Logistik-Ranking

Das sind die 20 stärksten Logistiker Österreichs

Wie stark sind die heimischen Logistik-Dienstleister in das Katastrophenjahr 2020 gestartet? Und: Welches Unternehmen hat die besten Startchancen für die große Aufholjagd 2021? Das Ranking der 20 stärksten Logistikunternehmen Österreichs.

Im Rückblick scheinen selbst veritable Probleme ziemlich klein: Schon im Herbst 2019 war klar, dass sich das Wirtschaftswachstum einbremsen würde. Die Industrie und der Handel klagten, in den Bilanzen der Speditionen und KEP-Dienste schlug sich das allerdings noch nicht nieder. Denn das vergangene Geschäftsjahr lief für die heimische Transportwirtschaft besser als erwartet – die meisten Unternehmen haben beim Umsatz noch einmal zugelegt. Das Ranking ist allerdings ein Rückblick auf bessere Zeiten: Was die Corona-Pandemie in der Branche anrichtet, wird erst in den Zahlen des kommenden Jahres sichtbar werden. Doch die Zahlen geben einen ziemlich guten Hinweis darauf, welche Transportdienstleister mit einem Vorsprung ins Katastrophenjahr gestartet sind – und welche Unternehmen die besten Startchancen für die große Aufholjagd 2021 haben. INDUSTRIEMAGAZIN präsentiert: die 20 stärksten Logistikunternehmen Österreichs.

Platz 1: Rail Cargo Group, Umsatz: 2,4 Mrd. Euro

© David Payr

Mit einem Umsatz-Plus von über vier Prozent bleibt die Rail Cargo Group der größte Logistikdienstleister des Landes. Ein Plus, das laut ÖBB-Chef Andreas Matthä in einem „neuerlich verschärften“ wirtschaftlichen Umfeld erarbeitet worden sei: Neben der schwächer werdenden Konjunktur seien es nach Matthä vor allem die „ungleichen Wettbewerbsbedingungen zwischen Schiene und Straße, die Transporte unter 500 Kilometern mit dem Lkw unverhältnismäßig billig machen“.

Die transportierten Mengen waren jedenfalls gewaltig: Rund 105 Millionen Nettotonnen hat die RCG im Vorjahr bewegt und bleibt damit eine der größten Güterbahnen des Kontinents. Das Ergebnis hat allerdings gelitten. Das EBT der Rail Cargo Group ist 2019 deutlich auf 5,1 Millionen Euro gesunken.

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Platz 2: LKW Walter, Umsatz: 2,17 Mrd. Euro

© LKW Walter

Die Wiener Neudorfer schaffen seit Jahren eine Umsatzsteigerung nach der anderen, auch 2019 waren es wieder mehr als vier Prozent. Das auf europäischen Komplettladungs-Verkehr spezialisierte Familienunternehmen bedient per Straßen- und Kombiverkehr auch Russland und den Kaukasus, Nordafrika, Zentralasien und den Nahen Osten. LKW Walter bietet zudem zahlreiche Produkte und Services rund um das Thema Digitalisierung.

Die vielfältigen Aktivitäten im Sinne der Green Logistics – vor allem durch Cargo-Verlagerung von der Straße auf Bahn und Schiff im Rahmen des kombinierten Verkehrs – haben dem Unternehmen im Vorjahr den Nachhaltigkeitspreis der BVL Österreich und Deutschland eingebracht.

Platz 3: Gebrüder Weiss, Umsatz: 1,7 Mrd. Euro

Gebrüder, Weiss, Logistik, Luftfracht, Aircargo © Gebrüder Weiss

Vom Vorarlberger Lauterach aus ist Gebrüder Weiss buchstäblich weltweit unterwegs, zu Land, in der Luft und zur See. Seit mehr als 500 Jahren in Familienbesitz vereint das Unternehmen neben der klassischen Transportleistung im Grunde alles, was an Logistikdienstleistung angeboten werden kann – von Lager und Fulfillment über E-Commerce und Supply Chain Management bis hin zu branchenspezifischen IT-Lösungen.

2019 steckte das Unternehmen 51 Millionen Euro in digitale und in physische Infrastruktur, unter anderem in Österreich, Kroatien, Georgien und Usbekistan. Gebrüder Weiss konnte in sämtlichen Unternehmensbereichen wachsen, die Eigenkapitalquote überstieg im Vorjahr die 60 Prozent.

Platz 4: DB Schenker, Umsatz: 1,4 Mrd. Euro

Schenker, DBSchenker, Lkw, Logistik © DBSchenker/Michael Neuhaus

Als DB Schenker im Vorjahr die Erweiterung des Standorts in Linz-Hörsching in Angriff nahm, war das durchaus als Signal zu verstehen: Die heimische Tochter der Deutschen Bahn will weiter wachsen. Bei der kurz darauf erfolgten Eröffnung eines neuen Standortes in Kroatien erklärte CEO Alexander Winter (der auch für Südosteuropa verantwortlich ist), das neue Logistikzentrum habe Auswirkungen „auf ganz Europa, da die Niederlassung komplett in unser Netzwerk mit über 700 Standorten in 38 europäischen Ländern eingebunden ist“.

Investiert wurde aber auch in ganz andere Richtungen: So startete Schenker etwa gemeinsam mit EY und anderen Partnern ein Blockchain-Pilotprojekt, das, so Winter, „die Logistik-Branche ein Stück weiter revolutionieren“ solle.

Platz 5: Cargo Partner, Umsatz: 821 Mio. Euro

cargo-partner, Logistik © cargo-partner/JAN BRUNCAK

Acht Prozent Steigerung waren es im Vorjahr, diesmal sogar gut neun Prozent. Die Umsätze von Cargo-Partner steigen deutlich über dem Markt. Und der umtriebige Gründer und Eigentümer Stefan Krauter setzt das Geld auch ein: 2019 ging ein neuer Standort in Wolfurt in Betrieb, in der Slowakei wurde ein Warehouse massiv erweitert. 

Hinzu kamen ein neuer Land-See-Korridor in West- und Zentralchina, neue Services von China via Hanoi nach Europa und in die USA sowie neue direkte LCL-Verbindungen zwischen China und Europa. Vor kurzem öffnete Cargo-Partner sogar einen neuen Geschäftsbereich: Die Unit "High-Tech-Logistik" bietet spezialisierte Services für technische Geräte und Anlagen, sowohl im Transport- als auch im Lagerbereich. 

Platz 6: Österreichische Post, Umsatz Paket&Logistik: 633 Mio. Euro

© Post / Werner Streitfelder

Wer die Auswirkungen des E-Commerce-Wachstums in Zahlen gegossen sehen will, werfe einen Blick auf die heimische Post: Während das Brief-Volumen seit Jahren rückläufig ist, explodiert der Bereich Paket&Logistik geradezu. Vor allem eine Mengensteigerung von 108 auf 127 Millionen Pakete pro Jahr bescherte dem Geschäftsbereich 2019 ein Umsatz-Plus von fast 15 Prozent.

Um die Mengen zu bewältigen, nahm die Post 2019 das neue Paket-Logistikzentrum in Hagenbrunn in Betrieb, das – ebenso wie kurz darauf Kalsdorf – neue Größenrekorde erreicht. Post-Logistikchef Peter Umundum setzt darüber hinaus stark auf F&E, darunter auch zahlreiche Initiativen im Bereich Green Logistics.

Platz 7: Lagermax, Umsatz: 565 Mio. Euro

© Lagermax

Sieben Prozent Umsatz-Plus ergeben im 99. Jahr nach ihrer Gründung ein Rekordjahr für die Lagermax-Gruppe. Die Vollspedition, die neben Straßen-, Bahn-, Luft- und Seetransport auch Lagerlogistik und zahlreiche Dienstleistungen rund um Pkw und Lkw bietet, ist mittlerweile mit 55 Standorten in zwölf Ländern vertreten.

1991 war die Gruppe Gründungsmitglied der späteren DPD. Vergangenen Sommer musste sie ebenfalls auf das steigende Paketvolumen reagieren: Lagermax Paketdienst DPD eröffnete ein neues Paketlogistik-Center in Radstadt, da der bisherige Standort Flachau endgültig an seine Grenzen geraten war.

Platz 8: Gartner, Umsatz: rund 558 Mio. Euro

Gartner, KG © Gartner KG

Auch die Gartner-Gruppe gehört zu den eigentümergeführten Speditionen des Landes. Gegründet 1918 als Taxi- und Transportunternehmen, hat die Gruppe mittlerweile 19 Standorte in acht europäischen Ländern. Neben dem Kerngeschäft Straßentransport ist Gartner heute auch im intermodalen Verkehr und im Warhousing eine fixe Größe.

2019 erweiterte Gartner das Firmengelände am Stammsitz Lambach um das Areal „Gartner Nord“, das Teile des stark angewachsenen Fuhrparks aufnehmen kann. Gartner sieht die Investition auch als eine in die Standortsicherung und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region an.

Platz 9: Quehenberger, Umsatz: 460 Mio. Euro

© Quehenberger

2019 war für die Salzburger vor allem ein Jahr der Fokussierung. Quehenberger stieg endgültig aus dem wenig erfolgreichen ÖBB-Joint-Venture „Q Logistics“ aus, trennte sich vom Geschäftsfeld Express und schloss eine deutsche Niederlassung.

Stattdessen legte CEO Christian Fürstaller den Schwerpunkt auf die vier Kernbereiche Teil- und Komplettladungen, Kontraktlogistik, Air+Ocean sowie Branchennetzwerke und unterzog das Unternehmen einem Umbau der Organisationsstruktur. Quehenberger beschloss das Geschäftsjahr 2019 mit einem Umsatzplus von drei Prozent.

Platz 10: Duvenbeck, Umsatz: 426 Mio. Euro

© Duvenbeck

Spitzenreiter beim Wachstum in Prozent ist auch in diesem Jahr die in Graz ansässige Österreich-Tochter des deutschen Logistik-Unternehmens Duvenbeck: Mit einem Umsatzplus von mehr als 35 Prozent machen die Grazer im Ranking zwei Plätze gut. Auch Duvenbeck gehört zu den Familienbetrieben – in diesem Fall in Deutschland. Die Gruppe ist seit mehr als 80 Jahren im Geschäft; die Österreich-Niederlassung ist mit rund 15 Jahren einer der jüngsten Teilnehmer des Rankings.

Top 20 Logistiker: Das Ranking

Aufnahme in das Ranking der Top-Logistikdienstleister Österreichs fanden Speditionen, Transporteure und KEP-Dienste. Als primäre Grundlage des Rankings dienen jene Zahlen, die uns Unternehmen via Fragebogen zukommen ließen. In einigen Fällen mussten wir auf die im Firmenbuch oder auf der Unternehmens-Webseite hinterlegten Informationen der Unternehmen zurückgreifen. War auch das nicht möglich, erfolgte die Einordnung nach den Umsatzdaten des Geschäftsjahrs 2018.

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