Nachhaltigkeit : Thomas Pfister, Dustcontrol: „Wir haben schon früh darauf geachtet, nachhaltig zu bauen“

Pfister Dustcontrol

Thomas Pfister, Country Manager Austria bei Dustcontrol: "Wir bieten als Alleinstellungsmerkmal eine Kombination aus Zyklon und Filter"
 

- © Dustcontrol

INDUSTRIEMAGAZIN: Stationäre Absauganlagen laufen oft dauerhaft im Hintergrund. Wo entstehen hier die größten Effizienzverluste – vor allem bei älteren Anlagen? 

Thomas Pfister: Eine Absauganlage ist eine umwelttechnische Anlage und unterliegt verschiedenen gesetzlichen und gewerblichen Auflagen, man muss sie jährlich warten. Wenn man das tut, entstehen keine Effizienzverluste, die Anlage läuft dann auch nach zehn oder 20 Jahren genauso nachhaltig wie am ersten Tag. Bei der Planung solcher Absauganlagen achtet man natürlich darauf, den Energieverbrauch so niedrig wie möglich zu halten. Mit unseren Hochdruckabsauganlagen versuchen wir die Emissionen genau dort einzufangen, wo sie entstehen. Dadurch verringern sich etwa auch die Filterflächen. Durch unsere Zyklontechnik sind außerdem die Filterverluste im Vergleich zu einem Filterkasten nicht so hoch, weil es keinen Saugkraftverlust gibt. Durch Lastkontrollanlagen spart man außerdem an Luftmenge, womit man auch die Heizkosten im Winter reduziert, weil nicht so viel Luft nach außen transportiert wird. Intelligente Steuerungen stellen sich auf den jeweiligen Luftbedarf ein, je nachdem, wie viele Maschinen oder Arbeitsplätze abgesaugt werden, und fahren die Gebläseleistung bei Bedarf automatisch zurück, was den Stromverbrauch optimiert.

Ist es möglich, bestehende Anlagen nachzurüsten und effizienter zu machen? 

Pfister: Ja, indem man eine solche Steuerung einbaut, kann man die Effizienz bestehender Absauganlagen optimieren. Mit Modellrechnungen können wir dem Kunden zeigen, dass sich diese Kosten in zwei bis drei Jahren amortisieren. Es ist aber noch relativ unbekannt, dass es diese Möglichkeiten gibt, meistens lassen sich Kunden diese Steuerungen eher bei neuen Anlagen einbauen. Dabei sind unsere Anlagen sehr langlebig, wenn sie jährlich gewartet werden. Wir haben Anlagen, die über 30 Jahre im Betrieb sind, es gibt dafür nach wie vor Ersatzteile und Filter. Wir haben schon früh darauf geachtet, nachhaltig zu bauen und Betriebskosten gering zu halten – lange, bevor der Nachhaltigkeits-Trend aufgekommen ist. 

Absaugtechnik wird vor allem als Arbeitsschutzmaßnahme verstanden. Welche Auswirkungen hat eine unzureichende Absaugung allerdings auf Faktoren wie etwa Produktqualität oder Prozessstabilität?

Pfister: Da sprechen Sie einen wesentlichen Punkt an. Kunden schaffen sich solche Anlagen vor allem an, damit die Menschen an den Arbeitsplätzen langfristig gesund bleiben. Dadurch steigt die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Natürlich ist das auch für die Volkswirtschaft interessant, denn dadurch entstehen weniger Krankenstände, damit hat unser Gesundheitssystem weniger Kosten. Außerdem hält man die Arbeitsplätze sauber. Wenn allerdings die Maschinen, die Geräte, sauber bleiben, ist der Verschleiß geringer, man hat also weniger Instandhaltungskosten und weniger Kosten für Verbrauchsmaterial. Wir haben etwa auch Anlagen in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, hier steigt die Qualität des Produkts. Der dritte Punkt, warum unsere Kunden Anlagen kaufen, ist der Faktor Abfall. Bei einem Bearbeitungs- oder Produktionsprozess entstehen Abfälle. Wenn man mit seltenen Erden, seltenen Mineralien oder Rohstoffen arbeitet, gibt es mitunter einen hohen Wertverlust. Mit unseren Anlagen kann man die Wertschöpfung erhöhen, indem man diese wertvollen Produktionsreste absaugt und wieder dem Produktionsprozess zufügt. Damit rechnet sich eine solche Anlage auch recht schnell.

Filter müssen einmal jährlich gewechselt werden. Gibt es Anwendungsfälle, wo sie öfter ausgetauscht werden müssen? Wie erkennen Betreiber das? 

Pfister: Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal bei Dustcontrol: Wir bieten eine Kombination aus Zyklon und Filter. Durch die Fliehkraft des Zyklons werden die Partikel gegen die Wand geschleudert und zirkulieren nach unten. In der Mitte, wo es praktisch windstill ist, befindet sich der Filter – dadurch ist die Filterbelastung nicht so hoch. Deshalb müssen die Filter nicht öfter getauscht werden. Wenn man sie jährlich kontrolliert und gegebenenfalls auswechselt, reicht es im Normalfall aus. Aber natürlich gibt es Spezialfälle, etwa wenn Ölnebel mitgesaugt werden, die die Filter verkleben. Das wissen wir aber schon im Vorfeld und bauen etwa eine Filterüberwachung mit ein.

Wie hat sich die Sensorik in den letzten Jahren entwickelt, ich nehme an da hat sich viel weiterentwickelt? 

Pfister: Früher konnte man eine Anlage in ein paar Stunden in Betrieb setzen, heute dauert es bei großen Anlagen ein bis zwei Tage, je nachdem wie aufwendig die Anlage ist. Aber natürlich rechnet sich das auch, weil es einiges an Betriebskosten einspart.

Wie wichtig ist Forschung und Entwicklung bei Dustcontrol?

Pfister: Unsere Entwicklungsabteilung und unser Testlabor beschäftigen sich mit neuen Produkten und unternimmt Messungen. Die meisten Entwicklungen kommen von den Kunden, die bestimmten Bedarf oder eine bestimmte Lösung haben wollen. Entwicklung passiert also auf beiden Seiten - direkt beim Kunden, durch Anwendungstechnik unserer Verkäufer und im Hintergrund durch die Entwicklungsabteilungen.

Gibt es Branchen, die in den letzten Jahren dazugekommen sind?

Pfister: Ja, vor allem die Nahrungsergänzungsmittelproduktion, da hat sich in Österreich ziemlich getan und es gibt enormen Bedarf. Diese Kapseln werden entweder durch Maschinen, aber auch per Hand befüllt, dadurch entsteht viel Staub. Die Automobilbranche ist aus bekannten Gründen massiv zurückgegangen. Unsere Anlagen kann man aber quer durch alle Branchen verwenden, es gibt fast keine Branche, wo kein Staub entsteht.

Absauganlage von Dustcontrol: "Sehr langlebig, wenn sie jährlich gewartet werden"

- © Dustcontrol AB.

Wenn Sie in die nähere Zukunft schauen: Welche Anforderungen wird es geben, was Arbeitsschutz, Energieeffizienz oder Regulierung angeht?

Pfister: Arbeitsplatzgrenzwerte oder Staubgrenzwerte werden noch strenger werden. Ich denke auch beispielsweise an Asbest, das ist zwar in der Industrie nicht so verbreitet, aber in der Baubranche gibt es noch sehr viele Häuser, die vor 1990 gebaut wurden und Asbest enthalten. Hier wurden die Grenzwerte stark reduziert. Es wird also sicher auch bei anderen gesundheitsgefährdenden Stoffen noch mehr auf Gesundheitsschutz und Arbeitsschutz geschaut.

Wie hat sich der Markt entwickelt? 

Pfister: Früher waren wir mit unserem Produkt, der Punkt-Absaugung, fast die einzigen am Markt, wir waren eigentlich die ersten mit dieser Entwicklung der direkten Absaugung an der Entstehungsstelle. Das Unternehmen gibt es seit 1972 in Schweden und seit 1979 in Österreich. Danach gab es natürlich Konkurrenz, dadurch hat sich unsere Firma auch weiterentwickelt. Früher haben unsere Marktbegleiter versucht, alles zu machen: Lüftung, Klima, Absaugtechnik. Das funktioniert aber nicht, deshalb gab es viele Spezialisierungen. Damit ist der Markt auch recht groß, Kunden haben große Auswahlmöglichkeit.

Ist Dustcontrol weltweit tätig? Wo liegt Ihr Schwerpunkt?

Pfister: Die Komponenten werden in unserem Stammwerk in Schweden zusammengefügt. Der Gründer Ing. Johann Haberl ist ein Österreicher, Dustcontrol ist ein Familienbetrieb, der mittlerweile in der zweiten Generation geführt wird. Wir sind weltweit tätig, in Österreich, Deutschland, Finnland, England und USA haben wir hundertprozentige Tochterfirmen, wir haben Auslandsvertretungen in Australien, Südamerika, China und Kanada, Brasilien, Spanien, Italien, im Balkan und so weiter. Wir haben aber auf jeden Fall noch Expansionspläne, wir wollen wachsen – und das Unternehmen wächst gesund, das heißt wir finanzieren nicht über Bankenkredite, sondern vergrößern aus eigenen finanziellen Mitteln.

ZUM UNTERNEHMEN

Spezialisiert auf mobile Absauggeräte und stationäre Absaugsysteme verhilft Dustcontrol Industrieunternehmen im In- und Ausland zu einer sauberen leistungsfähigen Produktion sowie zu einer gesicherten Qualität der Produkte. Durch die Absaugung von Staub und anderen Verunreinigungen wird zudem das Arbeitsumfeld deutlich verbessert. Die Produktpalette des in Graz domizilierten Unternehmens umfasst mobile Industriestaubsauger und Bausauger sowie stationäre Absauganlagen, angepasste Modultechnik und Zubehör. Die in Graz domizilierte Dustcontrol Gesellschaft m.b.H. ist 100-Prozent-Tochter der schwedischen Dustcontrol AB.

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