Wenn in Europa über Halbleiterpolitik gesprochen wird, richtet sich der Blick meist auf die großen Chipfabriken, auf milliardenschwere Ansiedlungen und auf die Frage, wie sich die Abhängigkeit von Asien reduzieren lässt. Klaus Buchwald, COO von Siltronic, setzte beim 9. Deutsch-Österreichischen Technologieforum, organisiert von der Deutschen Handelskammer in Österreich in Kooperation mit Fraunhofer Austria, bewusst früher in der Kette an.
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Sein Argument: Ohne Wafer gibt es keine Chips – und ohne ein belastbares Ökosystem rund um diese Vorprodukte bleibt jede Debatte über Resilienz unvollständig.
Siltronic verortet sich genau an dieser Stelle der Halbleiterwertschöpfung. Es verarbeitet Polysilizium, zieht Kristalle und fertigt daraus Wafer, vor allem im im 300-Millimeter-Segment -, die wiederum die Grundlage für die weitere Halbleiterproduktion bilden. In dieser Logik seien Waferhersteller ein zentrales, oft zu wenig beachtetes Glied der Industrie. Buchwald verweist darauf, dass Siltronic zu den fünf weltweit führenden Waferherstellern zählt und sich dabei als einziger westlicher Produzent in dieser Spitzengruppe - mit unter anderem Sumco sowie Shin Etsu aus Japan, Globalwafers aus Taiwan, und SK Siltron aus Südkorea - sieht. Gerade mit Blick auf Lieferketten, Resilienz und die industrielle Basis Europas sei diese Position von erheblicher strategischer Bedeutung.
Der Manager verbindet diese Einordnung mit einem Hinweis auf die Kapitalintensität des Geschäfts. Siltronic erwirtschaftet rund 1,3 Milliarden Euro Umsatz, gleichzeitig sei das Geschäft von hohen Investitionen geprägt. Neue Fabriken bewegen sich laut Buchwald in einer Größenordnung von zwei bis drei Milliarden Euro Kosten. Wer in diesem Segment mitspielen will, braucht also langen Atem, hohe Kapitaldisziplin und technologischen Vorsprung. Gerade deshalb sei die Waferproduktion kein Feld, das sich schnell oder mit politischem Willen allein neu aufbauen lasse.
Das erklärt Buchwalds grundsätzliche Skepsis gegenüber allzu einfachen industriepolitischen Erwartungen. Er machte deutlich, dass sich die weltweite Arbeitsteilung in der Halbleiterindustrie nicht binnen fünf oder zehn Jahren grundlegend umkehren lasse. Zwar könne Europa Schwerpunkte setzen, doch ein vollständiger regionaler Neuaufbau aller Segmente sei in kurzer Frist unrealistisch. Besonders deutlich wurde das in seiner Beschreibung der globalen Nachfrage- und Produktionsschwerpunkte: Ein erheblicher Teil des Verbrauchs und der Kapazitäten liege in China, Korea und Taiwan. Für Europa bedeute das, Prioritäten setzen zu müssen – etwa dort, wo der Kontinent bereits Stärken aufweist.