Abgasskandal

Dieselskandal: Europas Behörden prüfen wieder bei einem halben Dutzend Hersteller

In Europa geraten wieder Autohersteller in Verdacht, bei Dieselabgasen manipuliert zu haben. Derzeit laufen Untersuchungen bei Fiat Chrysler, Suzuki und Mitsubishi. Conti und Daimler nehmen Stellung.

In Europa geraten immer mehr Autohersteller in Verdacht, bei Dieselabgasen manipuliert zu haben. Nach Angaben der niederländischen Verkehrsaufsicht RDW verstoßen die SUV von Fiat Chrysler und Suzuki, Grand Cherokee und Vitara, gegen Emissionsvorschriften und müssen repariert werden.

Die RDW, die als Referenzbehörde für die gesamte EU fungiert, erklärte, Fiat Chrysler habe bereits eine Software entwickelt, um das Problem zu beheben. Die zum Konzern gehörende Marke Jeep sei angewiesen worden, den Grand Cherokee in die Werkstätten zu rufen. Suzuki habe noch keine Lösung für den Vitara gefunden. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt weiterhin wegen des gleichen Verdachts gegen den japanischen Autobauer Mitsubishi.

Die niederländische Behörde drohte mit dem Widerruf der europäischen Typgenehmigung für den Vitara, sollte Suzuki keine angemessene Verbesserung der Abgaswerte erzielen. Die gleiche Maßnahme sei vorsorglich für den Jeep Grand Cherokee eingeleitet worden. Seit dem Dieselskandal von Volkswagen vor vier Jahren prüfen Regulierungsbehörden weltweit Dieselmodelle auf illegale Abschalteinrichtungen.

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Die RDW erklärte, sowohl beim Grand Cherokee als auch beim Vitara seien "verbotene Emissionsstrategien" festgestellt worden. Diese führten dazu, dass die Autos auf der Straße mehr giftiges Stickoxid ausstießen als unter Testbedingungen im Labor. Die niederländische Staatssekretärin für Infrastruktur, Stientje Veldhoven, kündigte in einem Brief ans Parlament an, sie werde die Staatsanwaltschaft über die Ergebnisse informieren. Weder Fiat Chrysler noch Suzuki konnten zunächst für eine Stellungnahme erreicht werden.

Im Fall von Mitsubishi wies der Autozulieferer Continental jeden Verdacht von sich: "Wir haben an keinen unserer Kunden - weder auf Bestellung noch etwa aus freien Stücken - Software zur Manipulation von Abgastestwerten geliefert", sagte ein Sprecher. "An unserem Erkenntnisstand hat sich nichts geändert", fügte er hinzu. Eine solche Erklärung hatte der Dax-Konzern aus Hannover schon bei Bekanntwerden des Dieselskandals von Volkswagen abgegeben. Vor vier Jahren hatte VW zugegeben, weltweit millionenfach Dieselabgase manipuliert zu haben. Kosten für Strafen, Entschädigungen und Anwälte türmen sich bisher auf mehr als 30 Milliarden Euro.

Auch bei Daimler nimmt der Aufwand zu, um sich Vorwürfen der Dieselmanipulation zu erwehren. In Frankreich wurde bereits gegen Renault und Peugeot ermittelt. Peugeot hat eingeräumt, Dieselmotoren an Mitsubishi geliefert zu haben. Ob diese Teil der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt sind, ist bisher nicht bekannt. Die Dieselkrise trifft die Unternehmen in einer ohnehin schwierigen Phase, da die Konzerne bei schwächelnden Märkten viele Milliarden für den Umstieg in die Elektromobilität stemmen müssen. (reuters/apa/red)

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