Cybersecurity : Getac warnt vor Sicherheitslücke: Warum mobile Endgeräte für Industrieunternehmen zum Risiko werden
Eric Yeh, Managing Director Getac Technology: „Bis die Security-Governance in den Fokus rückt, sind die Geräte bereits von den Richtlinien abgewichen, und Patches wurden versäumt"
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INDUSTRIEMAGAZIN: Getac verweist auf den wachsenden Widerspruch zwischen steigenden Cybercrime-Kosten und nur moderat wachsenden IT-Sicherheitsbudgets. Wo sehen Sie in Industrieunternehmen derzeit die größten blinden Flecken: bei der Technologie, bei Prozessen oder bei der Priorisierung durch das Management?
Eric Yeh: Alle drei Bereiche hängen zusammen, doch es beginnt mit der Priorisierung. Die IT-Sicherheitsbudgets wachsen im Durchschnitt um lediglich 5,7 Prozent pro Jahr, während sich die durch Cyberkriminalität verursachten Kosten allein in Deutschland laut Marktforschungsunternehmen bis 2028 mehr als verdoppeln dürften. Diese Lücke schließt sich nicht von selbst.
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Im praktischen Einsatz sind die mobil und dezentral arbeitenden Mitarbeiter der größte blinde Fleck. 90 Prozent der IT-Fachleute sehen in ihnen ein Sicherheitsrisiko, und 92 Prozent der Ransomware-Angriffe gehen von nicht verwalteten Endgeräten aus. Die meisten Unternehmen haben schlicht keinen vollständigen Überblick über ihre Geräte, sobald diese das Gebäude verlassen – und genau dort liegt aus unserer Sicht bei Getac die größte Angriffsfläche.
Robuste mobile Geräte werden zunehmend in Fertigung, Energieversorgung und Verkehr eingesetzt. Wie verändert sich das Anforderungsprofil an solche Geräte, wenn sie nicht mehr nur physisch widerstandsfähig, sondern zugleich integraler Bestandteil der Cybersecurity-Architektur sein müssen?
Yeh: Physische Robustheit bleibt unverzichtbar, also Standards wie MIL-STD-810H, IP-Schutzklassen, Sturzfestigkeit. Aber ein robustes Gerät, das einen Sturz aus zwei Metern übersteht und zugleich eine ungepatchte Firmware-Schwachstelle in sich trägt, ist kein sicheres Gerät. Diese beiden Dimensionen müssen heute gemeinsam bewertet werden.
Unser Ansatz ist eine Hardware-first-Sicherheit: Die Microsoft-Secured-Core-Technologie schützt die Integrität von der Firmware-Ebene aufwärts, und Absolute Persistence, die bereits vor der Auslieferung ab Werk im Gerät verankert werden kann, sorgt dafür, dass sich der Sicherheits-Agent bei jedem Start automatisch wiederherstellt, selbst nach einer vollständigen Neuinstallation des Systems, das sogenannte Re-Image. Bei groß angelegten Feldeinsätzen wird eine zentrale Kontrolle dadurch überhaupt erst praktikabel.
Sie betonen die Bedeutung von Endpoint Protection für mobile Arbeitskräfte in abgelegenen oder schwer kontrollierbaren Einsatzumgebungen. Welche typischen Fehler beobachten Sie bei Unternehmen, die Außendienst, Instandhaltung oder Field Operations digitalisieren?
Yeh: Der häufigste Fehler liegt in der Reihenfolge: Wie bereits erwähnt, digitalisieren Unternehmen in der Regel zuerst und kümmern sich erst danach um die Sicherheit. Bis die Security-Governance in den Fokus rückt, sind die Geräte bereits von den Richtlinien abgewichen, und Patches wurden versäumt.
Der zweite Fehler ist die Unterschätzung des physischen Risikos. Laut Statista entfallen 17 Prozent aller Datenschutzverletzungen auf verlorene oder gestohlene Geräte, dennoch stufen nur 7 Prozent der Sicherheitsverantwortlichen dies als eines der größten Probleme ein. Genau diese Lücke soll ein durchgängiges Endpoint-Management in Kombination mit robuster, für den Feldeinsatz entwickelter Hardware schließen.
Getac nennt Microsoft Secured-Core-Technologie und Absolute Secure Endpoint als Sicherheitsbausteine. Wie stark fragen Industriekunden solche integrierten Sicherheitsfunktionen bereits aktiv nach – und wo müssen Anbieter noch Aufklärungsarbeit leisten?
Yeh: In den Bereichen Energie, Versorgung und Transport ist die Nachfrage bereits vorhanden. Kunden in diesen Sektoren fragen gezielt nach Firmware-Sicherheit, Remote Wipe und Compliance-Nachverfolgbarkeit. Sie sind über die Grundlagen längst hinaus.
In anderen Industriesegmenten beginnt das Gespräch nach wie vor bei den physischen Spezifikationen. Die Aufklärungsaufgabe besteht darin, Sicherheitsfunktionen mit betrieblichen Ergebnissen zu verknüpfen: weniger Ausfallzeiten, schnellere Reaktion auf Vorfälle, Audit-Fähigkeit. So betrachtet, ist Sicherheit kein Kostenfaktor mehr, sondern wird zur Versicherung. Vielen Kunden ist zudem nicht bewusst, dass Absolute Persistence von Haus aus in ihren Getac-Geräten integriert ist, es muss lediglich aktiviert werden.
Viele Industrieunternehmen stehen unter wachsendem regulatorischem Druck, etwa durch NIS2 und KRITIS-Anforderungen. Wird Cyber-Resilienz bei mobilen Endgeräten künftig zu einem harten Beschaffungskriterium – ähnlich wie IP- oder MIL-STD-Zertifizierungen bei der physischen Robustheit?
Yeh: Ja, absolut, und aus unserer Sicht geschieht das bereits. NIS2 umfasst 18 kritische Sektoren und verankert die Verantwortung für Cybersicherheit auf Führungsebene. KRITIS bringt für deutsche und österreichische Betreiber weitere Pflichten mit sich. Verstöße ziehen finanzielle Sanktionen und Reputationsrisiken nach sich, die Vorstände heute ernst nehmen.
Der Vergleich mit IP und MIL-STD trifft es gut. Diese Standards haben sich durchgesetzt, weil sie Beschaffungsteams eine klare, überprüfbare Möglichkeit gaben, Leistung zu spezifizieren. Die Cyber-Resilienz entwickelt sich in dieselbe Richtung. In wenigen Jahren wird ein Datenblatt ohne eine Zusammenfassung der Sicherheitsfunktionen ebenso unvollständig wirken wie eines ohne Angabe zur Sturzfestigkeit.