Steyr Automotive Elektro Lkw : Steyr Automotive: Aus dem früheren MAN-Werk wird die Startrampe für Chinas Elektro-Lkw

Steyr-Automotive-Aufsichtsratschef Siegfried Wolf neben dem batterieelektrischen Schwerlast-Lkw eTopas 600 im Werk Steyr.

Siegfried Wolf mit dem eTopas 600: In Steyr wird das frühere MAN-Werk zur Fertigungsbasis für einen chinesischen Elektro-Lkw in Europa.

- © SuperPanther/ Steyr Automotive / FOTOKERSCHI.AT / KERSCHBAUMMAYR

Für den oberösterreichischen Nutzfahrzeughersteller Steyr Automotive beginnt ein neues Kapitel: Im traditionsreichen Werk in Steyr ist die Serienproduktion des batterieelektrischen Schwerlast-Lkw eTopas 600 angelaufen. Das Fahrzeug wurde vom chinesischen Technologieunternehmen SuperPanther für den europäischen Markt entwickelt und wird in Oberösterreich endmontiert, in Betrieb genommen und einer abschließenden Qualitätskontrolle unterzogen.

Am 27. Juli 2026 rollte die erste serienmäßig produzierte 4x2-Elektro-Sattelzugmaschine vom Endmontageband. An der offiziellen Übergabe nahmen unter anderem SuperPanther-Gründer und -Geschäftsführer Chao Liu, SuperPanther-Europachef Michael Ruf sowie Steyr-Automotive-Aufsichtsratsvorsitzender Siegfried Wolf teil. Mit dem Produktionsstart folgen auf die Entwicklungs- und Erprobungsphase nun die ersten regulären Kundeneinsätze.

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Wie SuperPanthers Elektro-Lkw in Steyr zum europäischen Nutzfahrzeug wird

Zu den ersten Abnehmern gehören DHL Freight, die deutsche Gress Speditions GmbH, das steirische Logistikunternehmen Temmel und der Nutzfahrzeugdienstleister Lontex, der unter anderem in Polen und Tschechien tätig ist. Nach Angaben der beiden Hersteller beginnt damit der kommerzielle Betrieb des eTopas 600 in Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Polen und Tschechien. DHL hatte bereits vor dem Serienstart mit SuperPanther zusammengearbeitet und den Elektro-Lkw bei europäischen Erprobungsfahrten eingesetzt.

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Der eTopas 600 wird im sogenannten Semi-Knocked-Down-Verfahren, kurz SKD, hergestellt. Dabei kommen größere, bereits vormontierte Baugruppen nach Steyr und werden dort zum fertigen Fahrzeug zusammengefügt. SuperPanther liefert zentrale Komponenten wie die E-Achse mit zwei Motoren, die Hochvolt-Leistungselektronik und das Wärmemanagement. Weitere Bauteile und Systeme stammen von internationalen und europäischen Zulieferern wie ZF, Schaeffler, Aumovio, Infineon, Michelin, Continental, Goodyear und Castrol. Steyr Automotive verantwortet die Endmontage, die technische Inbetriebnahme und die Qualitätsabnahme.

„Starkes Engineering braucht eine starke Fertigung“, erklärte Siegfried Wolf anlässlich des Produktionsstarts. Jedes Fahrzeug müsse vor der Auslieferung die gemeinsam definierten Qualitätsstandards erfüllen. SuperPanther wiederum bezeichnet das Modell nicht lediglich als importierten chinesischen Lkw, sondern als Fahrzeug, das durch europäische Fertigung, Validierung, Zulieferstrukturen und Serviceangebote an die Anforderungen des hiesigen Marktes angepasst werde.

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621 kWh Batterie: Was im Elektro-Lkw eTopas 600 steckt

Technisch ist der eTopas 600 für den schweren Fern- und Verteilerverkehr ausgelegt. Die Sattelzugmaschine hat ein Leergewicht von 10,8 Tonnen und ist für ein zulässiges Gesamtzuggewicht von 42 Tonnen vorgesehen. Die elektrische Antriebsachse verfügt über zwei Motoren und ein Zweiganggetriebe. Sie erreicht eine Dauerleistung von 394 Kilowatt sowie eine maximale Leistung von 692 Kilowatt beziehungsweise 941 PS. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 89 Kilometern pro Stunde angegeben.

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Die Energie liefert eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie des chinesischen Herstellers CATL mit einer Kapazität von 621 Kilowattstunden. Sie ist Teil einer Hochvoltarchitektur mit rund 800 beziehungsweise 876 Volt. Nach Herstellerangaben ist die Batterie für bis zu 4.500 vollständige Ladezyklen ausgelegt. Als mögliche Lebensdauer werden bis zu 1,2 Millionen Kilometer oder acht Jahre genannt. Diese Werte sind Herstellerangaben und hängen im praktischen Betrieb unter anderem von Ladeverhalten, Fahrleistung, Temperatur und Einsatzprofil ab.

Bis zu 600 Kilometer Reichweite: SuperPanther zielt auf Europas Fernverkehr

Bei der Reichweite nennt SuperPanther abhängig von Testbedingungen und Einsatzprofil Werte zwischen 560 und rund 600 Kilometern. Seit März 2026 legte eine Kunden-Testflotte laut Unternehmen mehr als 70.000 Kilometer unter realen europäischen Betriebsbedingungen zurück. Dabei seien unterschiedliche Strecken, Nutzlasten und Fahrzyklen berücksichtigt worden. Der ermittelte durchschnittliche Energieverbrauch lag laut SuperPanther bei ungefähr 0,94 bis 0,95 Kilowattstunden pro Kilometer.

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Eine Besonderheit sind die CCS2-Ladeanschlüsse auf beiden Seiten des Fahrzeugs. Werden zwei geeignete Schnellladestationen gleichzeitig verwendet, kann die Batterie parallel über beide Anschlüsse geladen werden. Bei Praxistests wurden nach Unternehmensangaben Spitzenleistungen von knapp 647 Kilowatt erreicht. Der Ladezustand ließ sich dabei in weniger als 38 Minuten von 20 auf 80 Prozent erhöhen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine entsprechend leistungsfähige Ladeinfrastruktur mit zwei verfügbaren CCS2-Anschlüssen.

EU-Typgenehmigung macht den eTopas 600 bereit für Europas Straßen

Eine wichtige Voraussetzung für die Auslieferung war die europäische Gesamtfahrzeug-Typgenehmigung. SuperPanther teilte Anfang Juni 2026 mit, dass der eTopas 600 die EU Whole Vehicle Type Approval nach der Verordnung 2018/858 erhalten habe. Diese Genehmigung ermöglicht es, ein genehmigtes Fahrzeugmodell grundsätzlich in sämtlichen EU-Mitgliedstaaten zuzulassen, ohne für jedes Land ein vollständig neues Typgenehmigungsverfahren durchführen zu müssen.

Für Reparaturen und Wartungsarbeiten hat SuperPanther eine Kooperation mit Alltrucks abgeschlossen. Das markenübergreifende Nutzfahrzeugnetzwerk verfügt nach eigenen Angaben über rund 700 Partnerwerkstätten in Europa und bietet auch einen europaweiten Pannendienst rund um die Uhr an. Parallel dazu will SuperPanther eigene Schulungsprogramme für Servicetechniker, eine Ersatzteillogistik, Ferndiagnosen und drahtlose Software-Aktualisierungen aufbauen.

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MAN-Werk Steyr: Wie Siegfried Wolf den Standort neu aufstellt

Für Steyr Automotive ist der Serienstart auch industriepolitisch bedeutsam. Das frühere MAN-Werk wurde 2021 von der WSA Beteiligungs GmbH unter der Führung von Siegfried Wolf übernommen. MAN hatte zuvor die Zukunft des Standorts infrage gestellt. Mit der Übernahme sollten die Nutzfahrzeugfertigung und möglichst viele Arbeitsplätze in der Region erhalten werden. Zunächst wurden in Steyr weiterhin Lkw und Komponenten für MAN produziert, während gleichzeitig neue Auftragsfertigungsprojekte aufgebaut wurden.

Heute beschäftigt Steyr Automotive nach aktuellen Unternehmensangaben rund 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Werksgelände umfasst etwa 500.000 Quadratmeter, davon entfallen rund 218.000 Quadratmeter auf Gebäude sowie Produktions- und Logistikflächen. Neben der Auftragsfertigung betreibt das Unternehmen eine große Lackieranlage, entwickelt Fahrzeuglösungen und produziert unter der Marke MUT Aufbauten für Abfallsammlung und Straßenreinigung.

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Vom MAN-Werk zum China-Partner: Steyr Automotive sucht planbare Stückzahlen

SuperPanther ist nicht der einzige chinesische Nutzfahrzeughersteller, der in Steyr fertigen lässt. Seit dem 3. März 2026 produziert Steyr Automotive auch Lastwagen für Sinotruk. Gefertigt werden sowohl dieselbetriebene als auch vollelektrische Modelle für die EMEA-Region. Auch dieses Projekt begann mit einer SKD-Montage. Bei steigenden Stückzahlen ist vorgesehen, weitere Produktionsschritte nach Steyr zu holen, darunter die Fahrerhausfertigung und die Lackierung.

Wie viele eTopas-600-Fahrzeuge im Jahr 2026 tatsächlich produziert werden sollen, haben die beteiligten Unternehmen bislang nicht veröffentlicht. SuperPanther nennt jedoch das strategische Ziel, bis 2030 insgesamt 16.000 von dem Unternehmen angetriebene Elektro-Lkw in Europa einzusetzen. Ob dieses Vorhaben erreicht wird, hängt neben den Bestellungen auch von der Ladeinfrastruktur, den Betriebskosten, der Serviceabdeckung und der Akzeptanz bei europäischen Transportunternehmen ab.

Für das Werk in Steyr ist der Serienanlauf dennoch ein wichtiges Signal. Nach mehreren schwierigen Jahren, wechselnden Projekten und einem deutlichen Rückgang der Beschäftigtenzahl kann Steyr Automotive damit erneut seine Rolle als europäischer Auftragsfertiger für Nutzfahrzeuge unter Beweis stellen. Entscheidend wird nun sein, ob aus den ersten Kundenfahrzeugen größere und dauerhaft planbare Produktionsmengen entstehen.

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