KI-Reputation 2026 : Wenn KI nach Logistikern gefragt wird: Diese Unternehmen landen vorne

Logistikhub mit LKW und Frau vor Laptop
© Forum Industrie Medien (ki-generiert)

Welche Logistiker nennt die Künstliche Intelligenz, wenn sie nach zuverlässigen Anbietern, Nachhaltigkeit oder konkreten Leistungen gefragt wird? PER Insight hat Claude Sonnet 5, GPT-5.5 und Gemini 3.5 Flash mit 21 Fragen zur österreichischen Logistik konfrontiert. Das Ergebnis unterscheidet sich teils deutlich vom Medienranking und zeigt, warum Bekanntheit allein bei KI nicht reicht.

Wer eine Spedition sucht, kann heute statt einer klassischen Suchmaschine auch ein KI-System fragen. Das Ergebnis ist nicht bloß eine Linkliste: Die KI nennt Unternehmen, beschreibt deren Stärken und weist mitunter auf konkrete Kritikpunkte hin.

PER Insight Consulting hat deshalb neben der bereits untersuchten Medienreputation analysiert, welches Bild von österreichischen Logistikunternehmen in generativen KI-Systemen entsteht. Im ersten Teil unserer Analyse zur Medienreputation führte Gebrüder Weiss die Warenlogistik vor Dachser und Schachinger Logistik an.

Für die zweite Untersuchung wurden am 11. August 2026 Claude Sonnet 5, GPT-5.5 und Gemini 3.5 Flash befragt – jeweils mit aktivierter Websuche. Das Ergebnis: Die Namen an der Spitze ähneln zwar dem Medienranking. Ihre Reihenfolge verändert sich aber, und bei einigen Unternehmen liegen Medien- und KI-Reputation weit auseinander.

Schachinger führt das KI-Ranking an

In der Warenlogistik umfasste das Untersuchungsfeld 69 Unternehmen. Für 37 davon lag genügend Material für eine Reihung vor. An der Spitze steht Schachinger Logistik, gefolgt von Gebrüder Weiss und Dachser. Cargo-Partner und Kühne + Nagel komplettieren die ersten fünf Plätze. Das sind die Top 10:

© PER Insight / erstellt mithilfe von KI

Was die KI konkret gefragt wurde

Entscheidend für die Einordnung des Rankings ist, wie PER Insight die Systeme befragt hat. Je Unterbranche wurden 21 Fragen gestellt. Jede Frage ging an alle drei Systeme und wurde 13-mal wiederholt, weil generative KI auf dieselbe Frage nicht zwingend dieselbe Antwort gibt. So entstanden 819 Antworten je Unterbranche und insgesamt rund 54.000 auswertbare Aussagen.

Sechs der 21 Fragen wurden aus einer allgemeinen Beobachterperspektive gestellt – jeweils eine für die sechs untersuchten Reputationsdimensionen. Beim Thema Nachhaltigkeit lautete die Frage beispielsweise:

„Welche Speditions- und Logistikunternehmen in Österreich sind besonders nachhaltig?“

Die übrigen 15 Fragen wurden aus konkreten Nutzerperspektiven formuliert. PER Insight definierte dafür fünf Rollen: Logistik- und Supply-Chain-Einkäufer in Industrie und Handel, inhabergeführte Versender ohne eigene Logistikabteilung, Frächter und Partnerunternehmen, die öffentliche Perspektive auf Standort, Transitverkehr und Fahrpersonal sowie Arbeitssuchende.

Eine Frage lautete:

„Ich bin in einem österreichischen Industriebetrieb für die Logistik zuständig und vergebe gerade unsere Stückguttransporte in Europa neu. Ich will mir erstmal einen Überblick verschaffen, welche Speditionen für Stückgut und Landverkehr in Österreich am termintreuesten liefern.“

Eine weitere simulierte eine konkrete Outsourcing-Entscheidung:

„Ich bin im Einkauf eines österreichischen Handelsunternehmens und wir überlegen, unser Lager und die Kommissionierung auszulagern. Welche Anbieter für Lager- und Kontraktlogistik in Österreich übernehmen und betreiben solche Projekte verlässlich?“

Damit wurde nicht einfach abgefragt, welche Unternehmen die KI-Systeme kennen. Die Fragen simulierten Situationen, in denen eine Auswahl oder Entscheidung vorbereitet werden könnte.

Hinzu kommt ein wichtiger methodischer Punkt: Jede der 21 Fragen endete mit derselben Aufforderung:

„… und bei welchen dieser Unternehmen gibt es auch konkrete, negative Punkte, die ich kennen sollte?“

Die Systeme lieferten dadurch bewusst mehr Kritik, als sie ohne diese Aufforderung von sich aus äußern würden. PER Insight wollte damit sichtbar machen, welche Einwände ein KI-System einem potenziellen Interessenten zu einem Unternehmen mitgeben würde.

Warum Schachinger bei KI auf Platz eins landet

Schachinger setzt laut Untersuchung in vier der sechs Reputationsdimensionen den Maßstab. In den Antworten wiederholt sich dabei eine klare Positionierung des Unternehmens als auf Nachhaltigkeit ausgerichteter Spezialist.

Als Belege greifen die KI-Systeme wiederholt auf dieselben Themen zurück: die Logistikhalle in Holzbauweise in Hörsching, die als eine der ökologischsten Europas beschrieben und mit dem Staatspreis ausgezeichnet wurde, die „Roadmap to ZERO“, die Flottendekarbonisierung bis 2040 sowie den freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht mit externer Durchsicht.

Interessant ist der Unterschied zur Medienreputation. Dort war Schachingers Position stark von einem einzelnen Ereignis geprägt: der reichweitenstarken Berichterstattung über den geplanten Batteriespeicher in Hörsching. In der KI-Messung entsteht das Bild dagegen aus einem breiteren Bestand dauerhaft verfügbarer Informationen.

Auch bei der Wirtschaftlichkeit kommt es zu einer bemerkenswerten Zuschreibung. Die Systeme begründen wirtschaftliche Solidität nicht mit Umsatz oder Transportmengen, sondern unter anderem mit der Spezialisierung auf Branchenlogistik für Lebensmittel, Pharma und Hightech. Selbst die Tiefe des Nachhaltigkeitsberichts wird als Zeichen wirtschaftlicher Stabilität interpretiert.

PER Insight hält ausdrücklich fest, dass sich diese Zuschreibung in keiner Medienmeldung des Erhebungsjahres findet, sondern der Selbstdarstellung des Unternehmens folgt. Am schwächsten fällt bei Schachinger die Arbeitgeberdimension aus.

Gebrüder Weiss: Fast immer genannt – aber mit alten Themen konfrontiert

Gebrüder Weiss, Nummer eins im Medienranking, landet bei der KI-Reputation auf Rang zwei. Das Unternehmen ist laut Untersuchung in neun von zehn Antworten vertreten und bei allen drei untersuchten Systemen ähnlich stark verankert.

Wiederkehrende Themen sind das Angebot verschiedener Verkehrsträger aus einer Hand, rund 180 Standorte weltweit, die hohe Eigenkapitalquote, das Logistik- und IT-Center in Wolfurt mit automatisiertem Hochregallager, das Kundenportal myGW und das Bahnprodukt Orange Combi Cargo. In Wirtschaftlichkeit und Innovation erreicht Gebrüder Weiss damit jeweils den Maßstab der Untersuchung.

Ganz anders sieht es beim Management aus. Dort fällt der Wert auf null. Ausschlaggebend ist laut PER Insight vor allem ein älteres Kartellverfahren im österreichischen Sammelladungskomplex. Dieses macht fast vier von zehn Managementaussagen aus. Hinzu kommt in den KI-Antworten der Einwand, die Dekarbonisierung stütze sich stark auf HVO-Kraftstoff statt auf Elektrifizierung.

Beide Themen spielten in der Medienberichterstattung des untersuchten Jahres keine Rolle. Genau darin zeigt sich ein wesentlicher Unterschied: Ein Thema muss für KI nicht aktuell sein, um das Bild eines Unternehmens mitzubestimmen.

Dachser bleibt auch bei KI in den Top 3

Dachser liegt in der KI-Messung laut PER Insight fast gleichauf mit Gebrüder Weiss. Die Systeme beschreiben das Unternehmen als Referenz für europäisches Stückgut und heben einheitliche Qualitätsstandards sowie eine starke IT-Vernetzung hervor.

Beim Thema Nachhaltigkeit greifen die Antworten auf die City-Logistik zurück: vollelektrische 7,5-Tonner, die vom Logistikzentrum Himberg aus die Wiener Innenstadt beliefern, sowie die Ausweitung der emissionsfreien Zustellung auf 25 europäische Städte.

Ein Detail zeigt besonders gut, wie sich KI-Reputation selbst verstärken kann. In der Managementdimension ziehen die Systeme den „IMWF Reputation Report Logistik 2025“ heran und verwenden dessen damalige Spitzenplatzierung als Beleg dafür, Dachser als Branchenführer in Österreich einzuordnen. Eine veröffentlichte Rangliste wird damit selbst zum Bestandteil späterer KI-Antworten.

Welche Logistiker nennt die KI? PER Insight hat drei generative KI-Systeme mit konkreten Fragen zur österreichischen Logistik konfrontiert. Das Ergebnis weicht teilweise deutlich vom klassischen Medienranking ab.

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Hödlmayr steigt – DSV fällt deutlich zurück

Noch deutlicher werden die Unterschiede außerhalb der ersten drei Plätze. Cargo-Partner verbessert sich gegenüber dem Medienranking von Rang sieben auf vier, Kühne + Nagel von acht auf fünf. Hödlmayr Logistics steigt von Platz zwölf in der Medienreputation auf Platz sechs bei KI.

In die andere Richtung geht es beispielsweise für Augustin Quehenberger von vier auf neun. Müller-Transporte fällt von neun auf 16, DSV von zehn auf 30 Studienautor Axel Maireder warnt zudem davor, aus den Rangsprüngen automatisch entsprechend große Unterschiede abzuleiten:

„Vorweg zur Größenordnung: Beide liegen in beiden Messungen im unteren Bereich der Skala, DSV medial bei 2,1 von 10, Hödlmayr bei 1,4. Bei so schmalen Abständen erzeugen kleine Wertunterschiede große Rangsprünge.“

Dahinter steht für Maireder dennoch ein grundsätzlicher Mechanismus: „Medienreputation entsteht aus Anlässen, KI-Reputation aus Beständen.“

Im Medienranking kann ein Unternehmen durch wenige reichweitenstarke Ereignisse weit nach vorne kommen. Für das Bild der KI ist dagegen stärker entscheidend, welche Informationen dauerhaft auffindbar und einem Unternehmen zuordenbar sind.

Bekanntheit allein reicht der KI nicht

Hinzu kommt: PER Insight legte den KI-Systemen keine Unternehmensliste vor. Die Befragung erfolgte ungestützt – die Systeme mussten also selbst Unternehmen nennen. Maireder erklärt damit einen Teil der Verschiebungen: „Wer vor allem über Ereignisse in die Berichterstattung kommt und wenig dauerhaft Auffindbares über sich bereitstellt, verschwindet im KI-Kanal. Wer eine gepflegte eigene Darstellung und eine Einordnung hat, die sich in einem Satz sagen lässt, gewinnt dort.“

Und weiter: „Genannt wird, wer mit einer Leistung verknüpft auffindbar ist, nicht wer als Name bekannt ist.“

Knapp die Hälfte der identifizierten Quellen, auf die sich die untersuchten KI-Antworten stützen, stammt nach der Quellenanalyse von PER Insight von den Unternehmen selbst. Nur 12,9 Prozent entfallen auf unabhängige redaktionelle Quellen.

Österreichische Post bleibt bei den Paketdiensten vorne

Auch die Postdienstleister wurden separat untersucht. Das Feld umfasste 30 Unternehmen, zwölf davon verfügten über genügend Material für eine Reihung. Wie beim Medienranking gilt: Die Postdienstleister und Warenlogistiker werden getrennt gereiht und sind nicht direkt miteinander vergleichbar.

An der Spitze verändert sich hier nichts. Österreichische Post, DHL und DPD belegen sowohl im Medien- als auch im KI-Ranking die Plätze eins bis drei.

Bei der Österreichischen Post greifen die Systeme unter anderem den Universaldienst und die Marktführerschaft bei Inlandspaketen auf. Hinzu kommen die nach Unternehmensangaben seit 2011 CO₂-neutrale Zustellung, der Auflegeroboter Robin, Selbstbedienungs-Abholstationen und AllesPost. Nachhaltigkeit und Innovation erreichen in der Untersuchung den jeweiligen Maßstab.

Gleichzeitig wirken auch ältere kritische Themen weiter. Gut ein Drittel der Managementaussagen betrifft laut PER Insight den Datenschutz und konkret die rechtswidrige Verarbeitung von Daten zu Parteiaffinitäten. Hinzu kommen Schlichtungsverfahren aus dem Jahr 2025 und wiederkehrende Kritik an der Zustellqualität.

DHL erreicht in der Untersuchung besonders hohe Werte bei Management und Arbeitgeber. Bei Produkt & Service fällt der Wert dagegen auf null. Fast drei von zehn Aussagen dieser Dimension drehen sich um den Preis: DHL Express wird von den Systemen als schnell und global, für private Inlandssendungen aber als teuer eingeordnet.

DPD wiederum erreicht bei Produkt & Service und Wirtschaftlichkeit den jeweiligen Maßstab. Genannt werden unter anderem 64,6 Millionen Pakete, 16 Depots, 3.300 Pickup-Standorte und der Ausbau der Out-of-Home-Zustellung über myflexbox. Bei Management und Arbeitgeber wirken dagegen unter anderem Recherchen aus dem Jahr 2023 zum Subunternehmer-Komplex am Depot Kalsdorf nach.

Was das KI-Ranking tatsächlich misst

Das Ranking ist ausdrücklich keine Bewertung der tatsächlichen Qualität der Unternehmen. Es misst, welches Reputationsbild in den Antworten der drei untersuchten KI-Systeme entsteht.

Aus den Antworten bildet PER Insight einen Reputationsscore aus der Anzahl der Aussagen, ihrer Tonalität und der jeweiligen Reputationsdimension. Wie bei der Medienanalyse werden sechs Bereiche betrachtet: Produkt & Service, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Management, Arbeitgeber und Innovation.

Ein methodischer Unterschied ist wichtig: Beim Medienranking fließen in die Arbeitgeberdimension zusätzlich Bewertungen von Jobplattformen ein. Bei der KI-Reputation beruht der Arbeitgeberwert ausschließlich auf den KI-Aussagen.

Auch deshalb lassen sich die Punktwerte der beiden Erhebungen nicht unmittelbar gegeneinander rechnen. Hinzu kommen unterschiedlich große Unternehmensfelder und unterschiedliche Datenmengen. Vergleichbar sind laut PER Insight vor allem Ränge und Verteilungen, nicht die Punktwerte. Der Vergleich zeigt dennoch einen grundlegenden Unterschied: Medienreputation entsteht stärker aus aktuellen Ereignissen. KI-Reputation wird stärker von dem geprägt, was über ein Unternehmen dauerhaft auffindbar ist.

Und genau dort setzt der dritte Teil unserer Analyse an: Woher wissen KI-Systeme eigentlich, was sie über ein Logistikunternehmen sagen? Denn fast jede zweite identifizierte Quellennennung stammt vom Unternehmen selbst. Diese Analyse finden Sie in den nächsten Tagen auf ww.w.industriemagazin.at/logistik.

Individuelle Auswertungen aus der Analyse können bei PER Insight bezogen werden: [email protected], +43 1 34 60 66 710.