Steyr Motors Übernahmeangebot : Steyr Motors: Wie aus einem oberösterreichischen Motorenbauer ein Objekt strategischer Fantasie wird
Steyr Motors baut kompakte Hochleistungsmotoren für anspruchsvolle Industrie-, Marine- und Defense-Anwendungen. Der US-Drohnenspezialist Red Cat Holdings prüfte einen möglichen Einstieg, zog den Vorschlag aber wieder zurück.
- © LinkedInEine ungewöhnlich knappe Börsenmitteilung hat Spekulationen über die Zukunft von Steyr Motors ausgelöst. Am Dienstagabend, dem 28. Juli 2026, bestätigte der Vorstand des Unternehmens nach Börsenschluss, dass Gespräche mit der US-amerikanischen Red Cat Holdings geführt worden waren. Gegenstand der Verhandlungen sei der mögliche Abschluss eines sogenannten Business Combination Agreements gewesen. Dieses hätte im Zusammenhang mit einem freiwilligen öffentlichen Erwerbsangebot für sämtliche Aktien der Steyr Motors AG stehen können.
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Mehr als die Bestätigung der Gespräche und deren vorläufiges Ende teilte Steyr Motors zunächst nicht mit. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung würden keine weiteren Verhandlungen zwischen den beiden Unternehmen geführt, hieß es in der Ad-hoc-Mitteilung. Die Veröffentlichung stelle außerdem weder ein konkretes Kaufangebot noch eine Aufforderung zum Erwerb oder Verkauf von Steyr-Motors-Aktien dar.
Wenig später nahm auch Red Cat Holdings Stellung. Der US-Konzern bestätigte, Steyr Motors geprüft und einen vorläufigen, unverbindlichen Vorschlag für eine mögliche Transaktion unterbreitet zu haben. Dieses Angebot sei inzwischen zurückgezogen worden. Ein endgültiger Vertrag sei nicht unterzeichnet worden, und derzeit liege kein aktiver Vorschlag für eine Transaktion mit Steyr Motors vor. Zu Marktgerüchten oder möglichen künftigen Transaktionen wolle sich Red Cat nur äußern, wenn eine Veröffentlichung rechtlich erforderlich oder aus Sicht des Unternehmens angebracht sei.
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Red Cat Holdings und Steyr Motors: Warum Drohnen, Defense und Marine zusammenpassen könnten
Eine konkrete Begründung für den Vorstoß nannten die Unternehmen nicht. Aus den öffentlich bekannten Geschäftsmodellen lässt sich jedoch eine mögliche strategische Logik ableiten. Red Cat entwickelt und produziert Drohnen, Robotiksysteme und dazugehörige Software für Streitkräfte, Behörden und Sicherheitsorganisationen. Das Angebot reicht von kleinen unbemannten Flugsystemen bis zu unbemannten Wasserfahrzeugen, Technologien zur drahtlosen Energieübertragung und Software für autonom koordinierte Systeme. Red Cat beschreibt sein Portfolio als Lösung für Einsätze in der Luft, an Land, auf See und im Weltraum.
Steyr Motors wiederum stellt kompakte Hochleistungsmotoren für militärische Spezialfahrzeuge, Boote, Lokomotiven und Hilfsaggregate her. Das Unternehmen positioniert sich außerdem verstärkt im Geschäft mit unbemannten Wasserfahrzeugen, sogenannten Uncrewed Surface Vessels. Nach eigenen Angaben eröffnete ein US-Auftrag bereits 2025 den Zugang zu diesem Markt. Eine Kombination hätte damit unter anderem Anknüpfungspunkte bei maritimen Systemen, militärischen Lieferketten und mobilen Energieversorgungslösungen geboten. Dass diese Überlegungen tatsächlich den Übernahmevorstoß ausgelöst haben, wurde von den Unternehmen allerdings nicht bestätigt.
Red Cat ist trotz seiner internationalen Ambitionen ein vergleichsweise kompakter Konzern. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 40,7 Millionen US-Dollar. Der deutliche Anstieg gegenüber den vorangegangenen Berichtszeiträumen war laut Geschäftsbericht vor allem auf den Beginn und die Ausweitung von Drohnenlieferungen für ein Aufklärungsprogramm der US-Armee zurückzuführen. Ende 2025 beschäftigte Red Cat 244 Mitarbeiter in Vollzeit.
Steyr Motors wächst: Was hinter dem Auftragsbestand von 300 Millionen Euro steckt
Steyr Motors setzte 2025 insgesamt 48,5 Millionen Euro um. Das entsprach einer Steigerung von 16,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das um M&A-Beratungskosten und bestimmte Kapitalmarkteffekte bereinigte Betriebsergebnis erreichte sieben Millionen Euro, die bereinigte EBIT-Marge lag bei 14,5 Prozent. Ohne Bereinigungen betrug das EBIT 5,8 Millionen Euro. Insgesamt wurden im Jahresverlauf 923 Motoren verkauft, nach 729 Stück im Jahr davor.
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Im Jahresdurchschnitt arbeiteten 122 Vollzeitäquivalente für Steyr Motors; am Jahresende waren es 128. Neben dem Hauptstandort in Steyr baut das Unternehmen seine internationale Präsenz aus. Dazu gehören Vertriebsaktivitäten in Asien, Nordamerika und im Nahen Osten sowie eine Niederlassung in Dubai.
Für die Jahre 2026 bis 2030 weist Steyr Motors einen Auftragsbestand von mehr als 300 Millionen Euro aus. Dabei handelt es sich allerdings nicht ausschließlich um rechtlich bindende Bestellungen: Die Summe umfasst feste Aufträge, Rahmenvereinbarungen und zugesagte, teilweise unverbindliche Absatzvolumen. Nach Angaben des Unternehmens waren zuletzt rund 200 Millionen Euro davon rechtlich bindend. Für 2026 plant Steyr Motors einen Umsatz zwischen 75 und 95 Millionen Euro sowie eine EBIT-Marge von mindestens 15 Prozent.
Steyr Motors und Mutares: Vom Sanierungsfall zum Börsengang in Frankfurt
Die jüngere Geschichte des Motorenherstellers ist von mehreren Eigentümerwechseln geprägt. Seit einem Management-Buy-out im Jahr 2001 besteht Steyr Motors als eigenständiges Unternehmen. 2012 erfolgte die Übernahme durch die in Hongkong ansässige Investorengruppe Phoenix Tree. Nach finanziellen Schwierigkeiten und einem Sanierungsverfahren im Jahr 2018 ging das Unternehmen 2019 an den französischen Technologiekonzern Thales. Ende November 2022 übernahm schließlich die deutsche Beteiligungsgesellschaft Mutares die Steyr-Motors-Gesellschaften von Thales Austria.
Mutares leitete einen operativen Umbau ein und brachte Steyr Motors im Oktober 2024 an die Frankfurter Börse. Der Ausgabepreis lag bei 14 Euro je Aktie, die Marktkapitalisierung beim Börsendebüt bei rund 82,7 Millionen Euro. Nach einer schrittweisen Reduzierung ihrer Beteiligung verkaufte Mutares im November 2025 auch die verbliebenen 23 Prozent. Nach Angaben der Beteiligungsgesellschaft beliefen sich die gesamten Bruttoerlöse aus der Steyr-Motors-Beteiligung während der Haltedauer auf mehr als 170 Millionen Euro.
Steyr Motors Aktie: Warum Anleger vorerst ohne Übernahmeangebot bleiben
Die Aktionärsstruktur ist inzwischen breit gestreut. In einer Investorenpräsentation vom Mai 2026 bezifferte Steyr Motors den Anteil der B&C Holding Österreich mit 15 Prozent. Die übrigen 85 Prozent befanden sich demnach im Streubesitz, einschließlich der von Management und Mitarbeitern gehaltenen Aktien.
Für Anleger bleibt damit vorerst nur eine klare Feststellung: Es gibt aktuell weder ein öffentliches Erwerbsangebot noch einen unterschriebenen Zusammenschlussvertrag oder laufende Verhandlungen zwischen Steyr Motors und Red Cat. Ob die Gespräche später wieder aufgenommen werden oder andere Interessenten auftreten könnten, ist offen. Eine entsprechende Ankündigung liegt derzeit nicht vor.
Keine Übernahme, aber viel Fantasie: Was bei Steyr Motors jetzt zählt
Dass Steyr Motors in den Fokus eines US-Technologiekonzerns geriet, ist weniger überraschend, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Das Unternehmen ist zwar vergleichsweise klein, fertigt jedoch spezialisierte Hochleistungsdieselmotoren für Anwendungen, bei denen Zuverlässigkeit, Leistungsdichte und lange Einsatzdauer entscheidend sind. Die Aggregate kommen unter anderem in militärischen Spezialfahrzeugen, Patrouillen- und Einsatzbooten, Lokomotiven sowie mobilen Stromerzeugern zum Einsatz. Hinzu kommt eine wachsende Position im Bereich unbemannter Wasserfahrzeuge. Steyr Motors meldete 2025 den Einstieg in den US-Markt für sogenannte Uncrewed Surface Vessels und bezeichnet diesen Bereich selbst als strategisch relevantes Wachstumsfeld.
Die Verbindung zu Red Cat war dabei nicht nur theoretischer Natur. Das von der Red-Cat-Tochter Blue Ops entwickelte unbemannte Wasserfahrzeug Variant 7 wird nach Angaben des US-Unternehmens von einem Motor aus Steyr angetrieben. Die Plattform soll für Aufklärung, Überwachung, Küstenschutz, logistische Aufgaben und weitere militärische Missionen eingesetzt werden. Red Cat erklärte zudem, bei strategischen Transaktionen gezielt nach Möglichkeiten zu suchen, die eigenen Fähigkeiten auszubauen und die Lieferkette zu stärken. Vor diesem Hintergrund lässt sich das Interesse an Steyr Motors als Versuch einordnen, einen wichtigen Antriebslieferanten enger an die eigene Gruppe zu binden. Das bleibt allerdings eine Interpretation: Eine konkrete Begründung für den später zurückgezogenen Übernahmevorschlag veröffentlichten die Unternehmen nicht.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält Steyr Motors durch seinen umfangreichen Auftragsbestand und die internationale Expansion. Für den Zeitraum von 2026 bis 2030 weist das Unternehmen ein Volumen von mehr als 300 Millionen Euro aus; rund 200 Millionen Euro davon seien rechtlich bindend. Zu den zuletzt veröffentlichten Meilensteinen zählen Rahmenvereinbarungen mit Rheinmetall Landsysteme und KNDS, ein US-Vertriebspartner, ein Verteidigungsentwicklungsauftrag in Singapur sowie die Übernahme des dänischen Marinemotorenherstellers BUKH. Gleichzeitig arbeitet Steyr Motors an neuen Antrieben und mobilen Energieversorgungssystemen für militärische Anwendungen.
Die „strategische Fantasie“ rund um das Unternehmen speist sich damit aus einer ungewöhnlichen Kombination: Steyr Motors verfügt über spezialisiertes technisches Know-how, ist in sicherheitsrelevanten Lieferketten etabliert und bedient Märkte, in denen westliche Staaten ihre Beschaffung ausweiten. Die Gespräche mit Red Cat zeigen, dass diese Position auch für größere Anbieter autonomer Verteidigungssysteme interessant sein kann.