Temu Zoll Österreich 2026 : Temu: Europas Zollwende trifft den Nerv des Billig-Shoppings

Shipping freight container of TEMU a giant new Chinese mail order company.

Temu, Shein und andere Billigplattformen geraten durch neue EU-Abgaben unter Druck. In Österreich meldet die Post bereits deutlich weniger China-Pakete.

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Die seit Anfang Juli geltenden Einfuhrabgaben für günstige Onlinebestellungen aus Nicht-EU-Staaten zeigen in Österreich offenbar bereits Wirkung. Nach Angaben der Österreichischen Post ist die Zahl der Sendungen chinesischer Billigplattformen in den ersten beiden Juliwochen um rund 50 Prozent zurückgegangen. Post-Logistikvorstand Peter Umundum bezeichnete die Entwicklung gegenüber der „Kleinen Zeitung“ als klaren Effekt der neuen Zollregelung. Die Zahlen stellen allerdings zunächst eine Momentaufnahme dar, da sie lediglich die ersten beiden Wochen nach Inkrafttreten der Maßnahme umfassen.

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Seit dem 1. Juli 2026 gilt in der Europäischen Union für Onlinewaren aus Drittstaaten mit einem Wert von höchstens 150 Euro ein vorübergehender Pauschalzoll von drei Euro. Entscheidend ist dabei nicht ausschließlich die Zahl der Pakete: Die Abgabe wird für jede unterschiedliche Warenkategorie beziehungsweise Zolltarifposition innerhalb einer Sendung erhoben. Enthält ein Paket Produkte aus mehreren zollrechtlich unterschiedlichen Gruppen, kann der Gesamtbetrag daher deutlich über drei Euro liegen. Die Übergangsregelung soll bis zum 1. Juli 2028 gelten. Danach sollen grundsätzlich die regulären, von der jeweiligen Warenart abhängigen Zollsätze angewendet werden.

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China-Pakete brechen ein: Warum die Post den Temu-Effekt spürt

Für die Österreichische Post ist der Rückgang wirtschaftlich spürbar. Nach Unternehmensangaben gelangten 2025 insgesamt rund 25 Millionen Pakete aus Fernost nach Österreich. Davon beförderte die Post selbst etwa 19 Millionen Sendungen. Das entspricht rechnerisch ungefähr 1,6 Millionen Paketen pro Monat. Durch die Halbierung in der ersten Julihälfte dürften dem Unternehmen somit mehrere Hunderttausend Sendungen entgangen sein. Einen erkennbaren Wechsel der Konsumentinnen und Konsumenten zu Onlineshops oder Händlern mit Sitz innerhalb der Europäischen Union kann die Post bislang jedoch nicht bestätigen.

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Bei der Einordnung der Zahlen ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Die oft genannten 232 Millionen Pakete waren nicht das gesamte österreichische Marktvolumen, sondern jene Menge, die allein die Österreichische Post im Jahr 2025 innerhalb Österreichs transportierte. Das Unternehmen steigerte sein Paketvolumen damit gegenüber 2024 um 3,5 Prozent. Die 19 Millionen von der Post beförderten Fernost-Pakete entsprachen somit etwas mehr als acht Prozent ihres eigenen österreichischen Jahresvolumens. Konzernweit transportierte die Post 2025 mehr als eine halbe Milliarde Pakete in 13 Ländern.

Die Österreichische Post meldet deutlich weniger China-Pakete. Neue EU-Abgaben setzen Billigplattformen wie Temu unter Druck.

- © Österreichische Post/TEMU

Temu und Paketsteuer: Österreich legt den Billigpaketen neue Kosten auf

Trotz des aktuellen Einbruchs bei chinesischen Direktlieferungen verlief das erste Halbjahr 2026 nach Angaben Umundums positiv. Die Paketmengen in Österreich und Südosteuropa seien von Jänner bis Juni um neun Prozent gestiegen. Als einen möglichen Grund nannte der Logistikvorstand Vorziehkäufe: Ein Teil der Kundschaft dürfte Bestellungen bewusst noch vor dem Inkrafttreten der neuen EU-Abgabe aufgegeben haben. Für die zweite Jahreshälfte erwartet das Unternehmen daher ein deutlich schwächeres Wachstum.

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Zu den europäischen Importkosten kommt ab Herbst eine österreichische Paketsteuer. Der Nationalrat nahm das betreffende Budgetbegleitgesetz am 8. Juli 2026 an, der Bundesrat erhob am 16. Juli keinen Einspruch. Vorgesehen ist ein Inkrafttreten am 1. Oktober 2026. Die Steuer beträgt zwei Euro pro zugestelltem Paket. Versandhändler können sie alternativ pro Bestellung berechnen, sofern diese zu einer Paketzustellung führt. Betroffen sind große Versandhändler und Plattformen, deren relevante Versandhandelsumsätze in Österreich im vorangegangenen Wirtschaftsjahr 100 Millionen Euro überschritten haben. Steuerschuldner ist ausdrücklich der Versandhändler und nicht der Paketempfänger. Ob und in welcher Form die Unternehmen die zusätzlichen Kosten an ihre Kundschaft weitergeben, bleibt eine geschäftliche Entscheidung.

Nach dem Temu-Zoll kommt die nächste Gebühr für China-Pakete

Die gelegentlich genannte Summe von 2,40 Euro ist daher nicht die gesetzliche Höhe der Paketsteuer. Sie kann sich lediglich dann ergeben, wenn ein Händler die Abgabe als Kostenbestandteil mit einem zusätzlichen Umsatzsteueraufschlag von 20 Prozent an die Kundinnen und Kunden weiterverrechnet. Im Gesetz selbst sind zwei Euro vorgesehen.

Zusätzlich soll spätestens im November eine EU-weite Bearbeitungsgebühr für kleine E-Commerce-Sendungen aus Drittstaaten eingeführt werden. Die europäische Zollreform sieht eine solche Gebühr grundsätzlich vor. Als Betrag für direkt an Verbraucher gelieferte Sendungen werden zwei Euro genannt. Die Bearbeitungsgebühr dient vor allem dazu, die Kosten der Zollanmeldung, Risikoprüfung und Kontrolle der enorm gestiegenen Zahl kleiner Warensendungen teilweise zu decken.

Hinter den Maßnahmen steht eine europaweite Entwicklung. Im Jahr 2024 gelangten nach Angaben der EU-Kommission rund 4,6 Milliarden E-Commerce-Sendungen mit einem Wert von höchstens 150 Euro in die Europäische Union. Das entsprach etwa zwölf Millionen Sendungen pro Tag und war ungefähr doppelt so viel wie 2023. Bis Ende 2025 stieg das Volumen laut Kommission auf fast 5,9 Milliarden importierte Artikel. Rund 91 Prozent der Kleinsendungen kamen 2024 aus China. Der Rat der EU verweist außerdem auf Schätzungen, wonach bis zu 65 Prozent der kleinen Pakete zu niedrig bewertet worden sein könnten, um Einfuhrabgaben zu umgehen.

Neue EU-Zölle auf kleine Pakete aus Drittstaaten verteuern Billigbestellungen von Plattformen wie Temu und Shein.

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Temu, Shein und EU-Lager: Der Billigboom verlagert sich nach Europa

Die neuen Regeln gelten dennoch nicht speziell für China. Betroffen sind grundsätzlich alle Drittstaaten, also beispielsweise auch die USA, Großbritannien und die Schweiz. Aus diesen drei Ländern werden laut Angaben der Österreichischen Post zusammen jährlich rund eine Million Pakete nach Österreich geliefert. Entscheidend ist dabei, von wo die Ware tatsächlich in die EU eingeführt wird – nicht zwingend, in welchem Land die Plattform ihren Unternehmenssitz hat.

Genau hier zeichnet sich eine Reaktion der großen asiatischen Onlinehändler ab. Sie bauen ihre Lager- und Logistikstrukturen innerhalb der Europäischen Union aus. Die Post verweist unter anderem auf Shein-Sendungen, die bereits aus Polen verschickt werden. Werden Waren zunächst gesammelt in die EU importiert, dort verzollt und anschließend aus einem europäischen Lager an Konsumenten weitergeleitet, gelten sie bei der späteren Zustellung nicht mehr als einzelne Drittstaatensendung. Der neue Drei-Euro-Zoll auf direkte Kleinsendungen kann dadurch entfallen. Die österreichische Paketsteuer kann große Plattformen und Versandhändler wegen ihrer breiteren Ausgestaltung allerdings weiterhin treffen.

Ob der Rückgang der China-Pakete dauerhaft anhält, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Die ersten Zahlen deuten darauf hin, dass selbst vergleichsweise niedrige Fixabgaben das Bestellverhalten bei sehr günstigen Produkten beeinflussen können. Gleichzeitig dürften die internationalen Plattformen versuchen, ihre Lieferketten so umzubauen, dass Waren häufiger aus europäischen Lagern verschickt werden. Der aktuelle Einbruch könnte deshalb weniger das Ende des Geschäftsmodells als vielmehr den Beginn einer umfassenden Verlagerung der Logistik in die Europäische Union markieren.