Wirtschaftspolitik

Neuer "Roboterrat" soll die Politik rund um das Thema Robotik beraten

Eine Mehrheit der Österreicher steht dem Einsatz von Robotern skeptisch bis ablehnend gegenüber. Mit der Gründung eines neuen Beraterkreises will Verkehrsminister Leichtfried demonstrieren, dass er etwas dagegen tut.

Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) hat ein neues Gremium eingesetzt, das die Politik rund um das Thema Roboter beraten soll. Die Österreicher würden viele Erwartungen und Sorgen mit Robotern verknüpfen, die man ernst nehmen müsse, so der Minister.

Neuer Beraterkreis bekommt eine Million Euro

Leichtfried hat deshalb einen Roboter-Rat eingesetzt und mit einer Million Euro ausgestattet, "um eine Roboter-Strategie zu entwickeln, wo wir in den nächsten zehn bis 20 Jahren hinwollen. Wir wollen die Chancen nutzen und die Risiken im Griff haben." Die Leitung des Beratergremiums bekommt Wirtschaftswissenschafterin Sabine Köszegi, die als Professorin an der TU Wien tätig ist.

Roboterrat soll der Politik "einen Plan" liefern

Leichtfried erwartet sich von dem neuen Rat Empfehlungen, "wo und wie die Technologie eingesetzt werden kann und soll". Etwa was Roboter in der Pflege tun könnten, was es für Folgen hätte, wenn Kinder mit Robotern aufwachsen, oder wer haftet, wenn etwas schief geht. "Ich erwarte mir einen Plan, wo Roboter Platz haben sollen und wo wir keine haben wollen", sagte er.

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Der Verkehrsminister räumt aber ein, dass - wie in der Umfrage mehrheitlich gewünscht - gesetzliche Regelungen, an welchen Arbeitsplätzen Roboter Menschen ersetzen dürfen, "nur schwer umzusetzen" seien. Die Details dieser Umfrage: Umfrage zu Robotern: Je persönlicher es wird, desto stärker die Ablehnung >>

"Eine tiefgreifende Auswirkung auf die Gesellschaft"

Für Köszegi, die den Bereich Arbeitswissenschaft und Organisation am Institut für Managementwissenschaften der Technischen Universität (TU) Wien leitet, werden Roboter eine "tiefgreifende Auswirkung auf Gesellschaft und soziales Gefüge haben", seien aber per se weder gut noch böse. Sie will mit dem Rat die Politik bei der "Entwicklung einer verantwortungsvollen Roboter-Strategie unterstützen". Eine solche hätten etwa bereits Japan und Großbritannien, Länder wie die USA, China oder Israel haben Ethik-Räte für Roboterfragen eingerichtet.

Das Gremium werde sich etwa mit der Frage beschäftigen, ob sich Österreich wie Japan das Ziel setzen solle, innerhalb von fünf Jahren eine gewisse Durchdringung von Robotik zu erreichen und wenn ja in welchen Branchen. Auch soll geklärt werden, wo Forschung notwendig sei und wie viel Mittel man dafür benötige, wer für Schäden hafte, wenn Maschinen autonom Entscheidungen treffen, oder wie man sicherstellen könne, dass Kindern genügend Zeit mit Menschen verbringen, damit sie soziale Fähigkeiten wie Empathie lernen. "Wir wollen für die Politik langfristige Gestaltungspotenziale aufzeigen, nicht was technisch möglich, sondern was gesellschaftlich wünschenswert ist", sagte Köszegi.

Die Mitglieder des Beratergremiums

Neben Köszegi gehören dem Gremium Corinna Engelhardt-Nowitzki (Fachhochschule Technikum Wien), Mark Coeckelberg, (Uni Wien), Sylvia Kuba (Arbeiterkammer), Andreas Kugi (TU Wien), Martina Mara (Ars Electronica Futurelab), Matthias Scheutz (Tufts School of Engineering, USA) und Erich Schweighofer (Uni Wien) an. Zudem wird die Industriellenvereinigung durch einen Experten im Rat vertreten sein.

Lobende Worte vom Elektroverband FEEI

Lobende Worte kommen vom heimischen Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI). "Wir begrüßen den von Technologieminister Jörg Leichtfried heute präsentierten Roboter-Rat ausdrücklich, meint dazu Lothar Roitner, Geschäftsführer des Fachverbands. Roboter würden in der Industrie Arbeitsplätze und damit Wohlstand schaffen. Mehr Geld für Förderungen sei notwendig.

Der Verband widerspricht dabei einmal mehr zahlreichen Studien über die massive vernichtung von Arbeitsplätzen durch die Umstellung auf Maschinen. Statt dessen fordert der FEEI "eine Versachlichung der Diskussion". Gerade die hochdigitalisierten Unternehmen würden demnach Arbeitsplätze schaffen, weil automatisierte Produktionsanlagen mehr Produktivität und damit mehr Wettbewerbsfähigkeit bedeuteten, so der Verband. Weiters dazu: Wie intelligente Roboter Wertschöpfung nach Österreich zurückbringen >>

Tatsächlich sind die Befunde und Studien über die Auswirkungen sehr widersprüchlich. Unbestritten scheint zu sein, dass die umfassende Digitalisierung neue Arbeitsplätze schaffen wird - in der Herstellung und Bedienung der Maschinen. Unbestritten ist aber auch, dass diese Arbeitsplätze nur ein keiner Bruchteil im Vergleich zur Zahl der heute Beschäftigten sein werden.

Deshalb hat in jüngster Zeit eine Reihe renommierter Forschungsstellen Studien zur weitreichenden Vernichtung von Arbeitsplätzen vorgelegt, darunter etwa die Universität Oxford. Ein Hintergrundbericht dazu hier: Roboter an die Macht: Vom möglichen Ende der Arbeit >>

Positive wie negative Auswirkungen schildert auch das deutsche Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Das Institut ist die zentrale Forschungseinrichtung der deutschen Bundesagentur für Arbeit, die Daten der Studie kommen also direkt von der Quelle. Demzufolge wird "Industrie 4.0" allein in Deutschland hunderttausende Arbeitsplätze schaffen - und gleichzeitig eine halbe Million vernichten.

(apa/red)

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