Koalitionsverhandlungen ÖVP - FPÖ : Günter Eichhübl über Koalitionsgespräche: "Wer auf Isolation, Nationalismus und Eigenbrötelei setzt, schadet dem Standort"
Günter Eichhübl: "Jene Akteure, denen eine wirtschaftliche Prosperität ein Anliegen ist, sollten in den Koalitionsverhandlungen wachsam und keinen Kompromissen zugänglich sein"
- © TSAPositionen im Wahlkampf und Skepsis aus der Wirtschaft
Nicht so sehr in den spärlichen Informationen, die medial aus den Verhandlungen zur Bildung der Zuckerlkoalition durchgesickert sind, als vielmehr schon im Wahlkampf zur Nationalratswahl sind Positionen für ein künftiges Regierungsprogramm bekannt geworden, die Menschen mit Verstand und Verantwortung für und in der Wirtschaft unseres Landes mit Skepsis und Argwohn entgegengenommen haben. Auch wenn sie bei den gescheiterten Koalitionsverhandlungen keine Rolle mehr gespielt haben möge, so blieb die Forderungen nach einer 32-Stundenwoche als „weltfremde Träumerei“ in den Köpfen derer hängen, denen die Erholung und kompetitive Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Österreich ein großes Anliegen ist. So wurden die Verhandlungen zur Zuckerlkoalition aus Kreisen der Wirtschaft schon vorverurteilt, bevor sie überhaupt begonnen haben.
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Neue Koalitionsaussichten: Eine Chance für die Wirtschaft?
Wird jetzt unter neuen Koalitionsaussichten alles besser? Immerhin, einiges ist vom Tisch. Wir atmen tief durch, wenn wir hören, dass die „breiten Schultern“ jetzt kein Dogma mehr sind. Wenn es nun heißt und auch in Form klar formulierter Absichten im Regierungsübereinkommen herausgelesen werden kann, dass sich etwa „Leistung wieder lohnt“, dann kann ich als Unternehmer Hoffnung schöpfen. Ich nenne als Beispiel die Steuerfreistellung für Überstunden.
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Auch eine Senkung der Lohnnebenkosten scheint in Reichweite. Eine entwickelte Kapitalmarktstruktur mit attraktiven, nicht a priori risikoaversen Grundzügen, ist ebenso eine Perspektive, die im Erstversuch einer Regierungsbildung mit Sicherheit am zuckerlroten Partner gescheitert wäre. Als technisch einfach zu realisierende Maßnahme könnte man mit einer steuerbefreiten Behaltefrist bei Wertpapieren einen Anfang machen.
Vorsicht bleibt geboten: Risiken für den Wirtschaftsstandort
Auch wenn nun ideologisch gefärbte Barrieren für wirtschaftsattraktive Maßnahmen einer künftigen Bundesregierung weniger sind, ist doch weiterhin allergrößte Vorsicht geboten: Die Wirtschaft Österreichs besteht nicht nur aus Unternehmen. Eine solide Einbettung unseres Landes in den innergemeinschaftlichen Wirtschaftsraum und eine positive Einstellung der Politik zum Funktionieren desselben, so wie die Pflege und der Ausbau internationaler Märkte in Form von Wirtschaftsabkommen sind ebenso wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen Erholung, wie wettbewerbsstärkende Maßnahmen für und in den Unternehmen selbst.
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Man lasse es mich ganz klar sagen: Wer in der künftigen Politik auf Isolation, Nationalismus und Eigenbrötelei in wirtschaftspolitischen Belangen setzt, schadet dem Standort und letztlich den Menschen. Wie stark sich die politischen Kräfte, die einen wirtschaftlichen, aber auch gesellschaftlichen Nationalismus, oder gar die Hinwendung zu politisch instabilen Regionen und Märkten befürworten, in der neuen Bundesregierung entwickeln werden, wird man sehen. Daher sollten jene Akteure, denen eine wirtschaftliche Prosperität ein Anliegen ist, in den Koalitionsverhandlungen wachsam und keinen Kompromissen zugänglich sein.
Über den Autor
Günter Eichhübl ist Unternehmensberater und verfügt über langjährige Erfahrung in der Unternehmensführung und Marktentwicklung. Vor seiner Tätigkeit als Berater war er 21 Jahre lang als Gesellschafter und Geschäftsführer bei Traktionssysteme Austria in Wiener Neudorf tätig, einem führenden Unternehmen im Bereich elektrischer Antriebssysteme für Schienen- und Straßenfahrzeuge.
In dieser Funktion war er verantwortlich für die strategische Ausrichtung des Unternehmens, die Umsetzung technischer Innovationen und die Erschließung internationaler Märkte. Dabei sammelte er umfassendes Fachwissen in den Bereichen Management, strategische Planung und Unternehmensentwicklung. Seine Arbeit trug wesentlich zur Positionierung des Unternehmens als verlässlicher Partner in einem hochspezialisierten Marktsegment bei.
Heute unterstützt Günter Eichhübl Unternehmen verschiedener Branchen in Fragen der Geschäftsmodellentwicklung, Prozessoptimierung und strategischen Ausrichtung. Sein Schwerpunkt liegt auf der nachhaltigen Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, der Identifikation von Marktchancen und der Entwicklung langfristiger Wachstumsstrategien.
Mit seiner breiten Expertise und praxisnahen Erfahrung bietet Eichhübl zielgerichtete Lösungen für Unternehmen, die vor komplexen Herausforderungen stehen und ihre Position im Markt stärken möchten.