vertrauen zurückbringen. Bei der Entwicklung von Österreichs Standort etwa hätte die Politik große Aufgaben vor der Brust. Die Sozialpartnerschaft habe bei den KV-Verhandlungen nicht glücklich agiert. Die Margen in den Unternehmen würden nur so dahinschmelzen. "Wir haben 16, 17 Prozent Teuerung an der Backe, während wir immer noch Aufträge, denen die Annahme von drei Prozent Inflation zugrundeliegen, abarbeiten", sagt van Gils. 

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Zugleich wurde "mit Rieseradau ein Green Deal festgezurrt, der OEM und deren Lieferketten unter Druck setzen, während jetzt die E-Mobilität schwächelt", sagt er.

Bei Digitalisierung auf der Bremse

Die lange Phase der Unsicherheit sei jedenfalls auch für Innovationsprojekte des Unternehmens Gift. So sei man bei der Digitalisierung "ordentlich auf die Bremse getreten".  Was mittelfristig nach hinten losgehe, denn Innovation sei die "einzige Rettung für einen Standort, der nicht mehr viel günstiger zu werden droht.

Neue Anforderungen an Unternehmer

Höhere Preise - oder womöglich sogar variable - würde man nur sehr begrenzt bei OEM durchsetzen können, selbst wenn die Partnerschaften schon lange währen. "Die Unsicherheit wird sich keiner freiwillig einkaufen", sagt van Gils. 

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Auf der Lieferantenseite dagegen müsse er darauf vertrauen, dass die Inflation 2028 vielleicht bei nur zwei Prozent liegt und es bis dahin zu einer Entlastung der Energiepreise komme. "Wir müssen als Unternehmer derzeit positive Entwicklungen vorwegnehmen, die längst noch nicht ausgemachte Sache sind", sagt er.

Festung Österreich keine Option

Der Vorsprung auf Deutschland - wo er auf stabile Verhältnisse infolge einer raschen Regierungsfindung hofft - sei mittlerweile abgeschmolzen. "Jetzt müssen wir sehen, wie wir die Kuh vom Eis kriegen", sagt van Gils. Gar nichts hält er von einem Umbau Österreichs zu einer Festung. "Abschottung kann nicht die Zukunft sein, hier muss die ÖVP als möglicher Koalitionär standhaft bleiben", sagt van Gils.

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Rob van Gils: "Jetzt müssen wir sehen, wie wir die Kuh vom Eis kriegen" - © Thomas Topf