KUKA in der Krise: Wenn die Robotik boomt – aber Europa zurückfällt

Roboterarme sortieren Batteriezellen, verschweißen Module per Laser und prüfen elektrische Kontakte – nahezu ohne menschliche Eingriffe. Dieses Bild industrieller Perfektion verkörpert das Versprechen der Automatisierung: Skalierung, Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit. Doch hinter den Kulissen kämpft KUKA mit massiven Problemen. Für 2025 wurden zunächst rund 400 Stellenstreichungen angekündigt, inzwischen sind es 550. Der Umsatz sank 2024 um acht Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Ein neuer Vorstandschef soll stabilisieren, Kosten senken und verlorene Marktanteile zurückholen. Die Krise trifft einen Konzern, der noch 2016 Rekorde schrieb – kurz bevor der chinesische Haushaltsgerätehersteller Midea die vollständige Kontrolle übernahm. Die Übernahme für rund 4,5 Milliarden Euro löste politische Debatten über Technologietransfer und den Verlust industrieller Souveränität aus. Zehn Jahre später zeigt sich: Nicht nur KUKA, die gesamte europäische Robotikbranche steht unter Druck.

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China dominiert – Europas Industrie verliert Anschluss

Weltweit wurden zuletzt rund 542.000 Industrieroboter neu installiert, fast drei Viertel davon in Asien. Europa kommt nur noch auf 16 Prozent, während China inzwischen nicht nur größter Absatzmarkt, sondern auch führender Hersteller ist. Chinesische Anbieter halten auf ihrem Heimatmarkt bereits 57 Prozent Marktanteil – doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Gleichzeitig brechen in Europa zentrale Kundensegmente weg: Die Autoindustrie reduzierte 2024 ihre Roboternachfrage um 25 Prozent auf nur noch 6.900 Einheiten. Andere Branchen wachsen zwar, können den Einbruch aber nicht kompensieren. Während etablierte Konzerne sparen oder sich – wie ABB – von Robotiksparten trennen, fließt Milliardenkapital in Start-ups wie Robco, Neura Robotics oder Agile Robots. Sie stehen für modulare Systeme, kognitive Robotik und humanoide Anwendungen – bewertet nicht nach aktuellen Margen, sondern nach Zukunftspotenzial. Europas Robotik steht damit an einem Wendepunkt: zwischen Konsolidierung und Aufbruch, zwischen Marktverlust und technologischer Neuerfindung.