Rosenbauer Turnaround : Rosenbauer: „Jetzt ist der Brand gelöscht“ – starke Wende nach turbulenten Jahren
Rosenbauer blickt nach schwierigen Jahren wieder optimistischer nach vorne: Starke Zahlen, ein hoher Auftragsbestand und neue Wachstumsziele sorgen beim Feuerwehrausstatter für Aufbruchsstimmung.
- © RosenbauerBei der 34. ordentlichen Hauptversammlung der Rosenbauer International AG war am Mittwoch in Linz Aufbruchsstimmung spürbar. 132 Aktionäre kamen ins Courtyard by Marriott am Europaplatz, wo Vorstandschef Robert Ottel nach einem wirtschaftlich starken Jahr einen optimistischen Ausblick gab: „Die Auftragslage ist auch heuer sehr gut.“
Nach turbulenten Jahren, dem Einstieg des Robau-Konsortiums rund um Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Mark Mateschitz, Stefan Pierer und Invest AG sowie Veränderungen an der Unternehmensspitze hat Rosenbauer 2025 wieder deutlich an Stärke gewonnen. Der Feuerwehrausstatter steigerte den Umsatz auf 1,429 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich auf 54,7 Millionen Euro und hat sich damit gegenüber 2024 mehr als verdoppelt. Auch das operative Ergebnis legte zu: Das EBIT stieg auf 84,5 Millionen Euro, die EBIT-Marge erreichte 5,9 Prozent. Der Auftragsbestand lag zum Jahresende bei 2,3546 Milliarden Euro.
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Rosenbauer-Dividende: Neue Hoffnung nach schwierigen Jahren
Ottel, der seit April 2025 Vorstandsvorsitzender ist, sprach vor den Aktionären von einer guten Ausgangslage. Für das laufende Geschäftsjahr peilt der Vorstand einen Umsatz von rund 1,6 Milliarden Euro und eine EBIT-Marge von über sechs Prozent an. Diese Ziele bestätigte Rosenbauer auch im aktuellen Ausblick für 2026.
Dass der Optimismus nicht nur auf dem vergangenen Rekordjahr beruht, zeigen auch die Zahlen zum ersten Quartal 2026. Rosenbauer steigerte den Umsatz von Jänner bis März um 15,3 Prozent auf 303,8 Millionen Euro. Das EBIT erhöhte sich auf 14,4 Millionen Euro, der Auftragseingang lag mit 342,9 Millionen Euro über dem Quartalsumsatz. Der Auftragsbestand blieb mit 2,3483 Milliarden Euro nahezu unverändert hoch.
Milliarden-Aufträge sorgen für Rückenwind bei Rosenbauer
Unter den Aktionären wurde die Entwicklung positiv aufgenommen. Einige hoffen nach den schwierigen Jahren auch wieder auf eine Dividende. Kritische Fragen kamen unter anderem von Florian Beckermann vom Interessenverband für Anleger. Seine Einschätzung: Das Turnaround-Feuer bei Rosenbauer brenne noch, doch die Mannschaft um Robert Ottel kämpfe darum, im kommenden Jahr wieder ausschütten zu können.
Auch im Aufsichtsrat kam es zu Veränderungen. Christian Reisinger schied mit Ende der Hauptversammlung aus dem Gremium aus. Neu gewählt wurden Martina Scheibelauer und Cornelia Zeinler. In der anschließenden konstituierenden Sitzung wurde Gernot Hofer zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden bestellt, Florian Hutter wird künftig sein Stellvertreter.
Ausblick 2026: Rosenbauer bestätigt starke Ziele
Ein wichtiges Zukunftsthema bleibt die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte. Rosenbauer verweist dabei auf den vollelektrischen „Panther“, ein Flughafenlöschfahrzeug, das geringere Lärm- und Abgasemissionen ermöglichen soll. In Dallas Love Field wurde Ende April 2026 ein Panther 6x6 electric als vollelektrisches Aircraft-Rescue-and-Firefighting-Fahrzeug vorgestellt und in Betrieb genommen.
Trotz aller Zukunftsprojekte betonte Ottel die Bedeutung des klassischen Geschäfts mit Kommunalfahrzeugen. Dieses bleibe das Rückgrat des Konzerns. Rosenbauer beschäftigte Ende 2025 weltweit 4.922 Mitarbeiter, um 439 mehr als im Jahr davor.
Als mögliche Wachstumsmärkte gelten unter anderem Indien und Südamerika. Lieferkettenprobleme sehe der Vorstand derzeit nicht im Vordergrund, Unsicherheiten gebe es aber weiterhin durch geopolitische Spannungen, öffentliche Investitionsbudgets und handelspolitische Rahmenbedingungen. Für die Auslieferung fertiger Fahrzeuge in den Nahen Osten können die Rahmenbedingungen herausfordernd bleiben.
Rosenbauer Turnaround: „Jetzt ist der Brand gelöscht“
Eine Aktionärsfrage nach möglichen Aktivitäten im Rüstungsbereich wies Ottel zurück. Rosenbauer werde sich weiterhin auf defensive Anwendungen und den Sicherheitsbereich konzentrieren. Vertriebsvorstand Stefan Wagner verwies zudem auf kürzere Lieferzeiten im Vergleich zum Wettbewerb: Bei Rosenbauer dauere es derzeit rund eineinhalb bis zwei Jahre bis zur Auslieferung eines Fahrzeugs; Ziel seien zwölf Monate.
Technikvorstand Thomas Biringer, der das Unternehmen zwischenzeitlich interimistisch geführt hatte, zog ebenfalls ein positives Fazit. Er sei selbst seit 40 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr und „als Feuerwehrmann gekommen“, sagte Biringer. Seine Bilanz: „Jetzt ist der Brand gelöscht.“