Logistik : Lieferketten: Warum der Stau bis Jahresende bleiben wird
Ob China oder Hamburg: Der Container-Stau hält an
- © KKDie Probleme globaler Lieferketten durch den Lockdown in Teilen Chinas werden voraussichtlich über das wichtige Weihnachtsgeschäft hinaus bis ins kommende Jahr andauern. "Für die globalen Lieferketten hat China eine viel größere Wirkung als der Ukraine-Krieg", sagte der Fracht-Vorstand der Deutschen Post, Tim Scharwath der Nachrichtenagentur Reuters. Dabei seien die Probleme auch bei einem Ende der Coronamaßnahmen etwa in der Hafen-Metropole Shanghai nicht vorbei.
Denn dann drohen neue Verzögerungen an anderer Stelle: "Nach einer Öffnung werden sich wahrscheinlich Staus vor US-amerikanischen und europäischen Häfen bilden", betonte Scharwath. "Es wird länger dauern, als wir gedacht haben, bis sich die Handelssysteme wieder normalisieren." Damit könnten die Ungleichgewichte bis ins kommende Jahr anhalten. Auch bei den Frachtraten gab Scharwath keine Entwarnung. Unternehmen müssen also weiter mit steigenden Logistikkosten und Verbraucher in der Folge mit steigenden Preisen rechnen.
Die chinesischen Behörden hatten Ende März einen rigiden Lockdown über Shanghai verhängt, nun stauen sich Container und Schiffe. "China ist die Werkbank der Welt", sagte Scharwath. "Betroffen von der Entwicklung in Shanghai sind alle Güter von Hightech-Waren bis hin zur Mode", betonte er. Nun komme es darauf an, wie Shanghai wieder geöffnet werde: "Macht China die Schleusen auf - oder wird graduell geöffnet?"
"Normalerweise kommen die Mengen gleichmäßig in den Häfen an", sagte der Manager mit Blick auf Europa und Nordamerika. "Das wird jetzt aber anders sein", fügte er hinzu: "Und die Container-Flut wird dann auf weniger Kapazitäten in den Häfen treffen". Es fehle vielerorts an Mitarbeitern und Lkw-Fahrern. Der Fahrer-Mangel werde dann auch Konsequenzen für die Verteilung der Güter in Europa haben. Die Post setze deshalb auch auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn.
Die Frachtsparte der Deutschen Post, einstmals Sorgenkind des Konzerns, hat sich unter Scharwaths Regie zu einem Gewinnbringer entwickelt. Im neuen Jahr steuert die Sparte mit ihren mehr als 42.000 Mitarbeitern auf Rekordkurs. Der Umsatz zog im ersten Quartal auch dank stark gestiegener Frachtraten um knapp 55 Prozent auf 7,4 Mrd. Euro an, der operative Ertrag (Ebit) kletterte auf 601 (Vorjahr: 216) Mio. Euro, die Umsatzrendite lag bei 8,2 Prozent.
"Der Umsatz bei uns ist sehr stark getrieben durch die hohen Raten", sagte Scharwath. Im zweiten Quartal "werden die Raten das Niveau halten oder auch steigen". Die weitere Entwicklung der Umsatzrendite (Ebit-Marge) hänge auch stark von China ab. "Sicher ist aber, dass wir eine höhere Umsatzrendite als in der Vergangenheit haben werden", betonte der Post-Vorstand.
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Schlecht für Österreich: Auch Hamburger Hafen betroffen
Störungen in den globalen Lieferketten führen zu Problemen in den Häfen. Das bekommt auch der für Österreich wichtige Hafen Hamburg deutlich zu spüren. Infolge großer Schiffsverspätungen stauen sich die Container auf den Terminals, was zu einer Überlastung der Lager führt, wie Hans-Jörg Heims, Sprecher des Hamburger Hafenlogistikers HHLA, sagte. Eine ganze Reihe von Schiffen müsse daher derzeit vor Helgoland warten, bis ein Platz in ihrem Zielhafen frei werde.
Der Hamburger Hafen ist für Österreich der wichtigster Containerhafen für neben Triest/Koper und Rotterdam ausgebaut. Mit einem Containerumschlag von 320.776 Standardcontainern (TEU) und einem Plus von 6,46 Prozent im Vergleich zum Vorjahr war 2021 das bisher beste Ergebnis erzielt worden. "Auch das Jahr 2022 ist gut angelaufen", sagte der Leiter der Repräsentanz Österreich von Hafen Hamburg Marketing in Wien, Alexander Till, noch im März.
Er betonte: "Seit Beginn der Containerisierung in den 1970er-Jahren ist Hamburg ohne Unterbrechung der wichtigste Hafen für Österreich in diesem Segment." Der Marktanteil sei stets zwischen 40 und 50 Prozent gelegen.
Doch nun: Stau. Laut Hans-Jörg Heims sind es zehn Frachter, die zurzeit nach Hamburg wollen. "Das kann von ein paar Tagen bis zu einigen Wochen dauern." Trotz aller Bemühungen und eines Großeinsatzes von Personal und Technik komme es zu Verzögerungen bei der Abfertigung.
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