KTM Stellenabbau Österreich 2026 : KTM-Jobkrise: Palfinger greift zu – EU bewilligt Millionenhilfe für Betroffene
Die KTM AG führt ihre Neuausrichtung fort und baut dazu rund 500 Beschäftigte ab - zwei Drittel davon in Österreich
- © APA/MANFRED FESLDie KTM AG setzt ihre strategische Neuausrichtung fort und kündigt den Abbau von rund 500 Arbeitsplätzen an – etwa zwei Drittel davon in Österreich. Wie die Muttergesellschaft Bajaj Mobility AG (ehemals Pierer Mobility AG) vor gut drei Wochen bekannt gab, sind vor allem Angestellte sowie Beschäftigte im mittleren Management betroffen. Frühwarnmeldungen wurden bereits beim Arbeitsmarktservice (AMS) eingereicht.
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Von indischer Seite wurde schon mehrmals angedeutet, dass bei KTM personell noch weitere Einschnitte bevorstehen dürften. Betroffenen Mitarbeitenden steht eine von Land Oberösterreich und AMS finanzierte Stiftung für die Automotive-Branche zur Verfügung. Auch die EU hat Hilfe angekündigt. Die ersten Kündigungen sollen bereits übernächste Woche erfolgen.
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KTM nach der Insolvenz: So will der Konzern den Neustart sichern
Als Hauptgründe für den Schritt nennt Bajaj Mobility die „nachhaltige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch die Senkung der Fixkosten, die Straffung von Strukturen“ sowie eine gezielte Fokussierung des Produktportfolios. „Die KTM AG setzt im Zuge eines Effizienzprogramms schwierige, aber notwendige Maßnahmen, um nach der Insolvenz der KTM AG Ende 2024 den erfolgreichen Neubeginn aus dem Vorjahr 2025 fortzusetzen“, heißt es in der Mitteilung.
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Zum Jahresende 2025 wird ein Personalstand von 3.794 Beschäftigten angestrebt. CEO Gottfried Neumeister betonte die strategische Notwendigkeit der Entscheidung: „um unsere Kosten zu senken, Strukturen zu verschlanken und das Unternehmen damit langfristig stabil aufzustellen.“
Komplexitätsabbau bei KTM: Führungsebene gestrichen, Sozialplan präsentiert
„Wir reduzieren in allen Bereichen an Komplexität“, erklärte Neumeister weiter. Dies betreffe unter anderem die Modellpalette, IT-Infrastruktur und Abteilungsorganisation – insbesondere durch den Wegfall einer kompletten Führungsebene. Ziel sei eine konsequente Ausrichtung auf das Kerngeschäft mit den Marken KTM, GASGAS und Husqvarna.
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Im Rahmen einer Online-Betriebsversammlung wurde den Beschäftigten der Sozialplan vorgestellt, wie die APA berichtet. Laut Wolfgang Gerstmayer, Geschäftsführer der Gewerkschaft GPA Oberösterreich, konnte ein tragfähiger Kompromiss erzielt werden: „In einem anspruchsvollen gesamtwirtschaftlichen Umfeld ist es uns gelungen, eine Lösung zu erarbeiten, die sowohl den Anforderungen einer nachhaltigen Fortführung des Unternehmens als auch den berechtigten sozialen Interessen der Mitarbeitenden gerecht wird.“
Er bezeichnet die Einigung als tragfähigen Deal. Ergänzend hat KTM einen Härtefallfonds ins Leben gerufen, der einspringen soll, wenn Mitarbeitende beispielsweise Angehörige pflegen müssen oder sich in ähnlichen Belastungssituationen befinden. „Wir hoffen, dass dieser Einschnitt jetzt einmal passiert und KTM dann wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt, ohne dass weitere Maßnahmen nötig sind“, erklärt Gerstmayer und zeigt sich dabei vorsichtig optimistisch. Für den Fall eines weiteren Personalabbaus noch im laufenden Jahr wurde bereits eine Verlängerung des Sozialplans vereinbart.
Insolvenzstiftung erweitert: Neue Perspektiven und Unterstützungsangebote für KTM-Betroffene
Zusätzlich öffnen das AMS und das Land Oberösterreich die bestehende Insolvenzstiftung für weitere 200 Personen. Ziel ist es, den Betroffenen Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten. „Wir schaffen damit eine echte Perspektive für die Betroffenen, um rasch wieder Fuß zu fassen“, so Gerstmayer weiter. Er lobte außerdem die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und dem Unternehmensvorstand: „Wir haben gemeinsam mit allen relevanten Partnern in Oberösterreich konstruktiv an Lösungen für die Zukunft gearbeitet – mit einem klaren Fokus auf die Menschen und den Standort, nicht auf vergangene Fehlentscheidungen.“
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Auch KTM-Vorstandsvorsitzender Gottfried Neumeister äußerte sich in einer schriftlichen Stellungnahme und bedankte sich bei der GPA: „Gemeinsam mit dem AMS und den Behörden haben sie zudem maßgeblich dazu beigetragen, zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen wie einen Härtefallfonds und eine vom Land Oberösterreich finanzierte Insolvenzstiftung auf den Weg zu bringen.“
Für den 10. März plant das Arbeitsmarktservice spezielle Informationsveranstaltungen, um die gekündigten Mitarbeitenden zu unterstützen. Der KTM-Betriebsrat befindet sich bereits im Austausch mit dem AMS. Innerhalb des Unternehmens laufen zudem Gespräche über mögliche freiwillige Austritte.
Palfinger wirbt um KTM-Fachkräfte – Konkurrenz am Arbeitsmarkt steigt spürbar
Der Salzburger Kranhersteller Palfinger zeigt offenbar Interesse an ehemaligen KTM-Beschäftigten. Laut Stefan Seilinger, dem stellvertretenden AMS-Chef in Braunau, sind insbesondere Fachkräfte aus den Bereichen Forschung und Entwicklung gefragt. Palfinger betreibt ein Werk im nahegelegenen Lengau im Bezirk Braunau.
Seilinger wies darauf hin, dass es im Bezirk zwar Beschäftigungsmöglichkeiten gebe, der Konkurrenzdruck am Arbeitsmarkt jedoch zunehme. Betroffene müssten sich daher unter Umständen auf Einkommensverluste einstellen. Konkrete Daten zu den von der KTM-Personalkürzung betroffenen Mitarbeitenden erwartet das AMS Mitte Februar.
EU-Fonds soll KTM-Beschäftigten helfen: 1,8 Millionen Euro für beruflichen Neustart
420 ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Motorradherstellers KTM sollen zudem beim beruflichen Wiedereinstieg durch Mittel aus Brüssel unterstützt werden. Insgesamt 1,8 Millionen Euro aus dem Europäischen Globalisierungsanpassungsfonds für Arbeitnehmer (EGF) sind dafür vorgesehen. Die EU-Kommission schlug am Freitag vor, insgesamt 3,7 Millionen Euro aus dem Fonds zu mobilisieren, um 836 Betroffene in Österreich und Belgien zu fördern.
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Finanziert werden sollen unter anderem Berufsberatung und -orientierung, Unterstützung bei der Arbeitssuche, Weiterbildungsmaßnahmen sowie Ausbildungsbeihilfen. Die Gesamtkosten für diese Maßnahmen werden auf rund 3 Millionen Euro geschätzt. Davon will die EU-Kommission 60 Prozent übernehmen, während die verbleibenden 40 Prozent – rund 1,2 Millionen Euro – vom österreichischen Arbeitsmarktservice (AMS) getragen werden.
Österreich hatte bereits im März 2025 mit Maßnahmen zur Unterstützung der KTM-Beschäftigten begonnen. Diese Ausgaben können rückwirkend durch den EGF gedeckt werden. Bevor die Mittel freigegeben werden, müssen jedoch noch das EU-Parlament und der Rat der Mitgliedstaaten dem Vorschlag der Kommission zustimmen.
Der Europäische Globalisierungsfonds hat zum Ziel, insbesondere niedrigqualifizierte und benachteiligte Arbeitsuchende bei der Anpassung an neue Anforderungen des Arbeitsmarkts zu unterstützen. Aktiviert werden kann der EGF, wenn ein einzelnes Unternehmen – einschließlich seiner Zulieferer und weiterverarbeitenden Betriebe – mehr als 200 Arbeitskräfte entlässt. Für den Zeitraum 2021 bis 2027 steht dem Fonds ein Jahresbudget von 35 Millionen Euro zur Verfügung. Je nach Projekt kann er zwischen 60 und 85 Prozent der Kosten übernehmen, etwa für Maßnahmen zur beruflichen Reintegration oder zur Förderung von Unternehmensgründungen durch die Betroffenen.