Öl und Gas : OMV-Produktion im vierten Quartal gesunken

OMV Erdgasspeicher Schönkirchen/Reyersdorf

Der teilstaatliche Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV hat im vierten Quartal 2024 eine leicht rückläufige Gesamtproduktion verzeichnet.

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OMV: Produktion und finanzielle Entwicklung im vierten Quartal 2024

Der österreichische Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV, der zu 31,5 % im Besitz des österreichischen Staates ist, veröffentlichte für das vierte Quartal 2024 ein Trading Update, das eine leicht rückläufige Gesamtproduktion zeigt. Während die durchschnittliche Fördermenge an Öl und Gas mit rund 337.000 Barrel pro Tag stabil im Vergleich zu den beiden Vorquartalen blieb, stellt dies im Vergleich zum vierten Quartal 2023 einen Rückgang von 7,4 % dar. Im Vorjahresquartal lag die Fördermenge bei 364.000 Barrel pro Tag. Die endgültigen Quartalszahlen sowie die Ergebnisse für das Gesamtjahr 2024 werden am 4. Februar 2025 bekannt gegeben.

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- © Industriemagazin

Rückgang in der Gasproduktion

Die Erdgasproduktion zeigte einen deutlichen Rückgang: Von 160.000 Barrel Öl-Äquivalente pro Tag (boe/d) im dritten Quartal sank die Produktion auf 156.000 boe/d. Im Vergleich zum Vorjahresquartal, in dem 171.000 boe/d erzielt wurden, fiel die Produktion sogar noch stärker. Die Gasförderung hat für die OMV eine strategische Bedeutung, da Erdgas eine zentrale Rolle in der europäischen Energiewende spielt und als Übergangstechnologie hin zu erneuerbaren Energien gilt.

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Die Rückgänge in der Gasproduktion sind auf mehrere Faktoren zurückzuführen, darunter natürliche Erschöpfung bestehender Förderquellen, technologische Herausforderungen und geopolitische Risiken in wichtigen Förderregionen. OMV setzt jedoch auf technologische Innovationen, um die Effizienz bestehender Felder zu steigern und neue Vorkommen zu erschließen.

Öl- und NGL-Produktion im Detail

Die Rohöl- und NGL-Produktion der OMV stieg im vierten Quartal 2024 leicht an und erreichte 182.000 boe/d, was einem Anstieg im Vergleich zu den 172.000 boe/d des dritten Quartals entspricht. Dennoch blieb dieser Wert unter den 193.000 boe/d, die im vierten Quartal 2023 erzielt wurden. Die Schwankungen in der Ölproduktion spiegeln die globale Unsicherheit auf den Rohstoffmärkten wider, die durch die geopolitischen Spannungen und die schwankende Nachfrage nach fossilen Brennstoffen beeinflusst wird.

OMV hat weiterhin erhebliche Investitionen in die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder getätigt. Zu den bedeutendsten Projekten zählt die Entwicklung des Schwarzmeerprojekts Neptun Deep in Zusammenarbeit mit der Tochtergesellschaft OMV Petrom.

Marktentwicklung und Ölpreise

Der durchschnittliche Brent-Preis sank im vierten Quartal auf 74,73 US-Dollar pro Barrel und lag damit deutlich unter den Werten des Vorjahresquartals (84,34 US-Dollar) und des dritten Quartals 2024 (80,34 US-Dollar). Der Rückgang der Ölpreise spiegelt die Abschwächung der globalen Nachfrage wider, die unter anderem durch wirtschaftliche Unsicherheiten und eine Verlangsamung des Wachstums in großen Volkswirtschaften wie China und der Europäischen Union beeinflusst wurde.

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OMV konnte trotz der gesunkenen Brent-Preise einen durchschnittlich realisierten Rohölpreis von 72,6 US-Dollar erzielen, was jedoch ebenfalls unter den 82,3 US-Dollar des Vorjahresquartals liegt. Positiv entwickelte sich hingegen der durchschnittlich realisierte Erdgaspreis, der auf 30,6 Euro/MWh anstieg. Im Vergleich zum Vorquartal (24,9 Euro/MWh) bedeutet dies eine deutliche Verbesserung, was auf eine verstärkte Nachfrage in Europa zurückzuführen ist.

Chemie-Segment: Im Spannungsfeld von Innovation und Marktkrise

Das Chemiegeschäft der OMV, das einen wichtigen Beitrag zur Diversifizierung des Konzerns leistet, sah sich im vierten Quartal 2024 mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. OMV erwartet einen Rückgang des Ergebnisses im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich im Vergleich zum Vorquartal. Ursache dafür sind sowohl höhere Fixkosten als auch schwächere Marktbedingungen.

Das Joint Venture Baystar in Texas, das eine Schlüsselrolle in OMVs Chemiestrategie spielt, leidet unter den gegenwärtigen Marktbedingungen. Baystar, ein Gemeinschaftsprojekt mit dem US-amerikanischen Unternehmen Borealis, ist in der Produktion von Polyethylen tätig, einem zentralen Bestandteil vieler Kunststoffprodukte. Die schwächelnde Nachfrage nach Kunststoffprodukten und höhere Rohstoffpreise haben das Geschäft belastet.

Dennoch setzt OMV weiterhin auf Innovation im Chemiesegment und plant Investitionen in nachhaltige Technologien wie das chemische Recycling von Kunststoffen. Ziel ist es, die Kreislaufwirtschaft zu fördern und neue Wachstumschancen in einem zunehmend umweltbewussten Marktumfeld zu erschließen.

Raffinerien: Zwischen Effizienz und globalem Druck

Die Raffinerie-Referenzmarge in Europa, die den durchschnittlichen Gewinn aus der Verarbeitung von Rohöl zu Kraftstoffen wie Benzin und Diesel widerspiegelt, fiel auf 5,90 US-Dollar pro Barrel. Im Vergleich zum Vorjahresquartal (9,92 US-Dollar) und dem Vorquartal (5,00 US-Dollar) zeigt dies einen deutlichen Rückgang. Die niedrigen Margen resultieren aus einem Überangebot an raffinierten Produkten und einer schwächeren Nachfrage in Europa.

Trotz dieser Herausforderungen konnte die OMV ihre Raffinerie-Auslastung in Europa auf 90 % erhöhen, nachdem sie im dritten Quartal noch bei 84 % lag. Die höhere Auslastung spiegelt eine effiziente Nutzung der Anlagen wider und trägt positiv zum operativen Ergebnis bei.

Höhere Verkaufszahlen in Libyen

Ein Lichtblick im vierten Quartal waren die gestiegenen Verkaufszahlen in Libyen, die das operative Ergebnis im Energy-Segment um fast 300 Millionen Euro im Vergleich zum Vorquartal verbesserten. Libyen ist ein wichtiger Produktionsstandort für die OMV, obwohl das Land aufgrund politischer Instabilität und Sicherheitsrisiken als herausfordernd gilt.

Die höheren Verkaufszahlen wurden durch eine Stabilisierung der politischen Lage in der Region begünstigt, die es der OMV ermöglichte, die Förderkapazitäten voll auszuschöpfen. Dennoch bleibt das Risiko von Unterbrechungen aufgrund der geopolitischen Situation bestehen.

Einmaleffekte und Hedging-Verluste

Das vierte Quartal wurde auch durch Einmaleffekte und Hedging-Verluste im Gasgeschäft geprägt. OMV meldete einen negativen Einfluss auf den Cashflow aus der Betriebstätigkeit von rund 200 Millionen Euro. Hauptursache waren der Rückkauf von Gas-Hedges über Börsen sowie höhere Gaspreise.

Hedging ist ein wichtiger Bestandteil der Risikomanagementstrategie von OMV, da es dem Unternehmen ermöglicht, sich gegen Preisschwankungen auf den Energiemärkten abzusichern. Allerdings können unerwartete Marktbewegungen, wie sie im Jahr 2024 beobachtet wurden, zu Verlusten führen.

Strategische Entwicklungen und neue Partnerschaften

Neben den operativen Ergebnissen hat OMV im vierten Quartal 2024 bedeutende Fortschritte in strategischen Projekten erzielt. Am 14. Januar gab das Unternehmen bekannt, dass ein Schiedsspruch im Zusammenhang mit einem deutschen Gasliefervertrag mit Gazprom einen positiven Effekt von rund 210 Millionen Euro auf das Ergebnis des vierten Quartals haben wird. Dieser Gewinn wird im bereinigten operativen Ergebnis des Geschäftsbereichs Gas Marketing & Power erfasst.

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Darüber hinaus hat die OMV Petrom, die rumänische Tochtergesellschaft der OMV, eine langfristige Vereinbarung getroffen, ab 2027 jährlich 15 Terawattstunden Gas aus dem Schwarzmeerprojekt Neptun Deep nach Deutschland zu liefern. Dieses Projekt wird als entscheidender Schritt zur Stärkung der Energiesicherheit in Europa angesehen, insbesondere angesichts der Reduktion der Energieimporte aus Russland.

Blick in die Zukunft

OMV hat ehrgeizige Ziele für die kommenden Jahre, darunter die Förderung erneuerbarer Energien und die Reduzierung von CO₂-Emissionen. Das Unternehmen plant, seine Investitionen in nachhaltige Projekte zu verdoppeln und sich stärker auf die Kreislaufwirtschaft und alternative Energien zu konzentrieren.

Im Chemiesegment wird OMV voraussichtlich weiterhin in Technologien wie das chemische Recycling investieren, um langfristig eine führende Position in der nachhaltigen Produktion einzunehmen. Gleichzeitig bleibt das Öl- und Gasgeschäft ein wesentlicher Bestandteil des Portfolios, da es zur Finanzierung der Transformation beiträgt.