Maserati-Krise Stellantis : Maserati: Stellantis’ Luxusmarke kämpft um den Neustart – und Italiens Werke hängen mit dran

Getarnter Maserati-Prototyp von vorne: Die Luxusmarke steht bei Stellantis vor einem strategischen Neustart mit möglichen Partnern.

Ein getarnter Maserati-Prototyp: Stellantis will die Luxusmarke mit neuen Partnern, Technologie und Modellen neu aufstellen.

- © Maserati

Maserati steht vor einer der wichtigsten Weichenstellungen der vergangenen Jahre. Stellantis-Chef Antonio Filosa hat vor dem italienischen Parlament bestätigt, dass der Autokonzern mit zwei möglichen Partnern über eine Zusammenarbeit für die angeschlagene Luxusmarke verhandelt. Namen nannte Filosa nicht. Klar ist aber: Die Gespräche sollen Technologie, Entwicklungskompetenz und neue Ideen für Maserati bringen. Eine Entscheidung, mit welchem Partner Stellantis weitermachen will, soll bald fallen.

Gleichzeitig versuchte Filosa, Sorgen in Italien zu zerstreuen. Weder Maserati noch das Werk Cassino bei Rom stünden zum Verkauf, sagte der CEO. Der Standort gilt als eines der am schwächsten ausgelasteten Werke des Konzerns in Europa. Seine Zukunft hängt nun eng an der neuen Maserati-Strategie, die im Dezember vorgestellt werden soll. Auch das traditionsreiche Werk Modena, in dem weitere Maserati-Modelle entstehen, könnte von einer Partnerschaft profitieren.

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Maserati verliert Geld – neue Modelle sollen gegensteuern

Der Druck ist groß. Maserati lieferte im vergangenen Jahr weniger als 8.000 Fahrzeuge aus und verzeichnete einen bereinigten operativen Verlust von 198 Millionen Euro. Für eine Marke, die weltweit für italienischen Luxus, Design und Sportlichkeit steht, sind das alarmierende Zahlen. Stellantis will Maserati dennoch nicht aufgeben. Im neuen Konzernplan ist ausdrücklich vorgesehen, die Marke als reine Luxusmarke zu stärken. Dazu gehören zwei neue große Fahrzeuge im E-Segment; eine detaillierte Roadmap soll im Dezember 2026 in Modena vorgestellt werden.

Maserati hat bereits erste Schritte eingeleitet. Kurz vor dem strategischen Neustart präsentierte die Marke überarbeitete Versionen von GranTurismo, GranCabrio und Grecale. Die Modelle werden je nach Variante mit Verbrenner-, Hybrid- oder Elektroantrieb angeboten. Beim GranTurismo und GranCabrio gibt es unter anderem verbesserte Elektro-Reichweiten und einen aufgewerteten Sechszylinder mit 590 PS. Auch der Grecale erhält zusätzliche Motorisierungsoptionen. In Europa starten die Preise laut Reuters bei rund 80.000 Euro.

Die Produktion wird für Stellantis zur Kernfrage: Neue Modelle und Partner sollen Maserati stärken und italienische Werke besser auslasten.

- © Maserati

Stellantis macht Partnerschaften zum neuen Betriebssystem

Für Stellantis ist Maserati aber nur ein Teil eines größeren Umbaus. Der Konzern hat im Mai den Fünfjahresplan „FaSTLAne 2030“ vorgestellt. Er umfasst Investitionen von 60 Milliarden Euro, 60 neue Modelle bis 2030 und eine deutlich stärkere Rolle von Partnerschaften. Filosa setzt damit stärker auf Kooperationen, um Kosten zu teilen, Entwicklung zu beschleunigen und schwach ausgelastete Werke besser zu nutzen.

Diese Strategie zeigt sich bereits bei den chinesischen Partnern Leapmotor und Dongfeng. Leapmotor International ist ein von Stellantis geführtes 51/49-Joint-Venture, das Elektrofahrzeuge außerhalb Chinas vertreibt und produzieren kann. Auch mit Dongfeng plant Stellantis ein europäisches Gemeinschaftsunternehmen im Verhältnis 51 zu 49, unter anderem für Vertrieb, Einkauf, Engineering und mögliche Produktion in Europa.

Stellantis-Werke sollen über neue Partner wieder Takt finden

Nach diesem Muster sollen auch neue Italien-Partnerschaften strukturiert werden. Filosa sagte, Stellantis wolle bei neuen Kooperationen jeweils 51 Prozent halten. Neben Maserati geht es dabei um kleine, günstige Elektroautos im Werk Pomigliano bei Neapel. Dort sollen E-Autos für rund 15.000 Euro entstehen. Filosa sprach von mindestens zwei Modellen, möglicherweise auch drei.

Die Botschaft an Italien lautet: Stellantis will die Werke nicht schließen, sondern über neue Modelle, Kooperationen und Umrüstungen besser auslasten. Der Konzern beziffert die derzeitige europäische Auslastung auf etwa 60 Prozent und will bis 2030 auf mehr als 80 Prozent kommen. Europa soll rund 40 Prozent der Investitionen aus dem neuen Plan erhalten.

Das Maserati-Werk in Modena könnte vom geplanten Neustart der Luxusmarke profitieren. Stellantis verhandelt mit möglichen Partnern über Technologie, Entwicklung und neue Modelle.

- © Maserati

Für Maserati entscheidet sich jetzt, ob der Neustart trägt

Der Neustart ist auch finanziell notwendig. Stellantis meldete für 2025 einen Nettoverlust von 22,3 Milliarden Euro, bei einem Umsatz von 153,5 Milliarden Euro. Der Konzern begründete den Verlust vor allem mit hohen Sonderbelastungen infolge einer strategischen Neuausrichtung. Filosa spricht von einer Rückkehr zu mehr Wahlfreiheit für Kunden – also Elektroautos, Hybride und Verbrenner statt einer einseitigen Festlegung.

Für Maserati entscheidet sich nun, ob aus der Krise ein glaubwürdiger Neustart wird. Die Marke hat Geschichte, Namen und Designkraft. Was ihr fehlt, sind Volumen, moderne Technologie und ein klarer Produktfahrplan. Genau diese Lücken sollen die neuen Partner schließen. Doch bis Dezember bleibt offen, wer an Maseratis Zukunft mitbauen darf – und wie stark der Dreizack tatsächlich wieder glänzen kann.

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