Größte Insolvenzen Österreich 2025 : Insolvenzen 2025: Die spektakulärsten Firmenzusammenbrüche im Ranking

Vienna, Austria - 12 29 2023 - Headquarter of the insolvent real estate company Signa Holding in downtown Vienna

Auch heuer wieder in den Top-Insolvenzen 2025 vertreten: Signa 

- © Spitzi-Foto - stock.adobe.com

Im Jahr 2025 haben die wirtschaftlichen Verwerfungen in Österreich zahlreiche Unternehmen an den Rand des Abgrunds geführt – und darüber hinaus. Während die Gesamtzahl der Unternehmensinsolvenzen laut einer aktuellen Hochrechnung des Kreditschutzverbands KSV1870 auf 6.857 stieg – ein Plus von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr – zeigt sich ein paradoxes Bild: Die Summe der gemeldeten Passiva ist trotz der gestiegenen Fallzahlen um beachtliche 55,8 Prozent auf rund 8,38 Milliarden Euro gesunken. Der Grund: Es gab weniger Insolvenzen mit extrem hohen Schuldenständen – Großpleiten über 200 Millionen Euro wurden seltener. Doch die Fälle, die in diese Kategorie fielen, sind beachtlich. Besonders 13 Insolvenzen mit Passiva über 100 Millionen Euro haben 2025 für Schlagzeilen gesorgt – ein Spiegel der strukturellen Herausforderungen, vor denen die heimische Wirtschaft steht.

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1. SIGNA Prime Capital Invest GmbH (Wien) – 870 Mio. EUR

Die Insolvenz der SIGNA Prime Capital Invest GmbH zählt zu den prägnantesten und folgenreichsten Unternehmenspleiten des Jahres 2025 in Österreich. Am 6. Juni 2025 eröffnete das Handelsgericht Wien ein ordentliches Konkursverfahren über das Vermögen dieser Signa‑Tochter, die zentrale Immobilienvermögen der ehemals mächtigen SIGNA‑Gruppe hielt – darunter bedeutende Assets in Deutschland, Österreich und Italien (inklusive u. a. dem Lamarr‑Projekt in Wien oder historischen Kaufhaus‑Liegenschaften). 

Innerhalb der Insolvenz zeigte sich die schiere Dimension der finanziellen Verflechtungen: Insgesamt meldeten 25 Gläubiger:innen Forderungen von rund 871 Millionen Euro an, von denen aber – Stand August 2025 – nur etwa 151 Millionen Euro offiziell anerkannt wurden. Der Rest der Forderungen bleibt strittig und dürfte in den weiteren Konkursprozessen noch erhebliche juristische Auseinandersetzungen auslösen. 

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Die Bedeutung dieses Falls geht weit über das nominelle Volumen hinaus: Die SIGNA Prime Capital Invest GmbH fungierte als Zwischenholding, in der ein großer Teil der Luxus‑ und Gewerbeimmobilien des Benko‑Imperiums gebündelt war. Dazu zählen u. a. renommierte Liegenschaften wie große City‑Adressen, Kaufhäuser und urbane Prestigeobjekte – viele davon mit international bekannten Namen und erheblichen Marktwerten, die nun liquidiert bzw. verkauft werden müssen. 

Die Insolvenz resultiert aus der lang andauernden Krise der gesamten Signa‑Unternehmensgruppe, die bereits 2023 wegen untragbarer Verschuldung und mangelhafter Liquidität in die größten Restrukturierungs‑ und Insolvenzverfahren Europas involviert wurde. Das dazugehörige Flaggschiffunternehmen SIGNA Prime Selection AG musste Ende 2023 ein Konkursverfahren einleiten, nachdem mehrere Restrukturierungspläne gescheitert waren und eine extreme Schuldenlast nicht mehr tragbar war. 

Aktuelle Zwischenberichte der Insolvenzverwalter zeichnen zudem ein Bild der fortdauernden Komplexität: Allein beim Mutterkonzern Signa Prime wurden Gläubigerforderungen von über 12,35 Milliarden Euro registriert, von denen bislang weniger als die Hälfte anerkannt ist. Parallel dazu laufen zahlreiche rechtliche Verfahren zu Haftungs‑ und Anfechtungsansprüchen gegen ehemalige Manager:innen und Vorstände, da der Verdacht besteht, dass bereits weit vor Insolvenzantragstellungen materielle Zahlungsunfähigkeit vorlag. 

Die Krise der SUB‑Holding SIGNA Prime Capital Invest GmbH kristallisiert ein zentrales Problem der vergangenen Jahre: massive Marktüberbewertungen und fehlende Risikovorsorge in der Immobilienbranche, gekoppelt mit steigenden Zinsen und rückläufiger Nachfrage. Hinzu kommen langwierige Verkaufsprozesse und laufende rechtliche Prüfungen, die den Verwertungsprozess der Assets verzögern und den Gläubigern eine langfristige Rückflussperspektive erschweren.

Ein weiterer Aspekt sind die rechtlichen und strafrechtlichen Dimensionen, die den gesamten Signa‑Komplex begleiten: Der Konzern‑Gründer René Benko ist seit Anfang 2025 in Österreich in Untersuchungshaft und Gegenstand mehrerer Ermittlungen wegen des Verdachts von Insolvenzverschleppung, Betrug und Vermögensvergehen. Diese Verfahren stehen im direkten Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Struktur, der Finanzierung und der Verantwortlichkeiten im Signa‑Imperium, was die juristische Komponente dieser Großinsolvenzen unterstreicht. 

In der Konsequenz hat der Fall SIGNA Prime Capital Invest GmbH nicht nur einzelne Gläubiger schwer getroffen, sondern die allgemeine Branchenstimmung im Immobiliensektor belastet und markiert einen Wendepunkt in der Debatte über Risiken, Finanzierung und Bewertung im Gewerbeimmobilienmarkt Österreichs und darüber hinaus. Laut KSV1870‑Statistik war die Insolvenz mit 870 Millionen Euro Passiva die größte des Jahres, ein Indiz dafür, wie stark systemische Risiken von Großkonzernen auf das gesamtwirtschaftliche Klima wirken können.

2. Herkules Holding GmbH (Innsbruck/Tirol) – 710 Mio. EUR

Mit 710 Millionen Euro Passiva steht auch die Herkules Holding GmbH auf der Liste der größten Pleiten. Der Name war Programm, doch die Schuldenlast wurde zu schwer. Das Unternehmen, das in Beteiligungen und Infrastrukturprojekte investiert war, scheiterte an einem toxischen Mix aus Fehlkalkulationen, Baukostensteigerungen und einem verfehlten Expansionskurs. Besonders hart traf es die Märkte in Süd- und Osteuropa, wo Herkules stark engagiert war.

3. Herkules Finance Holding GmbH (Innsbruck/Tirol) – 257 Mio. EUR

Die enge Verbindung zur Herkules Holding GmbH erklärt auch den Fall der Herkules Finance Holding GmbH. Mit 257 Millionen Euro Passiva wurde die Tochtergesellschaft in die Insolvenz hineingezogen. Das Beispiel zeigt exemplarisch, wie Kettenreaktionen in Konzernstrukturen durchschlagen können – ein Phänomen, das sich 2025 häufig beobachten ließ.

4. SPS Primus Holding GmbH (ehemals SIGNA Prime 2017 Management zwei GmbH, Wien) – 238 Mio. EUR

Ein weiteres Glied in der SIGNA-Kette. Die SPS Primus Holding GmbH – ein vormals unscheinbares Vehikel innerhalb der Prime-Struktur – war maßgeblich an der Finanzierung und Entwicklung exklusiver Innenstadtimmobilien beteiligt. Die Insolvenz zeigt: Auch im Premiumsegment versagen Geschäftsmodelle, wenn Märkte überhitzen und die Refinanzierung scheitert.

5. SÜBA AG (Wien) – 200 Mio. EUR

Die SÜBA AG war lange Zeit ein namhafter Bauträger und Teil der „SÜBA Immobilien Gruppe“, die über Jahrzehnte in Österreich und international aktiv war. Das Unternehmen blickte auf mehr als 40 Jahre Geschäftstätigkeit zurück und galt als etabliert in der Entwicklung von Wohn- und Gewerbeprojekten sowie Projektbegleitung im Bauwesen.

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Im April 2025 meldete die SÜBA AG beim Handelsgericht Wien ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung an – der Versuch, die Zahlungsfähigkeit zu erhalten und den Betrieb durch einen gerichtlichen Plan zu stabilisieren. Laut Kreditschutzverband KSV1870 beliefen sich die Verbindlichkeiten auf etwa 226 Millionen Euro, während die aktivwerte des Unternehmens verschwindend gering waren. Rund 95 Gläubiger und zehn Beschäftigte waren direkt betroffen.

Zunächst schien es, als könnte die SÜBA AG den Turnaround schaffen: Ende Juli wurde ein Sanierungsplan präsentiert, der vorsah, eine Quote von 20 Prozent der angemeldeten Forderungen innerhalb von zwei Jahren zu zahlen – ein Kompromiss, dem die Gläubiger mehrheitlich zustimmten. Die entscheidende Hürde war jedoch die erste Teilzahlung von fünf Prozent, die bis spätestens Ende September 2025 geleistet werden sollte. Diese Frist verstrich ohne Einzahlung.

Weil die Sanierungsquote nicht erbracht wurde, weigerte das Insolvenzgericht die Bestätigung des Plans und wandelte das Sanierungsverfahren in ein ordnungsgemäßes Konkursverfahren um. Laut KSV1870-Experten ist die Sanierung damit endgültig gescheitert und die Gesellschaft befindet sich nun in der Abwicklung.

Schon zu diesem Zeitpunkt war das Unternehmen mangels ausreichender Liquidität am 3. September 2025 vom Gericht geschlossen worden, was bedeutet, dass der operative Geschäftsbetrieb faktisch zum Erliegen kam, bevor die rechtliche Zerschlagung vollzogen wurde. Die laufenden Verwertungsprozesse von Vermögenswerten und Immobilienprojekten wurden durch den Insolvenzverwalter eingeleitet und sollen im Rahmen des Konkurses fortgesetzt werden.

Die Folgen für die Gläubiger sind schwerwiegend. Bis Ende Oktober hatten diese rund 302 Millionen Euro an Forderungen angemeldet, von denen nur etwa 133 Millionen Euro bisher anerkannt wurden – was verdeutlicht, dass viele Forderungen umstritten oder unsicher sind. Angesichts dieser Konstellation ist es derzeit völlig offen, in welchem Umfang und in welcher Höhe Gläubiger tatsächlich eine Auszahlung erhalten werden.

SÜBA AG

- © APA/TOBIAS STEINMAURER

6. Erste Wiener Hotel AG (Wien) – 200 Mio. EUR

Die traditionsreiche Hotelgesellschaft konnte dem Druck der stark eingebrochenen Tourismuszahlen und hohen Fixkosten nicht länger standhalten. Trotz zwischenzeitlicher Erholung nach der Pandemie blieben Investoren fern, während steigende Energie- und Personalkosten das Unternehmen zunehmend unter Druck setzten. Die Insolvenz ist ein bitteres Beispiel für die Anfälligkeit der Beherbergungsbranche.

Grand Hotel Wien, Tochter-Unternehmen der Erste Wiener Hotel AG

- © Wikipedia

7. Julius Stiglechner GmbH (Linz/OÖ) – 166 Mio. EUR

Die Insolvenz des Tankstellenbetreibers und Energieversorgers Stiglechner schlug hohe Wellen in Oberösterreich. Mit 166 Millionen Euro Passiva war das Unternehmen Opfer hoher Energiepreise und massiver Konkurrenz durch internationale Anbieter. Trotz starker regionaler Verankerung gelang es nicht, die Finanzierung langfristig zu sichern.

8. ESIM Holdings and Management Services GmbH (Linz/OÖ) – 150 Mio. EUR

Ein wenig beachteter, aber finanziell bedeutender Fall: Die ESIM Holdings, spezialisiert auf Beratungs- und Managementdienstleistungen in industriellen Großprojekten, scheiterte an einer Kombination aus Zahlungsausfällen und Liquiditätsengpässen. Auch hier spielte die Abhängigkeit von wenigen Großkunden eine entscheidende Rolle.

9. SIGNA Prime 2014 Eins GmbH (vormals Upper West Beteiligungs Holding GmbH, Wien) – 150 Mio. EUR

Der dritte Eintrag der SIGNA-Gruppe in der Liste – auch dieser Fall steht symbolisch für den dramatischen Zerfall eines Imperiums. Die Gesellschaft war eng verwoben mit der Entwicklung von Prestigeprojekten wie dem "Upper West" in Berlin. Die Insolvenz unterstreicht die Risiken grenzüberschreitender Immobilienprojekte ohne nachhaltige Finanzierung.

10. Klemens Hallmann (Wien) – 119 Mio. EUR

Eine besonders brisante Personalie: Klemens Hallmann, prominenter Unternehmer und Investor, musste mit seinem Firmengeflecht Insolvenz anmelden. Die genaue Struktur der Verbindlichkeiten ist noch unklar, doch mit 119 Millionen Euro ist der Fall einer der schwerwiegendsten Privatinsolvenzen des Jahres – und ein weiterer Beleg für die Risiken eines aggressiven Expansionskurses in unsicheren Zeiten.

11. ESIM Chemicals GmbH (Linz/OÖ) – 118 Mio. EUR

Ein besonders illustratives Beispiel für die strukturellen Herausforderungen der österreichischen Industrie 2025 ist die Insolvenz der ESIM Chemicals GmbH aus Linz. Das Unternehmen, das im Linzer Chemiepark angesiedelt ist und sich auf die Herstellung von Agrar‑ und Pflanzenschutzchemikalien sowie Zwischenprodukten und Spezialchemikalien spezialisiert hat, meldete am 15. Oktober 2025 ein Konkursverfahren beim Landesgericht Linz an – eines der größten Insolvenzverfahren, das 2025 in Oberösterreich eröffnet wurde. 

Die Passiva der ESIM Chemicals belaufen sich laut Kreditschutzverband KSV1870 auf rund 118,1 Millionen Euro, wobei das Unternehmen nur über Aktiva von knapp 3,8 Millionen Euro verfügt. Rund 289 Mitarbeiter:innen – darunter Angestellte, Arbeiter und Lehrlinge – sowie etwa 190 Gläubiger:innen sind unmittelbar betroffen. 

Die Gründe für die Insolvenz sind vielschichtig und spiegeln die Belastungen wider, denen viele produzierende Unternehmen derzeit ausgesetzt sind. Laut dem Insolvenzantrag und Branchenberichten sind folgende Faktoren entscheidend:

  • Massiv gestiegene Kosten: Personal- und Energiekosten haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht und lasteten schwer auf der Kostenstruktur des Betriebs. 
  • Starker Wettbewerbsdruck aus Asien: Eine Überkapazität in der Chemieindustrie, vor allem durch chinesische Anbieter, hat zu einem harten Preiswettbewerb geführt, von dem Unternehmen wie ESIM besonders betroffen sind. 
  • Wegfall wesentlicher Kundenverträge: Der Verlust wichtiger Kunden im Sommer und Herbst 2025 senkte Absatzvolumina und belastete die Umsatzsituation zusätzlich. 
  • Hohe Fixkosten und ungünstige Kostenstruktur: Eine auf hohe Produktionsvolumina ausgelegte Kostenbasis erwies sich in Zeiten rückläufiger Nachfrage als nicht tragfähig. 
  • Unrealistische Neuprojekte und fehlende Planungssicherheit: Geplante Projekte konnten nicht realisiert werden, was Perspektiven für eine stabile Umsatz- oder Ertragsentwicklung verschlechterte.

Trotz der Eröffnung des Konkursverfahrens verfolgt das Management das Ziel, den Betrieb fortzuführen und Restrukturierungsoptionen auszuloten. Restrukturierungsberater wurden hinzugezogen, und ein Konzept sieht vor, die Produktion in mehreren der bestehenden Anlagen aufrechtzuerhalten, um Arbeitsplätze zu sichern und eine mögliche Investorenlösung vorzubereiten. Nach Angaben des Insolvenzverwalters wurden bereits Stellen abgebaut, dennoch sind zahlreiche Arbeitsplätze weiterhin erhalten geblieben, und Interessenten aus Europa und Asien prüfen derzeit Akquisitionsmöglichkeiten.

ESIM Chemicals, Linz 

- © Goldjungen GmbH | Elmar Konrad-Porod

12. Upper Zeil Beteiligungs Holding GmbH (Wien) – 118 Mio. EUR

Die Holdinggesellschaft war maßgeblich an Immobilienprojekten im deutschen Raum beteiligt. Der starke Einbruch auf dem deutschen Immobilienmarkt führte zu Abschreibungen in Millionenhöhe. Die Passiva summierten sich auf 118 Millionen Euro – ein weiteres Kapitel im Drama der geplatzten Immobilienblase.

13. Grand Hotel Gesellschaft m.b.H. (Wien) – 118 Mio. EUR

Das traditionsreiche Grand Hotel am Wiener Ring musste 2025 Insolvenz anmelden. Trotz internationaler Bekanntheit und historischer Bedeutung konnte das Unternehmen den Herausforderungen der Gegenwart nicht standhalten: sinkende Auslastung, veraltete Infrastruktur, ausbleibende Modernisierungen und die Konkurrenz durch internationale Ketten führten zur Zahlungsunfähigkeit.

Rang Unternehmen Bundesland Passiva in Mio. Euro
1 SIGNA Prime Capital Invest Gmb Wien 870
2 Herkules Holding GmbH Tirol 710
3 Herkules Finance Holding GmbH Tirol 257
4 SPS Primus Holding GmbH Wien 238
5 SÜBA AG Wien 200
6 Erste Wiener Hotel AG Wien 200
7 Julius Stiglechner GmbH Oberösterreich 166
8 ESIM Holdings and Management Services GmbH Oberösterreich 150
9 SIGNA Prime 2014 Eins GmbH Wien 150
10 Klemens Hallmann Wien 119
11 ESIM Chemicals GmbH Oberösterreich 118
12 Upper Zeil Beteiligungs Holding GmbH Wien 118
13 Grand Hotel Gesellschaft m.b.H. Wien 118

Insolvenzwelle rollt weiter: 2025 im Zeichen von Liquiditätsdruck und Förderstopp

Obwohl die Zahl der Großinsolvenzen im Milliardenbereich zurückging, bleibt das Insolvenzgeschehen auf hohem Niveau. Durchschnittlich 19 Betriebe pro Tag mussten 2025 in Österreich Insolvenz anmelden – ein historisch hoher Wert. Im Schlussquartal kam es zu über 1.700 neuen Fällen. Laut Karl-Heinz Götze, Leiter der KSV1870-Insolvenzabteilung, sei keine Entspannung in Sicht: "Eine Abflachung der Kurve steht unmittelbar nicht bevor."

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig: Der Wegfall staatlicher Unterstützungsmaßnahmen, die seit der Pandemiephase viele Unternehmen über Wasser hielten, sowie ein schwieriges Marktumfeld mit sinkender Kaufkraft, steigenden Betriebskosten und einem zunehmend raueren Kreditklima belasten die Unternehmen. Besonders besorgniserregend: Über 2.600 Verfahren konnten mangels kostendeckender Masse nicht einmal eröffnet werden – das sind 38 Prozent aller Fälle.

Branchen unter Druck: Handel und Bau an der Spitze der Insolvenzen

In der Branchenverteilung führt der Handel mit 1.208 Insolvenzen (+4 %) die Statistik an, dicht gefolgt von der Bauwirtschaft (1.089 Insolvenzen, +2 %). Die Gastronomie stabilisierte sich leicht, doch insbesondere im Grundstücks- und Wohnungswesen explodierten die Zahlen: 458 Insolvenzen bedeuten ein Plus von 38 Prozent – ein alarmierendes Signal für den Sektor. Ursachen sind nicht nur die Teuerung und Finanzierungskosten, sondern auch Folgeinsolvenzen in miteinander vernetzten Projektgesellschaften.

Bonitätsrückgang: Österreichs Unternehmen geraten finanziell unter Druck

Eine weitere Entwicklung gibt Anlass zur Sorge: Die durchschnittliche Bonität österreichischer Unternehmen verschlechtert sich. Nur noch 12,6 Prozent der Betriebe befinden sich in den besten Ratingklassen – 2019 waren es noch 15,4 Prozent. Der Trend geht klar in Richtung Mittelmaß. Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG, sieht hier ein systemisches Risiko: „Immer mehr Unternehmen verlieren ihre finanzielle Spannkraft – und damit auch die Möglichkeit, in schwierigen Zeiten zu bestehen.“

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