Logistiker-Ranking Medienreputation : Diese Logistiker sind in aller Munde
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- © Forum Industrie MedienWas und wie über ein Unternehmen berichtet wird, prägt dessen öffentliche Wahrnehmung. Doch eine hohe Zahl an Medienberichten allein reicht nicht für eine starke Reputation. Entscheidend ist auch, welche Reichweite die Berichterstattung erzielt und ob ein Unternehmen mit positiven oder negativen Themen in Verbindung gebracht wird.
Das zeigt eine aktuelle Analyse von PER Insight Consulting (vormals IMWF Austria) für Österreich. Untersucht wurden 23.789 bewertbare Aussagen aus insgesamt 714 Quellen im Zeitraum von 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2026. Berücksichtigt wurden Nachrichtenportale, Tages- und Wochenzeitungen, Fachmedien sowie öffentlich zugängliche Social-Media-Beiträge. Unternehmenseigene Kanäle flossen nicht in die Medienanalyse ein. PER unterschied dabei Waren- und Postlogistik
In der Warenlogistik wurden 49 Unternehmen untersucht.
Warum Gebrüder Weiss auf Platz eins landet
Gebrüder Weiss erreicht in fünf der sechs untersuchten Reputationsdimensionen den höchsten Wert des Feldes. Besonders stark wirkte sich dabei eine Reihe reichweitenstarker Ereignisse aus.
Dazu gehörten die Erweiterung der E-Lkw-Flotte in Verbindung mit dem VCÖ-Mobilitätspreis, die Veröffentlichung der Jahreszahlen mit einem Umsatz von 2,73 Milliarden Euro, die Investition von 100 Millionen Euro in ein neues Logistik- und IT-Zentrum in Wolfurt sowie die Expansion auf den Philippinen. Zusätzlich wurde das Unternehmen in der Berichterstattung als Experte zur Entwicklung der Luftfrachtkapazitäten im Nahen Osten zitiert.
Eine Ausnahme bildet die Arbeitgeberreputation. Zwar ist Gebrüder Weiss auch hier medial präsent, Bewertungen auf Jobplattformen drücken jedoch den Wert dieser Dimension. Die Arbeitgeberdimension ist die einzige Dimension der Medienanalyse, in die neben Medienaussagen auch Jobplattformen einfließen.
Negative Berichterstattung gab es unter anderem regional im Zusammenhang mit einer Bürgerinitiative gegen Speditionsansiedlungen in Salzburg-Schallmoos. Sie konnte die breite Präsenz des Unternehmens in anderen Themenfeldern jedoch nicht aufwiegen.
Dachser punktet mit einem breiten Profil
Dachser landet auf Rang zwei. Auffällig ist weniger ein einzelnes dominierendes Ereignis als die Breite des Profils: In allen sechs untersuchten Dimensionen weist die Analyse eine positive Tonalität aus.
Besonders stark schneidet Dachser als Arbeitgeber ab. Hier liegt das Unternehmen vor Gebrüder Weiss. Dazu tragen sowohl die Bewertungen auf Jobplattformen als auch die Kommunikation rund um Ausbildung und Lehrlinge bei.
Im Bereich Innovation sorgte unter anderem der digitale Zwilling @ILO für Aufmerksamkeit. Das gemeinsam mit Fraunhofer entwickelte System wurde mit dem European Logistics Award ausgezeichnet. In Nachhaltigkeit sowie Produkt und Service blieb die gemessene Reputation dagegen vergleichsweise schwächer – laut Analyse vor allem deshalb, weil entsprechende Berichte überwiegend in Fach- und Regionalmedien erschienen und damit weniger Reichweite erzielten.
Gerade Dachser zeigt damit einen wichtigen Mechanismus des Rankings: Eine positive Berichterstattung allein führt nicht automatisch zu einem hohen Wert. Auch die Reichweite entscheidet.
Ein Batteriespeicher bringt Schachinger auf Rang drei
Noch deutlicher wird dieser Effekt bei Schachinger Logistik. Das Unternehmen erreicht Platz drei der Gesamtwertung, wobei ein einzelnes Thema einen erheblichen Anteil daran hat.
Der geplante 60-MWh-Batteriespeicher in Hörsching, den Schachinger gemeinsam mit Powerlink H2 realisiert, wurde innerhalb eines Tages von vier reichweitenstarken Medien aufgegriffen. Schachinger bezeichnet das Projekt als Österreichs größten Batteriespeicher in der Logistik. Die Berichterstattung unter anderem in ORF, „Krone“, „Salzburger Nachrichten“ und „Oberösterreichischen Nachrichten“ trägt wesentlich dazu bei, dass Schachinger in der Dimension Nachhaltigkeit Rang zwei erreicht.
Weitere positive Themen waren eine E-Lkw-Kooperation mit Nestlé Österreich, eine Auszeichnung mit dem Energie Star sowie eine Leitbetriebe-Zertifizierung.
Wie stark ein einzelnes Ereignis ein Jahresranking beeinflussen kann, bestätigt Studienautor Axel Maireder von PER Insight: „Unser Index misst ein Jahr als Ganzes, nicht dessen Verlauf. Was wir sehen: Die Spitzenwerte beruhen jeweils auf drei bis vier Anlässen, die es in ORF, ‚Krone‘ und die Tageszeitungen geschafft haben, nicht auf durchgehender Pressearbeit.“
Am deutlichsten sei das bei Schachinger zu beobachten: Der Batteriespeicher habe das Unternehmen in der Nachhaltigkeitsdimension auf Rang zwei gehoben, während die übrigen fünf Dimensionen unter dem Feldschnitt liegen.
Reichweite ist wichtiger als bloße Präsenz
Damit liefert das Ranking eine Erkenntnis, die über die einzelnen Platzierungen hinausgeht: Viel Berichterstattung bedeutet nicht automatisch gute Medienreputation.
Ein Beispiel dafür ist Kühne + Nagel. Das Unternehmen weist im Untersuchungszeitraum die zweitgrößte Medienpräsenz des Feldes auf, landet im Gesamtranking aber lediglich auf Rang acht. Rund ein Drittel der erfassten Berichterstattung war negativ geprägt. Dazu gehörten Meldungen über einen Gewinnrückgang und angekündigte Stellenstreichungen sowie Berichte über Verbindungen im Zusammenhang mit Signa.
Maireder warnt deshalb auch davor, die Rangfolge als unveränderliches Bild der Unternehmen zu lesen. „Solche Werte sind zwischen zwei Erhebungen beweglich.“ Stabiler seien Profile, die sich aus mehreren Themen zusammensetzen. Als Beispiel nennt er Dachser mit positiver Tonalität in allen sechs Dimensionen.
Auch negative Einzelereignisse können einen entsprechend großen Ausschlag verursachen. Bei den separat untersuchten Postdienstleistern landet UPS wesentlich aufgrund der Berichterstattung über den Absturz eines Frachtflugzeugs im November 2025 auf dem letzten Platz.
So wurde die Medienreputation gemessen
PER Insight untersuchte für die Analyse 714 Quellen und wertete 23.789 Aussagen aus. Entscheidend ist dabei: Nicht ein kompletter Medienbericht bildet jeweils eine Untersuchungseinheit, sondern eine einzelne Aussage über ein Unternehmen. Ein Artikel kann entsprechend mehrere bewertete Aussagen enthalten.
Jede Aussage wurde nach Tonalität – positiv, neutral oder negativ – und Reichweite bewertet und einer oder mehreren von sechs Dimensionen zugeordnet: Produkt & Service, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Management, Arbeitgeber und Innovation.
Aus Menge, Tonalität und Reichweite errechnet PER Insight für jede Dimension einen Wert zwischen null und zehn. Der jeweils höchste Wert innerhalb eines untersuchten Teilmarkts wird auf zehn normiert, die übrigen Werte werden relativ dazu berechnet. Der Gesamtindex ergibt sich aus dem Mittelwert der sechs Dimensionen.
Eine Besonderheit betrifft die Arbeitgeberdimension: Hier stammt die Hälfte des Wertes aus Bewertungen auf Jobplattformen, die andere Hälfte aus der Medienanalyse.
Bei den Paketdiensten führt die Österreichische Post
Die Postdienstleister wurden von PER Insight als eigenes Feld untersucht. Unter acht Unternehmen führt die Österreichische Post vor DHL und DPD.
Die Werte der Postdienstleister wurden unabhängig von jenen der Warenlogistiker normiert. Ein Rang oder Indexwert aus einem Feld lässt sich daher nicht direkt mit einem Unternehmen aus dem anderen Feld vergleichen.
Bei der Österreichischen Post entfällt mehr als die Hälfte aller erfassten Aussagen des Teilmarkts auf das Unternehmen. In vier der sechs Dimensionen erreicht sie den höchsten Wert. Besonders sichtbar waren unter anderem die Elektrifizierung der Zustellung, der Ausbau von Photovoltaik sowie Projekte wie der Sortierroboter Robin und bidirektionales Laden.
DHL liegt auf Platz zwei und erreicht in Produkt & Service einen höheren Wert als die Post. Sichtbarkeit brachten unter anderem zusätzliche Frachtflüge ab Linz sowie die Zertifizierung für den Transport von Lithiumbatterien in der Luftfracht. DPD folgt auf Platz drei; zu den relevanten Themen gehörten der Paketrekord im Dezember, die Zusammenarbeit mit myflexbox und ein neuer Standort im Waldviertel.