Schweißen

Die besten Allrounder

Für INDUSTRIEMAGAZIN unterzogen Mitarbeiter von Magna Steyr die neuesten Schweißhelmmodelle einem Praxischeck. Die Erkenntnis der Grazer Vollprofis: Oft stößt Billiggerät an seine Grenzen – aber nicht immer.

Zur Veranschaulichung führt er seine Besucher zur Karosserie des SLS. Da sieht man sofort: Die Schweißwinkel sind enorm, die Schweißer müssen ständig in Bewegung sein. Deshalb gibt es für die Helme von Fronius und EWM in der Kategorie „Tragekomfort des Belüftungssystems“ vom Magna-Steyr-Testteam Punkteabzüge. „Der Schlauch behindert beim Schweißen“, meint Magna-Steyr-Tester Helmut Treven. Ein Punkt, den er Herstellern bereits kommuniziert hat.

Das Esab-Modell (Rang 2) sei laut Karner „ein sehr dichter Helm“. Weil er „ganz geschlossen ist“, sei er bei stundenlangem Schweißen ohne Unterbrechung – etwa im Schiffsbau – „sicher optimal“, meint Karner. Im – deutlich abwechslungsreicheren – Prototypenbau ist er weniger gut aufgehoben. „Wir schweißen ein paar Nähte, dann wird genietet oder verschraubt“, erklärt Karner. Ein nicht unwesentlicher Punkt: Wo genau im Helm die Luft eingeblasen wird. Zugluft auf der Stirn ist nicht angenehm – sie kann sogar „zu Stirnhöhleneiterungen führen“, heißt es bei Magna Steyr. Beim 3M-Helm ist die Ausführung wunderbar geglückt. Einziges Manko: „Es zieht ein wenig im Mundbereich“, so Karner.

Helme über 300 Euro: Top-Allrounder Viele sehr gute und gute Einzelwertungen gibt es auch in der Kategorie der Helme über 300 Euro (Listenpreis exklusive Mehrwertsteuer). Selbst mit den Stroboskopeffekten beim CMT-Schweißen – also kurzen, fürs Auge äußerst unangenehmen Lichtblitzen – kommen die Helme gut zurecht. Die Modelle von EWM (Powershield II) und Fronius (Vizor 3000 Professional) – beide vom Lizenzpartner Optrel gebaut – gehen in der Kategorie gemeinsam durchs Ziel. Die Sicht auf die Schweißnaht findet Magna Steyr-Tester Werner Karner bei beiden Modellen großartig. Bei früheren Modellen war das Sichtfenster grün. „Der neue Braunton ist viel angenehmer“, erzählt er. Eine wirkliche Enttäuschung gibt es in der Preisklasse nicht. Auch 3M (3. Platz) und Kemppi (4.) können überzeugen. Schutzstufen und Sensibilität sind im Speedglas 9100 von 3M im Inneren des Helms mit kleinen (beleuchteten) Knöpfen regelbar. „Perfekt“, urteilt Tester Werner Karner. Beim Beta 90 X von Kemppi hat ihn die gute Klarsicht beim Schweißen beeindruckt. Weniger gut gefallen hat ihm die Scheibe des Helms: Muss man sie tauschen, geht sie schwer heraus. Eine Einladung an alle Schweißer, gewaltsam „einen Schraubenzieher zu Hilfe zu nehmen“, weiß Karner. Helme unter 300 Euro: Licht und Schatten

Getestet haben die Steirer auch Helme unter 300 Euro mit fester Schutzstufe. Gegen Helme von Fronius oder 3M hatte es der deutlich günstigere Euromatik 3/11 von Elmag in Werner Karners Prüflabor schwer, zu bestehen. Den Schweißprofis fehlen auch wichtige Verstellmöglichkeiten. In der Kategorie mit variabler Schutzstufe (unter 300 Euro) fährt Elmags  ultiSafeVario L aber einen Überraschungssieg ein: Das Helmband „ist alles andere als optimal“, so Magna-Steyr-Tester Günter Tschrischnig. Aber von den günstigeren Modellen „ist dieser Helm am überzeugendsten“, sagt er. Die Haptik des Helms liegt auch Werner Karner – „kein Totenkopf und keine Flammenbemalung drauf“, outet sich der Experte nicht als Fan auffälliger Airbrush-Designs.

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