Probleme im europäischen Landverkehr : DSV-Schenker-Integration: Ein verlorenes Jahr und Folgen bis 2028

DSV-Chef Jens Lund
© Jørgen True/Studie-E

Die Integration von DB Schenker in den dänischen Logistikkonzern DSV hat im europäischen Landverkehr größere wirtschaftliche Folgen als zuletzt erwartet. In der Analystenkonferenz zum dritten Quartal 2026 am 21. Oktober erklärte DSV-Chef Jens Lund, dass die Probleme bei der Zusammenführung der Transportnetze die Entwicklung um nahezu ein Jahr zurückgeworfen hätten. Erst um diese Zeit im kommenden Jahr könnte das Geschäft wieder dort stehen, wo es ursprünglich bereits hätte sein sollen.

Nach Angaben des Konzerns sind die operativen Qualitätsprobleme inzwischen behoben. Die wirtschaftlichen Folgen bleiben jedoch bestehen: DSV muss verlorene Transportmengen zurückgewinnen, die Produktivität steigern und einen Teil der erwarteten Einsparungen später realisieren.

Bereits im Sommer hatten Probleme bei der Zusammenführung der europäischen Landverkehrsnetze zu Verzögerungen und Qualitätseinbußen geführt. Besonders betroffen waren Deutschland, Frankreich und die Niederlande.

Rund 134 Millionen Euro an Einsparungen verzögern sich

DSV hält an seinem Ziel fest, durch die Schenker-Übernahme jährliche Synergien von rund 1,2 Milliarden Euro zu erzielen. Allerdings verschiebt sich die vollständige finanzielle Wirkung eines Teils dieser Einsparungen.

Finanzvorstand Michael Ebbe bezifferte den betroffenen Betrag in der Analystenkonferenz auf umgerechnet rund 134 Millionen Euro. Die Einsparungen sollen im Laufe des Jahres 2027 wirksam werden, ihre volle jährliche Wirkung aber erst 2028 erreichen.

Im offiziellen Quartalsbericht verweist DSV auf Verzögerungen bei den Synergien im Landverkehr und in bestimmten Konzernfunktionen. Ursache seien die operativen Probleme nach der Zusammenführung der Transportnetze. Das Gesamtziel bleibt laut Unternehmen unverändert.

Auch bei den Integrationskosten verschiebt sich ein Teil der Aufwendungen. Für 2026 erwartet DSV nun Sonderaufwendungen von rund 737 Millionen Euro statt der zuvor veranschlagten 871 Millionen Euro. Die verbleibenden Kosten sollen 2027 anfallen. Die insgesamt erwarteten Transaktions- und Integrationskosten von rund 1,47 Milliarden Euro bleiben unverändert.

Road-Ergebnis bricht um 35 Prozent ein

Im dritten Quartal erzielte die Sparte Road ein operatives Ergebnis vor Sondereffekten von rund 71 Millionen Euro. Das waren 35,1 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. In dem Ergebnis sind zudem Gewinne aus Immobilienverkäufen von rund 26 Millionen Euro enthalten.

DSV führt den Rückgang auf geringere Transportmengen und eine niedrigere Produktivität zurück. Die Zuverlässigkeit des europäischen Netzwerks hatte nach der Integration zeitweise gelitten.

Lund bezifferte die zusätzlichen Kosten durch die Qualitätsprobleme allein für das dritte Quartal auf schätzungsweise 27 bis 40 Millionen Euro. Dazu gehörten unter anderem Expresszustellungen, mit denen DSV Verspätungen ausgleichen musste. Diese zusätzlichen Kosten seien inzwischen weggefallen.

Die Lieferqualität habe sich bis zum Ende des Quartals wieder normalisiert. Nach Angaben Lunds lag die Quote vollständig und pünktlich zugestellter Sendungen im September wieder bei rund 94 Prozent. Im Sommer war sie zeitweise auf 89 Prozent gesunken.

DSV braucht bis zu neun Monate, um verlorene Transportmengen zurückzugewinnen

Mit der Verbesserung der Lieferqualität ist die Erholung des Landverkehrsgeschäfts noch nicht abgeschlossen. Laut Lund fehlen dem Netzwerk weiterhin Transportmengen. Der Rückgang liege knapp unter zehn Prozent.

DSV hat deshalb im September die Vertriebsaktivitäten verstärkt. Lund rechnet damit, dass es sechs bis neun Monate dauern könnte, die verlorenen Mengen zurückzugewinnen.

Ein Grund dafür sind die Abläufe bei der Rückgewinnung von Kunden. Selbst wenn ein Unternehmen wieder Transportaufträge an DSV vergibt, kann es nach Angaben Lunds mindestens 90 Tage dauern, bis die notwendigen IT-Anbindungen eingerichtet sind und die Transporte tatsächlich beginnen.

Im Analystengespräch erklärte Lund außerdem, dass größere und komplexere Kunden überwiegend geblieben seien. Verluste habe es insbesondere bei kleineren Kunden gegeben.

Für 2027 will DSV neben der Rückgewinnung von Transportmengen vor allem die Produktivität verbessern. Dazu gehören nach Angaben des Managements die Kosten für Abholung und Zustellung, die Produktivität in den Terminals sowie die Auslastung der Hauptläufe.

Terminalnetz soll auf rund 280 Standorte schrumpfen

Parallel dazu setzt DSV die Zusammenführung der früher getrennten Landverkehrsnetze fort. Vor der Übernahme betrieben DSV und Schenker zusammen rund 450 Terminals. Inzwischen sind es laut Lund etwas mehr als 300. Angestrebt wird eine Reduktion auf rund 280 Standorte.

Der DSV-Chef verwies in der Analystenkonferenz auf Polen, wo die beiden Netze inzwischen zusammengeführt worden seien. Dort habe die Umstellung nach seinen Angaben keine vergleichbaren Qualitätsprobleme verursacht.

Die meisten Länder sind laut DSV bereits integriert oder befinden sich im Integrationsprozess. Die wenigen verbleibenden Länder sollen im vierten Quartal mit der Integration beginnen.

Konzerngewinn steigt trotz Problemen im Landverkehr

Während das Landverkehrsgeschäft schwächer abschnitt, steigerten die Sparten Air & Sea und Contract Logistics ihre Ergebnisse. Konzernweit erzielte DSV im dritten Quartal ein operatives Ergebnis vor Sondereffekten von rund 886 Millionen Euro, ein Plus von 19,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet DSV weiterhin ein operatives Ergebnis vor Sondereffekten zwischen rund 3,22 und 3,35 Milliarden Euro. Die bisherige Prognosespanne von rund 3,15 bis 3,42 Milliarden Euro wurde damit eingeengt.