Corona-Strategien

Materialeinkauf in Corona-Zeiten: Wenn der Preis für Flachstahl explodiert

Der Nachschub bei Vormaterialien wie Flachstahl aus Asien oder Italien ist unterbrochen. Lieferanten, die jetzt in die Presche springen, lassen sich ihre Aktivitäten teuer bezahlen - ihnen droht Ärger mit dem Wettbewerbsrecht.

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Stahlarbeiter der Voestalpine (Symbolbild)

Ein Wording für den „Fall von exorbitanten Preissteigerungen“ finden Maschinenbauer dieser Tage auf der Website der Metalltechnischen Industrie. Die Empfehlung kommt nicht von ungefähr. „Wir stellen in manchen Branchen massive Preissteigerungen fest“, heißt es beim Fachverband, Mitglieder hätten sich, so hört man, Unterstützung suchend an die Interessensvertretung gewendet.

Und so wird in wenigen, aber umso eindringlicheren Worten angeregt, gegenüber allzudreisten Teuerungen von Lieferanten auf folgende Entgegnung zu setzen: „Wir weisen darauf hin, dass die laufenden Preiserhöhungen ihrer Produkte sich nicht durch übliche Marktentwicklungen erklären lassen“. Weiters werden volkswirtschaftliche Überlegungen aufgefahren: „Aus unserer Sicht führt dies zu einer künstlichen Verknappung dringend benötigter Ressourcen, was wiederum zu einer eingeschränkten Versorgung in Österreich führt“, heißt es im Wortlaut. Und: Man behalte sich vor, „rechtliche Maßnahmen im Rahmen des Wettbewerbs- und Preisrechtes gegen solche Praktiken einzuleiten“, heißt es da. 

Preisexplosion?

Bei den aktuellen Teuerungen hört sich für viele Unternehmen, die Vormaterialien und Halbzeuge wie etwa Produkte aus Stahl in großen Mengen beziehen, der Spaß auf. Nicht jeder aber sieht zwangsläufig die Lieferanten auf ihren Vorteil schielen. „Dem behördlichen Schließen einiger Lieferanten folgte eine spürbare Verknappung bei Flachstahl“, erzählt etwa ein Geschäftsführer eines Anlagenbaubetriebs in Oberösterreich.

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Aus Italien angeliefert, sei dieser jetzt Mangelware. In die bedrohliche Nähe eines Versorgungsengpasses kommen die Oberösterreicher dennoch nicht, Lieferanten in Europa, von denen die Wege etwas weiter sind und die auch höhere Preise hinterlegen, kompensieren die bisherigen Lieferquellen. Preissteigerungen von wenigen bis gleich einmal 30 Prozent beobachtet der Manager jedoch. 

Eingedeckt

Und das in einer Phase, wo die schlimmsten Teuerungswellen ausgestanden schienen. Der Trend bei Rohstoffpreisen wie etwa Kupfer oder Aluminium ging zuletzt scharf nach unten. Das machte sich - Monate vor Corona - etwa der Antriebshersteller Traktionssysteme Austria zunutze. „Wir kaufen im Regelfall zu Tagespreisen ein und decken uns dann gleich ein“, erzählt Geschäftsführer Günter Eichhübl. Die Planbarkeit des projektgetriebenen Geschäftes erlaube „entsprechende Dispositionen“, sagt er.

Auch bei Halb- und Fertigprodukten war bei den von TSA zugekauften Produkten wie Stahlwellen, Lager und bearbeiteten Gussteilen vor Corona kein Preisdruck spürbar. „Im Gegenteil: Es war ein guter Zeitpunkt, um zumindest Konditionen wie Zahlungsziele und Skonti aufzufrischen“, so Eichhübl. So verbesserten sich die durchschnittlichen DPO’s im letzten Jahr um 12 Tage. Aktuell finde man noch gute und günstige Kapazitäten im Zukauf, soferne Zulieferer nicht geschlossen haben. „Wie es nun aber genau weitergehen wird, steht in den Sternen“, sagt der TSA-Chef. Nachsatz: „Wir haben jedenfalls vorgesorgt“.